Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1841)
- Article
- Paris: der Aufruf Munks an die Gemeinden Egyptens und Syriens ...
- Date
- 1841-02-06
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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42 sich verschaffen werden. — Das Mittel nun, durch welches ihr zu diesem erhabenen Zwecke gelangen könnt, ist die Gründung von Schulen für eure Knaben und Mädchen, und die Kinder der arabischen sowohl als europäischen Juden werden dorthin kommen und Lehrer finden, die sie im Hebräischen, Arabischen, Französischen und Italienischen unterrichten werden, d. h. im Lesen und Schreiben jeder von dieser Sprache, durch die Erklärung der Regeln nach der Grammatik, woraus man ihnen die Bücher erklären wird, die in diesen Sprachen abgefaßt sind; und dann werden eure Kinder den Sinn der Gebete begreifen, die sie jetzt hersagen, ohne zu verstehn; und sie werden gleichfalls die Thora mit den Commentaren vorzüglich Sabbat lesen, und aus derselben Weise die Werke der Araber und Europäer verstehen. — Eure Töchter werden' in ihren bestimmten Abtheilungen gehn, werden dort schreiben und lesen und die Gebete lernen, so wie stricken und Nahen und die andern Arbeiten, die für Frauen passen. — Die Lehrer werden die Kinder nach edlen Grundsätzen nach einer schönen Weift erziehn; und durch das tägliche Beyftmmmftyn wird sich zwischen den Kindern Freundschaft und Anhänglichkeit bilden. — Ihr unsere Brüder, Einwohner Alexandriens, bedenket des Ruhmes jener Juden, die früher in dieser Stadt lebten, und deren Namen noch heute unter den Völkern ihrer Weisheit und tiefer Bildung halber bekannt ist; deren zuerst, die unter den Ptolemäern lebten, jener alsdann, die zu jener Zeit des R. Saadia des Fajjumiten und zu der des großen Gelehrten R. Moses den Maimon aus Eordcwa, des Hauptes der israelitischen Religion, lebten; gedenket dessen und trachtet euren Vätern ähnlich zu werden und ihren Ruhm zu erben; vereinigt euch nur, ihr Gemeindevorsteher und Familienhäupter und traget dazu bey, ein jeder nach seinem Vermögen, und Gott, gelobt sey er, wird euch hundertfach wiedererstatten, was ihr in seinem Namen für eine so gute That hingebet. Dasselbe mögen thun die Gemeinden in Egypten und Syrien, die von Aleppo, Damask, Jerusalem, und nach 2 oder 3 Jahren wird euer Zustand verbessert sein, und ihr werdet den jüdischen Gemeinden in Europa gleichen, die euch ihre große Liebe bewiesen haben, indem sie uns herschafften, um euch Beystand zu leisten. — Was diesen großen Zweck, nämlich das Ausbauen der Schulen betriffc, so werden wir euch mit unserm Gelds und Wissen unterstützen, und euch gelehrte Männer schicken, um euch zu helfen, und sich mit euch in diesem Werke zu vereinigen. — Alle Gemeinden Europa's werden euch unterstützen, und euer Mehmed Ali wird gütig gegen euch sein, denn er lobet die Wissenschaft und ehret deren Besitzer. —, Friede und Gottes Erbarmen mit Euch!" Belgien. 'fStfÜfffcl/ 6. Jan. Unter den verschiedenen Staatskörpern, welche Sr. Maj. am 1. Jan. ihre Aufwartung machten, befand sich auch das israelitische Konsistorium. Der Oberrabbine von Belgien, Herr Lob, ein überaus umsichtiger Mann, der die Bedeutsamkeit seiner Stellung zu würdigen weiß, hielt folgende Anrede an den König: „Sir! an einem Tage, wo alle Vertreter des Staats und der Kirche am Fuße des Thrones sich vereinen, eilt auch das israelitische Konsistorium, dort zu erscheinen. Ew. Majestät Regierung verdanken wir den Genuß jener völligen Gleichheit mit allen Bürgern, die die Constitution uns verbürgt har. Wir dürfen aber auch sagen, daß Ew. Majestät keine treuern Unterthanen, der Staat keine eisrigern Bürger zahlt, als die sind, in deren Namen wir sprechen. Die Israeliten flehen zur Vorsehung, sie möge Belgien von jeder Gefahr behüten, dem Könige, der Königin und dem ganzen königt. Hause ihren himmlischen Schutz immerwährenden Segen angedeihen lassen." — Der König antwortete: „Es ist Mir angenehm, Sie beim Jahreswechsel zu empfangen. Ich kann diese Feier nicht vorübergehen lassen, ohne ihnen zu erwähnen, daß mich das Bewußtsein beglückt, ausgezeichnete Männer unter ihnen zu wissen. Sie dürfen auf meinen, so wie auf den Schutz meiner Regierung rechnen. Alles, was in unsrer Macht steht, soll für das Wohl ihrer Gemeinde geschehen." Deutschland. Bevlrn, 25. Jan. Berlin, das durch seinen Jndifferentismus, durch seine Unempfindlichkeit bisher verrufene Berlin, scheint in neuerer Zeit diesen Flecken mit aller Anstrengung von sich abwaschen zu wollen, und hat schon manchen erfreulichen Beweis seiner Thäligkeit für die Interessen des Judenthums gegeben. Unstreitig dankt die Gemeinde diesen praktischen Aufschwung. nächst allgemeinem Ursachen den gelehrten Männern, die in ihrer Mitte weilen und welche für das Judenthum glühen. Wir haben in neuerer Zeit manches Erfreuliche von der Wirksamkeit von Vereinen und Associationen zu berichten gehabt, und haben das Vergnügen diesem Zeichen fortschreitender Entwicklung ein neues Resultat beifügen zu können. Es ist die Constituirung eines hohem Orts bereits genehmigten Vereins, welcher unter dem etwas gesuchten Namen des Kultur-Vereins alle diejenigen Armen zu unterstützen beabsichtigt, die in irgend einer Kunst oder Wissenschaft Leistungen versprechen, denen aber die Mittel zur Ausbildung, zur sorgenfreien Fortsetzung ihrer Bestrebungen und Studien fehlen. An der Spitze der Leitung lesen wir unter andern dm Namen Zunz. Eine Bürgschaft mehr wenigstens für die Ausbildung des Ganzen und die richtige Anwendung der vorhandenen Kräfte. Oer Verein soll bereits über 150 Mit-