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Der Orient · 1841-03-06 · Heft 10 (6.3.1841) · p. Seite 78

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 10 (6.3.1841)
Article
Breslau: Mittheilungen ... über die jüdischen Feste
Date
1841-03-06
Page
Seite 78 (sequence 3)
Language
German
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78 feiern. In dem Worte „Wochenfest" liegt eine Hinweisung auf die Zeit des Auszuges aus Egypten bis zuw Gesetz-Empfänge. Das Hüttenfest deutet auf den Aufenthalt in der Wüste hin, wonach der Cyklus der Festtage als eine heilige Verkündigung zum Andenken unseres Auszuges aus Egypten bis zum Einzuge in Palästina anzuschen ist. Wie nun die Mischna behauptet: das Gesetz sei Freiheit, und wer darnach handelt, sei ein Freier (Abot Absch. 6.), ebenso wird bei Gelegenheit des Wochenfestes erwähnt: Gedenke, daß du Knecht gewesen bist in Egypten; beobachte und übe sonach diese Gesetze (Deut. Eap. 16, 12.). Dies ist offenbar eine Hindeutung auf den Gesetz-Empfang, wodurch Israel erst die wahre innere Freiheit erlangt hat, weshalb auch im Dekalog bei Erwähnung des Sabbats auf diese innere Freiheit ebenfalls hingewiesen wird (Deut. 5, 16.). Die 3 Feste bilden daher die Hauptmomente der Urgeschichte des hebräischen Volkes. Wahrlich, die Bibel bietet mehr zur Lösung dieser Probleme dar, als dem glänzendsten Verstände und dem. angestrengtesten Fleiße zu enthüllen möglich ist. Esbleibt nichts übrig, als zur Tradition die Auflucht zu nehmen und ihr diejenige Autorität einzuräumen, die uns den um wölkten Gipfel der in die Aeitferne fallenden Wahrheit erhellt, nicht aber vermittelst des menschlichen Verstandes und Scharfsinns Hypothesen aufzstellen, welche die Wahrheit der Bibel untergraben und ihr jede Autorität rauben. Wenn wir dagegen die Tradition angemessen ehren, so werden viele Fragen sich von selbst bündig lösen, viele Entstellungen gleich dem Schatten vor dem Licht der Sonne weichen, und selbst der Vorwurf des Particularrsmus wird gleich einem Gespenst vor den Strahlen der Morgenröthe schwinden. Unsere Gebräuche sind zum Theil aus dem Grunde in Verfall gekommen, weil die ursprünglichen Motive oder deren Gründe nicht in lebhaftem Andenken bei den Nachkommen verblieben sind. Uebrigens wird keiner der würdigen Rabbiner der früheren und gegenwärtigen Zeit einen Israeliten für einen Abtrünnigen MD erklären, wenn er oder nnM nicht beobachtet. Aber wir wollen nicht durch Schmähungen unsere Voreltern herabsetzen, wodurch wir nur unseren Feinden Veranlassung geben, jenen Gebräuchen gehässige Grundlagen unterzuschieben und Verdächtigungen anzuregen., an die unsere Voreltern niemals gedacht haben. , Es ist freilich nicht gerade etwas Verdienstliches, die angeregten Gebräuche für wesentlich zu erklären; aber anerkenn enswerth ist es, die wahren und unschuldigen Motive derselben zu ermitteln, damit derjenige, der vor frühester Jugend sie beobachtet hat, solche als Anregungsmittel zur Besserung betrachte und mit reinem Herzen ausführe; dagegen derjenige, dem sie durch Gewohnheit nicht geheiligt sind, seine Voreltern nicht verachte, weil sie solche Gebräuche einrichteten. Der Letztere mag dieselben dann zwar für veraltet, doch nicht für verwerflich erklären. In solchem Fall wird Israel bei'andern Völkern der ihm gebührenden Ehre stets theilhastig bleiben. Durch den inneren Gehalt der Handlung gewinnt ihre äußere Erscheinung an Werth. Ueber den Gebrauch des habe ich mich früher bereits genügend ausgesprochen, daß nämlich derselbe sich auf biblische Verse gründe» ' Nach weiterer Nachforschung habe ich diese zum Grunde! liegende Idee aufs klarste niedergelegt gefunden in Aacharia Cap. 3. Es wird dort ausdrücklich bemerkt, daß das Laster wie ein schmutziges Kleid, und die Reinheit des Herzens, welche die Befähigung'zu guten Handlungen giebt, wie ein schönes Gewand zu betrachten feien. Es heißt dort: 3. als Jehoschua bekleidet war mit schmutzigen Kleidern und stand vor dem Engel, 4. und er Hub an und sprach zu dem vor ihm stehenden: „Alehet ihm die schmutzigen Kleider aus!" und er sprach zu ihm: „Siehe ich nehme von DirDeine Sünde und kleide Dich mit Feierkleidern." 5. Und ich befahl: Man setze einen Bund auf sein Haupt und bekleidete ihn mit reinem Gewände. Ebenso sprach Jakob (Gen. 35, 2). „Schaffet weg die fremden Götter, die unter Euch sind, und reinigt Euch und wechselt Eure Kleider.6) Bei "piwn liegt somit eine rein biblische Idee zum Grunde, welche dieserhalb jede Verdächtigung oder Beschuldigung entfernt, die nur aus Unkunde der Bibel enspringm kann. M. B. Friedenthal. 6) Einen gleichen Grund hat der Gebrauch des Anlegens weißer Kleider am Versöhnungstage, damit die Priester-Kation vor Gott in der für die Priester ursprünglich bestimmten Kleidung erscheine.

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