Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1841)
- Article
- Schwerin: die feierliche Anstellung des Hrn. Fränkel ...
- Date
- 1841-02-13
- Page
- Seite 54 (sequence 3)
- Language
- German
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54 und auch boxt/ und gerade dort um so eher hätte ich einen Wirkungskreis . gefunden, einen Wirkungskreis, gewiß nicht minder würdig. Nicht hätte ich verlassen den Blumengarten der Wissenschaften und Künste, nicht wäre ich gezogen in ein mir fremdes Land, ob auch dessen regierender Fürst das Zentrum bildet, in welchem alle guten Eigenschaften, wie die Radien eines Kreises sich vereinigen, ob auch besten milder Beherrscher die Krone der Gerechtigkeit und Humanität auf seinem Haupte trägt, Gerechtigkeit gegen alle Menschen, Humanität gegen seine israelitischen Unterthanen. Doch Sie riefen, und ich kam; ich verließ das Vaterland, das wich geboren und erzogen, das mich ernährt und belehrt, das Vaterland, das ich noch nimmer auf längere Zeit verlasten; denn Sie riefen, und ich kam. Und da ich gekommen auf Ihren Ruf, verspreche ich Ihnen, mit derselben Ausdauer, mit derselben Treue zu arbeiten, mit welcher ich in mein em Vaterlande gearbeitet hatte."... Selbst in dem an die Vorsteher und an die Gemeinde- Mitglieder gerichteten Worte ließ er sein Vaterland nicht außer Acht, uno nachdem er von diesen ihre Unterstützung, nicht eine äußerliche, sondern eine aus ihrem Herzen entsprungene, eine innere verlangte, zu ihren Beitrag nicht einen materiellen, nicht ein leidiges Zusammentragen der äußern Bedürfniffe, sondern einen geistigen begehrte, schloß er folgendermaßen: „Und wenn diese meine Hoffnung sich bestätigt, und als eine Wahrheit in's Leben tritt, werde ich wahrscheinlich mit geringerer Sehnsucht auf mein Vaterland zurücksehen, nach dem alten Spruche: wo wir's gut haben, dort ist unser Vaterland ..... Als er endlich auch die Jugend angeredet und zwei Dinge von ihr verlangt hatte: „Achtung und Ordnung," hielt ec auf Verlangen des Herrn Landes-Rabbiner eine Probelektion , welche in der Glaubenslehre bestand. Nun gebe Gott, daß diese Religionsschule, das erste hier geschaffene Werk unseres thacigen Rabbiners, gedeihe, und daß batb andere Städte ihrer Metropolis folgen. Schon zeigen sich Spuren hie und da, und vielleicht werden diese Spuren bald zu gebahnten Wegen, auf welchen unsere Jugend mit Sicherheit treten kann. Wir zweifeln kaum mehr daran; wir tragen kein Bedenken, daß unser Herr Dr. Holdheim mit eben derselben Kraft und Schnelligkeit mehrere solche Institute in's Leben rufen wird, mit welcher er hier in seiner kurzen Anwesenheit, bekämpfend alle Schwierigkeiten, eine Religions-Schule errichtet hat. Viel har er in dieser kurzen Zeit gewirkt; selbst aus uns hat er den Einfluß ausgeübt, daß wir nicht mehr, wie sonst, jede Erscheinung im Judenthum unbeachtet lasten; sondern daß wir Interesse finden an Allem, was in und außer dem Lande für Juden Günstiges geschieht, und daß wir Theil nehmen an den Fortschritten unseres Volkes, diese lesen und sogar besprechen. Leih-ZrH, 31. Jan. Das letzte Heft der Arch. israei. vom vorigen Jahre, äußerst reich an interessanten Sachen, bringt uns diesmal fast gar nichts auS dem Auslande, sondern beschäftigt sich in den großem Parthieen beinahe ausschließlich mit Frankreich. Die Besprechungen über die Reform des Cultus und deren Möglichkeit füllen noch immer einen interessanten Theit der Spalten dieser Zeitschrift. Biographisches wird uns von dem Polen Abraham Stern geboten. Ein Brief von Mühlhausen klagt das Consistorium zu Colmar der Trägheit und Theilnahmlosi'gkeit rücksichtlich nützlicher Verbesserungen an. Ein zweiter Artikel über die Grafschaft Venaissin befriedigt die durch den ersten Artikel gespannten Leser. Ein dritter Artikel überschrieben: Reiseeindcücke, streift auch aus das deutsche Gebiet über, bis sich das Blatt endlich in den Tagsbegenheiten, Neuigkeiten und der Politik verliert. Hier interessirt uns vor allen der Firman des türkischen Sultan an die Israeliten seines Reiches. Wir erfahren dann gleichsam die Schlußworte der Arch. isr. über die Damaskusangelegenheit, erhalten viele interessante Notizen über französische Zustände, und treten endlich auf das Gebiet der Literatur über, wo eine Ankündigung von Formstechers Religion des Geistes den Schluß macht. Vielleicht wird sie durch eine französische Übersetzung verkörpert. Galizien. Lenrbevg, 16. Jan. Der bekannte und in Ihrem Blatte auch durch seine literarischen Arbeiten bekannte Rabbiner Hirsch Chajas in Zolkiew hat bei Gelegenheit der Damaskusgeschichte eine kleine Broschüre herausgegeben (einen Bogen stark), welche den Titel führt m^n, und speciell nWy ntetfnn *wb WO rmnrw Dl, die aber mehr für seine Gemeinde und für den Kreis seiner Freunde bestimmt wurde. Freilich ist über diesen Gegenstand schon viel geschrieben, und die jüdischen Zeitschriften haben fast diesen Gegenstand erschöpft; allein der Verfasser hat so viele interessante Stellen aus den Talmuden und Midraschim eingestreut und die Beweise sehr häufig so scharf geführt, daß ein großer Theil wohl übertragen zu werden verdient. So z. B. wird eine Talmudstelle nachgewiesen, daß vor Folter der Frömmste kaum bestehen könne, daß beim Sanhedrin auch die geringsten peinlichen Strafen um die Wahrheit zu ermitteln streng untersagt war. In Bezug auf die Beschuldigung weist er nach, daß selbst ein göttliches Gebot gesetzlich, wenn daraus Gefahr entstehen könne, aufgegeben werden muß, daß es Pflicht ist, das heiligste zu verlassen, wenn es gegen die Gesetze der Menschheit ist. Er weißt nach, daß keine Spur einer solchen Sitte im ganze Bereiche des Judenthums zu finden sei; aber daß auch nach der Art und Weise, wie sich unsere Minhagim gestalteten, wie sie vor Jahrhunderten sich einbürgerten, eine solche Sitte nicht entstehen konnte, da keine angenommen wurde, die nur im Entt