Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1841)
- Article
- Algier: Bericht über die dortigen Juden
- Date
- 1841-02-27
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
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Zweiter Jahrgang. MB* * Berichte, Studien und Kritiken f-ür Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Khlr. Manabonnirtbeiallm löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von Nr. Zirlius Fürfi. Bon dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mrtgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 0« Leipzig, den 27. Februar 1841« Orient. Algier. (Bericht über die dortigen Juden von Dr. Wagner). — Italien. (Venedig, Vermachtniß des Giuseppe Venture). — Deutschland. .(Berlin, üb. Ordenverleihung an Israeliten. Berlin. Gründung und Organisation des neuen Schullehrer-Seminars. Lehrplan. Dr. Zunz. München, Auslegung eines altern Gesetzes. Von der böhmischen Grenze, Fortschritte in Ungarn und Böhmen. M. Bloch. Halber ft adt, gerechte Klagen über den Vorstand). — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Ueber die Iudenemancipation in Hollstem. Dr. Steinheim. — Personalchronik und Miscellen. Karaische Bibelcommentatoren. Hamburg. Orient. A! gr ev (Forts.). Die Juden werden überall geduldet, jedoch nur als eine untergeordnete, gedrückte, verachtete Menschenklasse, die in ihrer niedrigen Sphäre bequeme Dienste leistet, und an denen selbst der muhammedanische Bettler noch seinen . Uebermuth auslassen kann. Mir schienen die Algierer Juden den europäischen in den Körperformen überlegen. Sehr schöne, wohlgebaute und gutgenährte Gestalten sah ich namentlich unter den Juden in Eonstantine. Sie sind von der Größe und Statur der Mauren, aber weniger als diese zur Fettigkeit geneigt. Ihre Physiognomien tragen den orientalischen Typus viel schärfer ausgeprägt, als Mauren und Türken. Die Weiber übertreffen die Jüdinnen Europas an Schönheit bei weitem. Sie haben als Mädchen einen schlanken, zierlichen Wuchs, einen sehr hübschen Teint und sanfte Züge; auch als Frauen behalten sie den frischen rosigen Teint bis zu einem Alter von etwa vierzig Jahren, jedoch ohne den edlen Ausdruck der Jugendjahre. Der schlanke Wuchs verliert sich in der; Ehe bei den meisten. In den dreißiger Jahren haben! die Jüdinnen gewöhnlich eine ziemliche Fülle des Körpers, der durch den herabhängenden Busen unangenehm entstellt ist. Den Schnitt der Kleidung haben die Js- ' raeliten mit den Mauren gemein; jedoch lassen sie die Waden nicht nackt, sondern tragen Strümpfe. Die Farbe ihrer Stoffe ist immer dunkel, gewöhnlich schwarz; sogar der Turban trägt diese Trauerfarbe, die ihnen zu den Zeiten der Türkenherrschast ein besonderes Gesetz aufeclegte, um sie von den Moslims zu unterscheiden, welchen die schwarze Farbe ein Greul ist. Die Tracht der jüdischen Mädchen ist ungemein hübsch. Sie tragen ein langes Kleid, von Seide die Reichen, von Wolle die Armen, ohne Aermel, auf der Brust mit Gold und Silber reich durchwirkt. Die Arme sind nur zur Hälfte von dem seinen weißen Musselinhemd umhüllt. Um die Hüsten binden sie ein seidenes Tuch, wodurch das Kleid eng an den Leib geschloffen wird, und die Umriffe der Körperformen sehr günstig hervortreten. Die nackten Füße stecken sie in gestickte Pantoffeln, und um das Haupt hüllen sie ein seidenes Tuch, welches die langen, reichen Haare nur theilweise verbirgt. Der Kopfputz der verheirateten Frauen ist im höchsten Grade bizarr. Er besteht aus einer Art Mütze von Silbecdraht gestochten, von zwei Fuß Höhe, Ser mal) genannt, um welche ein langer, wallender Gazeschleier gewickelt ist, der oft bis auf den Boden reicht. Die Gesichter tot' Jüdinnen sind aber immer unverhüllt, was ihnen ein strenges Gesetz der Dey's gebot. Da seit dem Sturze der Türkenherrschast die Juden völlig gleiche Rechte mit den übrigen Einwohnern genießen, so könnten sie und ihre Frauen jetzt leben und sich kleiden, wie sie wollten, aber die frühem Beschränkungen sind in ihre Lebensweise und in ihre Gewohnheiten so übergegangen, daß sie noch jetzt seit der zehnjährigen Befreiung fest daran halten. Die Männer kleiden sich fortwährend in dunkle Stoffe, und die Weiber verschleiern sich nicht, obwohl die Juden mehr Ursache hatten, eifersüchtig zu sein, als 9