Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1841)
- Article
- Schwerin: die feierliche Anstellung des Hrn. Fränkel ...
- Date
- 1841-02-13
- Page
- Seite 53 (sequence 2)
- Language
- German
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53 Wortes. Sie wissen vermutlich, hochgeehrter Herr Redacteur, daß Herr Frankel durch Veranstaltung unseres gastlichen Oberhauptes, von Berlin berufen ward, nicht um einer Religionsschule vorzustehen, sondern um dieselbe zu schaffen und zu begründen. Sie wissen es vermuthlich, weil derselbe wissenschaftliche Abhandlungen in Ihr geehrtes Blatt lieferte, und als Mitarbeiter desselben schon genannt wurde, und ebendeshalb glauben wir auch jedes Urtheils über ihn enthoben zu sein. Welches Urtheil sollten wir fallen? Daß er Lalmudische und philosophische Kenntnisse sich angeeignet? Die frommen uns weniger, so schön sie auch an sich sein mögen; daß er sich in der Praxis als tüchtiger Mann bewährt? Die kennen wir noch nicht, die wollen wir erst kennen lernen. — Doch der Wünsche stiegen so viele in uns auf, daß unser Herr Landes-Rabbiner in ihm den Mann gewählt und gesunden haben möge, der die erloschenen Lichtstrahlen des*) N.w "NN aus ihrem tiefen Dunkel wieder Hervorrufe, die finstere Nacht zum Hellen Tag umschaffe, und Licht und Wahrheit verbreite. Der heutige Tag gab unfern Wünschen Hoffnung, und darum wollen wir denselben beschreiben, ausführlich beschreiben, weil wir erwarten, daß Ihre geehrten Leser bei der Erzählung dieser heiligen Schöpfung am heutigen Sonntage ebenso gerne verweilen, wie bei jener in der Genesis erzählten Schöpfungsgeschichte, nach welcher ebenfalls am Sonntage das Licht entstand. — Unser Herr Landes-Rabbiner beraumte den heutigen Tag zur feierlichen Introduktion des Herrn Frankel an, bei welcher, außer den Vorstehern und vielen Familienvätern der Herr Ober-Schulrath Meier zugegen war. Als der Herr Dr. Holdheim in's Lokal trat, spiegelte sein Antlitz Freude und Sorgewieder, Freude über das glückliche Gelingen des heiligen Werkes, das seine Entstehung ihm allein verdankt, Sorge über die Aufrechterhaltung und das wohlthätige Gedeihen *) Es wurde hier nämlich im Jahre 1833. unter dem Namen „Or-Nogcch" eine Schule errichtet, welche, nach den vorliegenden Statuten, „die Ver breitung eines religiösen, moralischen Geistes und nützlicher Kenntnisse unter der i 6 r a e l i r i s ch e n Jugend" bezweckte. In dieser Schule fungirten ganz unentgeltlich, aus wahrer Pietät, sieben Männer als Lehrer, die mit jedem halben Jahre einen Direktor aus ihrer Mitte wählten; denn es war damals eine Zeit bei uns, wo die ärmern Kinder ganz ohne Erziehung, alle aber und selbst die reicheren ohne hebräischen und religiösen Unterricht heranwuchsen. Die Gegenstände des Unterrichts waren: Religion und Geschichte der Juden, deutsche Sprache, Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Rechnen, Schreiben und Zeichnen. Es konnte für den hebräischen Unterricht nicht mehr gethan werden, weil kein gründlicher Kenner der habräischen Sprache und Lieratur unter uns sich befand; dennoch war diese Anstalt zu ihrer Zeit eine Wohlthat für unsere verlassene Jugend, und darf nimmer bei der Uneigennützigkeit der damals nritwirkenden, außer Acht gelassen werden. Sie bestand bis '1837, etwa circa 4 Jahre. dieser Schöpfung. Er ergriff das Wort und sprach würdig zu dem Herrn Frankel, sanft zur Jugend und kräftig zu den versammelten Vorstehern und Gememdemitgliedern. Wir entnahmen davon Einiges, um es Ihnen mitzutheilen. „Im Namen der hiesigen geehrten Gemeinde, deren religiöses Oberhaupt ich zu fein die Ehre habe, übergebe ich ihnen das heilige Lehr- und Erziehungsamt unserer Jugend, mit dem innigsten Gebete zu Gott, daß er das Weck der religiösen Jugendbildung, das wir unter seinem Beistand heute in's Leben treten sehen, mit seinem reichen Segen beglücken und uns in Ihnen den Mann finden lassen möge, — der mit Kenntniß und Willenskraft, mit Gelehrsamkeit und Gottesfurcht ausgerüstet, unsere schönsten Wünsche zu verwirklichen im Stande ist. Das Vertrauen, welches die Uebergabe dieses Amtes voraussetzt, überhebt mich von den Pflichten, von der großen Verantwortlichkeit, die Sie damit übernehmen, zu sprechen. Ich würde die getroffene Wahl vor Gott und meiner Gemeinde nicht rechtfertigen können, wenn ich bei Ihnen nicht die Kenntniß und das Wollen alles dessen voraussetzte, was die würdigste Erfüllung dieses heiligen Amtes bedingt ....... Fragen Sie mich: wie konnte diese Vernachlässigung der religiösen Erziehung in einer Gemeinde, die des Rufes der Frömmigkeit und Gottesfurcht mit Recht sich erfreut, so starke Wurzel fassen? So antworte ich Ihnen mit den Worten des jüdischen Geschichtschreibers D^n rwv nun .m'D bh bxixzrb, Israel war lange Zeit ohne lehrenden Priester, daher die Jugend ohne Religionslehre. So lange das göttliche Wort der Lehre in den Hallen der Gotteshäuser verstummte, wie sollte es in deren Vorhalle der Schule ertönen? Wahrlich auch in dieser Beziehung ist der talmudische Spruch wahr: -pp NM wp hd ronbß; rhzi dtm dn „Wenn in den Zedern des Gotteshauses die Flamme zehrt, was soll Jsop an der Wand beginnen?" .... Nachdem er den Gemeindemitgliedern an's Herz gelegt, wie sie überall mit einem wackern Beispiele den andern Bewohnern des Landes vorangehen müßten, und wie sie für diese Anstalt Sorge tragen möchten, damit ein religiöser Wetteifer unter den übrigen Gemeinden entstände, fügte er die Worte hinzu . . . . „und wie bei der Uebernahme meines heiligen und schwierigen Amtes ruf ich Euch zu: 'd; pNH vay bo tjni Es sollen alle übrigen Gemeinden des Landes sehen, daß der Name des Ewigen unserer Jugend gelehrt wird und Ehrfurcht vor uns haben" . . . . Darauf betrat Herr Fränkel die Rednerbühne, stattete zuerst dem Herrn Landes-Rabbiner Dank ab, für das erhaltene Vertrauen und sprach sodann folgende Worte, zarte Sehnsuchtsklange der Heimath, nach dem Daterlande, die ich getreu wiedergeben will. „Nicht hätte ich mein Vaterland verlassen, mein Vaterland, das ich so innig liebe, ob's auch stiefvaterlich und gleichgültig auf unfern Cultus blicht,