Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 9 (27.2.1841)
- Article
- Ueber den Kanon
- Date
- 1841-02-27
- Page
- Spalte 113-114 (sequence 1)
- Language
- German
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MeratuMatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte «nd Meralur. M 9. Leipzig, den 27. Februar 1841. Ueber den Kanon der jüd. heiligen Schriften, eine kritische Untersuchung. — Lit. Ueberft'chten. Bemerkungen über Targumim und -Midraschim von Rabb. Hirsch Chajas. Schluß. — Lit. Analekte. Ueber eine Formel in der Mischna von Bentuga. — Die Prophetenlegenden des Islam, aus dem Arab, übersetzt von Dr. Wetzstein. — Das Wohnen in den Selten, ein Beitrag zur hebr. Archäologie, von L. Bodenheimer, Rcr-b. in Hildesheim. — Lit. Ankündigungen. tUin'v den Kanon. Nach dem großen Fortschritt, den die historische Kririk des biblischen Alterthums in den letzten Decennien machte, dürfte es wohl Zeit sein, wiederum eine Untersuchung über dm. kanonischen Verband der heiligen Schriften anzustellen. Es hat zwar in diesem wissenschaftlichen Fortschritt weder das einmal gewonnene Resultat sich andern, noch ein neues sich mit Sicherheit Herausstellen können; weil weder ein sicheres Resultat bis jetzt sich ergeben hatte, noch bei dem widerstrebenden Constux von Ansichten sich eines ergeben dürfte. Die altern Forscher der Bibel theilen darin ein gleiches Schicksal mit den neuern, daß sie sich mit ihren Gegnern weder vereinigen noch verständigen können. Ja scheint es doch sogar, als bilde sich die Verschiedenheit der Ansichten nur noch scharfer und ernster aus. Mit wissenschaftlicher Kritik wird jetzt die Autheuticitat der biblischen Schriften ebensowohl vertheidigt, als die Anciennitat der vier ersten Bücher Mosis oder des Deuteronoms bewiesen. Eine jede Ansicht wird nach wie vor begründet und vertheidigt, und hat ihre Anhänger, die aus Leibeskräften jede widerstrebende Beweisführung bekämpfen. Und was das Wunderbarste ist, es gelingt einem Jeden von seinem Standpunkte aus, und Jeder glaubt nach seiner Ueberzeugung den Sieg errungen zu haben. Es ist darum jetzt eben so wenig, ja noch weniger möglich, als früher, ein sicheres von allen Seiten anerkanntes Resultat zu ermitteln, und der Fortschritt in der biblischen Kritik dürfte uns von einem Standpunkte aus durchaus zu keiner begründeten Ansicht verhelfen. Aber dennoch dürste derselbe uns dergestalt bei unserer Untersuchung leiten, daß das sich ergebende Resultat außer' allem Zweifel gestellt werde. Gerade weit wir die wissenschaftliche Kritik die entgegengesetztesten Ansichten vertheidigen sehen, sollten wir einmal von diesen ganz absehen, und uns ganz außerhalb jeder Schule bewegen. Die Ergebnisse unserer Forschung würden in solchem Falle von geringerm Gehalt zwar sein, und weniger Inhalt an die Hand geben, aber um so sicherer und unbestrittener werden sie erscheinen. Eine Untersuchung über den Kanon in solcher Art verdient aber um so eher jeder andern vorgezogen zu werden, da durch sie so manches Zufällige und Schiefe beseitigt werden dürfte. Wir wollen sie darum in dem Nachstehenden vornehmen, indem wir alle möglichen Andeutungen und -Belehrungen über diesen dunkeln Theil des biblischen Alterthums Zusammentragen, prüfen und benutzen. Alle Schriften, die das hebräische Volk, als es noch einer politischen Selbstständigkeit sich ersreuete schuf und zum Andenken seines Namens und seiner Ehre hinterließ, befinden sich innerhalb eines Verbandes, den man Kanon nennt. Wer sie zusammenrcihete, aus welchen Gründen, und wann sie zusammengefügt wurden, darüber und über so manches andere wissen wir nichts genaues und näheres, wollen es aber so viel als thunlich, hier ermitteln, insoweit es zu erfahren nämlich vergönnt ist. Wir weisen hierbei alles, das uns keine genügende Auskunft geben kann, zurück und halten jede andere Andeutung zue Ermittelung fest. Das Wort „Kanon", mit dem die Sammlung der hebräischen Alterthümer der Literatur gewöhnlich bezeichnet ist, und das sonach die erste Anleitung zu einer Untersuchung an die Hand geben sollte, giebt uns im vorliegenden Fall durchaus keine Auskunft. Es wurde 9