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Der Orient · 1841-01-30 · 5 (30.1.1841) · p. Spalte 55-56

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
5 (30.1.1841)
Article
Die Prophetenlegenden des Islam
Date
1841-01-30
Page
Spalte 55-56 (sequence 2)
Language
German
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55 Die Prophetenlegenden des Islam, aus dem Arabischen des Abderrahman Bestami. 56 lH daß sie durch Fürbitte der Propheten und Heiligen, oder durch die Gnade Gottes möchten gerettet werden. Zuletzt wird auch der Tod erwürgt werden an einem Orte zwischen dem Paradiese und der Hölle. Nach einer anderen Tradition wird berichtet, daß die Zeit zuerst im Sternbilde der Waage begann, um den Forderungen der göttlichen Gerechtigkeit zu entsprechen, und von Gott in seinem noch unoffenbarten Zustande2) für Muhammed geschaffen wurde, der, nach seinem eigenen Ausspruche: ,,Ich war schon Prophet, als Adam noch Wasser und Letten war", bereits existirte. So begann denn die Zeit ihren Lauf, bis sie eine Reihe von 78,000 Jahren vollendet hatte, worauf ein neuer Kreislauf derselben anhob, in dem sich Gott aus sich selbst hervortretend offenbarte, Muhammed im Fleische erschien und seine Religion in ihrer individuellen Verschiedenheit (von anderen Religionen) und doctrinellen Bestimmtheit, im Gegensätze zu ihrem uneigentlichen, h. virtuell und ihren Harrptlehreu nach bereits früheren, Vorhandenseyn verkündigt wurde. Nur war mit ihr, als neue und ihr eigenrhümliche Lehre, noch die Auskunft über das zukünftige Leben verbunden 3)* Nach der Waage, in der, wie wir oben gesagt, die Zeit geschaffen wurde, regierte der Scorpion, nach diesem der Schütze, dann der Steinbock, der Wassermann, die Fische, der Widder, der Stier, die Zwillinge, der Krebs, der Löwe und die Jungfrau; aber wahrend dieses ganzen Zeitraums offenbarte Gott noch nichts von den göttlichen Dingen. Als aber die kreisende Zeit wiederum zur Waage zurückgekommen, und von Neuem ihre Laufbahn begonnen hatte, da erst erschien Muhammed, und die ganze Erkenntniß, welche er in den einzelnen Zeittheilen der langen Vergangenheit in sich ausgenommen hatte, trat nun nach seiner Menschwerdung in ihrem ganzen Umfange bei ihm hervor.4) Um nach diesen Vorerinnerungen zur Sache selbst überzugehen, so wisse, daß das Erste, was auf dem Erdboden von Vegetabilien sich zeigte, der Oelbaum, das erste auf dem Lande und in der Lust lebende Thier der Adler und das erste in Wasser lebende Geschöpf der Wallfifch war. Erst nach ihnen wurden Adam und Eva geschaffen. Ferner wisse, daß der erste menschliche Geist, der Geist Muhamrneds und der erste menschliche Leib der Leib Adams war; daß also alle unsere Seelen die Seele Muhamweds sind: denn erist unser erster Vater dem Geiste nach, während Adam unser erster Vater bloß dem Leibe nach ist. Ferner wisse, daß die erste Person, durch welche den Menschen ein neues Gesetz gesendet wurde, Noah 2) Beachtenswerth ist hier der Ausdruck aU6^e6gd%OKsnQV(^evogwnb ^&UoJJ als d (pcuvoiisvog. Eine Beweißstelle, daß in der Bedeutung von Gott dem Gebrauche des rabv. entspricht. 3) Die muhammedanischen Theologen behaupten vorneinlich den Juden gegenüber, daß zuerst im Islam über das zukünftige Leben Ausschluß gegeben werde. 4) Und machten ihn, den so mit übermenschlicher Weisheit ausgerüsteten, fähig, die große Aufgabe des letzten und größten Propheten vollkommen zu lösen. war; daß ferner Gott jedesmal nach Ablauf von 1000 Jahren einen mit offenbaren Wundern und schlagenden Beweißmitteln ausgerüsteten Propheten gesendet hat, um die Banner des wahren Glaubens zu erheben und die Zeichen des rechten We- | ges zu erklären. Dem gemäß wurde im ersten Jahrtausend Adam gesendet, und zwar unter dem Zeichen des Saturrws; im 2ten Jdris unter dem Zeichen des Jupiter; im 3ten N-oah unter dem Zeichen des Mars; im 4ten Abraham unter dem Zeichen der Sonne; im 5ten Moses unter dem Zeichen der Venus; im 6ten Jesus unter dem Zeichen des Merkurius; im 7ten Muhammed unter dem Zeichen des Mondes. Mit ihm besiegelte Gott das Prophetenthum und endete die Jahrtausende der Welt.5) So ist denn Adam der erste und Muhammed der letzte Prophet. 1) A d a m (Heil über ihn!) Es wird von Abu Horn'ra berichtet, daß er gesagt, der Prophet Gottes habe ihn bei der Hand gefaßt, und also zu ihm gesprochen: Gott schuf die Wett am Tage des Sabbaths, die Gebirge auf ihm am ersten Wochentage, die Baume am zweiten, das U."geziefer am dritten, das Licht am vierten, füllte die Erde mit Thieren am fünften Tag, und schuf Adam am Freitag, in der letzten Stunde des Tages in dem Zeitpunkte, wo die Dämmerung in Nacht überging. Von Abu Dscrr dem Ghafariten wird angeführt, er habe Folgendes erzählt: „Ich fragte einst den Gesandten Gottes, wie viel es Propheten gäbe, worauf er antwortete 24,000. Ich fuhr fort: O Gesandter Gottes, wie viel giebt es unter dieser Zaht solche, welche besondere Religionen niederbrachten? Er erwiederte: 313. Weiter fragte ich: Wer war der erste von ihnen? Adam, sprach War er einer, der eine Religion brachte? fragte ich. Er gejahete es und fuhr fort: Gott schuf ihn mit seinen Händen, blies ihm einen Lebenshauch von seinem Odem ein, und bildete sein Antlitz schön und edel. Darauf sagte er: O Abu Dserr, es giebt 4 syrische Propheten: Adam, Seth, Enoch—welcher auch Jdris genannt wird und der erste war, welcher mit dem Kalam schrieb, — und Noah; und 4 arabische Propheten Hud, Salich, Schoaib und deinen Propheten Muhammed, o Abu Dserr l Der erste Prophet der Kinder Israel war Moses und ihr letzter war Jesus. Ich fragte ferner: O Gesander Gottes, wie viel Schriften sandte Gott hernieder? Er antwortete 104 Bücher, von denen er dem Sech 50, dem Enoch 30, dem Abraham 10 und dem Moses, noch vor der Thora, auch 10 Blätter gab. Darauf sandle er die Thora, die Psalmen, das Evangelium und den Koran nieder. Nach einer andern Tradition soll Jbn Abbas gesagt haben: Unter den Propheten gab cs 5 Hebräische; Adam, Seth, Jdris, Noah und Abraham; und karabische: Hud, Salich, Jsmael, Schoaib und Muhammed. Auch erzählt man, ü) Sonach mußte, nachdem seit dem Auftreten Muharnmeds 1000 Jahre verflossen waren, das Ende der Welt und das jüngste Gericht ein treten. Auch war unser Autor fest davon überzeugt, und macht allenthalben auf eine so nahe bevorstehende, schreckliche Zukunft aufmerksam.

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