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Der Orient · 1841-02-27 · Heft 9 (27.2.1841) · p. Seite 66

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 9 (27.2.1841)
Article
Algier: Bericht über die dortigen Juden
Date
1841-02-27
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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- 66 früher. Von den jüngeren Individuen hat bereits eine ziemliche Anzahl die europäische Tracht angenommen. Zm Allgemeinen kommt die Lebensweise der Juden der maurischen ziemlich nahe. Sie wohnen in bescheidenen Häusern von maurischer Bauart, leben von mäßiger Kost, lieben den Kuskusu und den Kaffee, und über Alles das baare Geld. Wie unter allen übrigen Himmelsstrichen kümmern sich die Juden gar nichts um den Ackerbau, und nur wenige treiben Gewerbe. Es giebt unter ihnen Schneider, Schuhmacher, Blecharbeiter, Eoldarbeiter tjnd besonders Waffenschmiede, welche letztere sehr hübsche Arbeiten, wie Jatagans, Dolche mit silberner Scheide und Zierrathen in erhabener Arbeit fertigen. Aber die große Mehrzahl.beschäftigt sich nur mit dem Handel. Gegenwärtig machen die Juden bei weitem nicht so lucrative Geschäfte mehr, wie zu den Zeiten des Dey's. Damals ging fast der ganze Großhandel durch ihre Hände, und so oft der Dey irgend eine große Speculation beabsichtigte, wandte er sich an die Juden, welche nicht allein zwischen Muhammedanern und Christen, sondern auch zwischen den Beduinen und den Mauren bei jedem Geschäft die Unterhändler machten. Zum Theil hat dies jetzt aufgehört, und die Juden haben an den vielen geldgierigen und rührigen Spekulanten aus Europa eifrige Concurrenten. Letztere übertreffen das Volk Israel fast noch an Habgierde und Thätigkeit, während die Juden den Vortheil einer vollkommenen Kenntniß der arabischen Sprache vor ihnen voraushaben. Viele Araber, welche Vieh oder Getcaide zu Markte bringen, bedienen sich noch immer der Juden als Vermittler, und wollen ohne ihren Beistand nicht verkaufen. So oft daher ein solcher Araber auf den Markt anlangt, wird er von zudringlichen Juden umringt, die mit vielem Geschrei ihm ihre Dienste ausdringen. Jeder behauptet dann, zuerst angckommen zu sein, der eine nimmt den zum Verkauf bestimmten Ochsen beim Schwanz, der andere bei den Ohren, öfters setzt es Schläge unter ihnen, während der Araber dem Streite mit unerschütterlicher Ruhe zusieht, ohne eine Miene zu verziehen oder ein Wort zu reden, und den, der ihm zu einem Käufer vcrhilft, immer redlich bezahlt. Die Rührigkeit der Israeliten, durch Habgierde gestachelt, beginnt schon von früher Jugend auf. Täglich ist der Marktplatz Algiers voll kleiner, emsiger Juden, welche Käufern und Verkäufern ihre Dienste anbieten, bald den Dolmetscher machen, bald dem Käufer die gekauften Waaren nachtragen. Fast alle armen jüdischen Knaben treiben das Metier des Stiefelwichsers. Täglich sieht man deren einige Hunderte durch die Straßen streifen mit Wichskästchen am Arm, jeden Vorübergehenden, der bestaubte Stiefel hat, anrufend. Viele kleine Juden sind in die Dienste der europäischen Kauflcute getreten. Alle, sprechen das Französische vollkommen, und einige schreiben es auch. Die allen Eingebornenen geöffneten französischen Schulen werden fast nur von den Juden besucht, deren Wißbegierde, Talent und Fortschritte erstaunlich sind. Die ungemeine Emsigkeit dieses Volkes contrastirt sehr mit dem Phlegma der Mauren, denen die Juden an fast allen geistigen Eigenschaften überlegen sind, nur nicht an Muth. Die Sitten der Juden zu beobachten hatte ich reichliche Gelegenheit, denn ihre Häuser sind den Fremden nicht verschlossen, und bei ihren Familienfesten fehlt cs jetzt selten an europäischen Gästen. Einer meiner Freunde, Dr.>TMclie, behandelte kranke Juden; auf meine Bittens nahm er mich in die Häuser seiner Patienten mit; ich/knüpfte Bekanntschaften an, und besuchte die Familien oft auch ohne besondere Ursache. (Schluß folgt.) Italien. WeReörg, 23. Jan. (Gaz. di Ven.) Oer großherzige Israelit Giuseppe Ventura, welcher bei seinen Lebzeiten der Commission für öffentliche Wohlthätigkeit fortwährend Unterstützungen zufließen ließ, hat so eben durch seine letzwillige Anordnung, nebst mehreren edelmüthigen Verfügungen zu Gunsten seiner Glaubensgenossen, der besagten Commission auch einen weitern Betrag von 20,000 österr. Liren mit dem Wunsche angewiesen, daß sie zu einer jährlichen Rente zu Gunsten der Dürftigen angelegt werden. . Deutschland. * Berlin, 9. Febr. Es ist neulich in der Allg. Zeitung die Ansicht ausgesprochen worden, daß es in Preußen „stiftungsgemäß unzulässig" sei, einem Israeliten einen Orden zu verleihen. Dies dürste wol nicht füglich ein Grund zur Ausschließung sein, da der König als Oberhaupt aller Ritterorden jede „Stiftung" beliebig ändern und aufheben kann. Ist doch auch das Statut des schwarzen Adlerordens, das für seine Ritter ein altes, rittermäßiges Adelsgeschlecht fordert, und so manches Andere thatsachlich aufgehoben worden. Uebrigens mag es nicht unerwähnt bleiben, daß beim vorigen Ordenssest ein Jude einen Orden empfangen hat; ein freilich in seiner Art vielleicht einziger Jude, insofern er nämlich eine Staatsanstellung hat. Es ist dies ein Gerichtsvollzieher beim Friedensgerichte zu Heinsberg, im Landgerichtsbezirk Aachen. L. A. Z. Berlin, 28. Jan. (Schluß.) Um eine Ueber- 1 sicht über das Ziel und gegenseitige Jneinandergreistn j beider Klassen zu geben, setzten wir dieselbe aus jenem ' Werke tabellarisch hierher, zumal es uns bedünkt, daß! eine Ausführlichkeit hierin für ähnliche Lehranstalten vom; höchsten Interesse sein müßte.

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