Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 5 (30.1.1841)
- Article
- Ueber das Arabische in Dr. Geigers Preisschrift
- Date
- 1841-01-30
- Page
- Spalte 49-50 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9897381-9897398-2364712--1106-2364743- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Literaturblatt des rients. Berichte, Studien und Kritiken für zü-ifche Geschichte und Literatur. M &• Leipzig, den 30. Januar 1841. Usber das Arabisch in Dr. Geigers Preissichrift: Was hat Mohammed aus dem Judenthume ausgenommen? Dargeftellt vom Professor Fleischer. — Die ProphetenlegenL^en des Islam airs. Abderrahman Bestaun, übersetzt von Dr. Wetzstein. — Literarische Uebersrchten: der Ursprung unserer Ziffern von I. H. Vincent. — Lit. Analeren. Ucber das Gelübde Iefta's. —. Einfluß des physischen Meuschen auf den Historismen. Eine Betrachtung zur Würdigung der jüdischen Gegenwart. — Uit. Ankund. Uebev das Arabische in Dr. Geigers Preisschrift: Was hat Mohammed aus dem Judenthume ausgenommen? Die vom 12. Mai 1833 datirte Vorrede des eben genannten Werkes schließt mit dem doppelten Wunsche, daß es den Charakter unserer Zeit, Streben nach wahrer Wiffenschaftlichkeit, nicht verlaugnen und daß gründliche Gelehrte den Verfasser durch ihr Urtheil über dessen verschiedenartige Thüle belehren mögen» Den ersten Wunsch hat Hr. Dr. Geiger durch bk Art, wie u seinen Gegenstand behandelt, unstreitig selbst erfüllt; öt' irgend ein Anderer dies hinsichtlich des zweiten nach allen Seiten hin gethan hat, weiß den Unterzeichnete nicht; doch möchte er es nach dem ihm darüber zu Ohren und zu Gesicht Gekommenen bezweifeln. Auch ist die Sache in der Thar nicht so leicht, und eine Andeutung davon enthalt der in jener Stelle gebrauchte Ausdruck: verschiedenartige Theile. Denn welcher Gelehrte vereinigt in sich die Kenntniß der später» hebräischen und der arabischen Sprache und Literatur bis zu dem Grade, daß ec beide Haupttheile des Werkes wie alle ihre Einzelheiten mit gleich sicherem Blicke und Urtheile überschaute? — Vielleicht eben Hr. Dr. Gei: ger selbst? — Gewiß würde der wackere Mann chu solche Anfrage, auch iit Bezug auf seinen jetzigen Stand- Punkt und abgesehen von allen Rücksichten der Bescher: denheit, mir einem aufrichtigen Nein beantworten. Jedes der beiden Facher fordert seinen Mann, und je mehr die neuhebräische und die arabische Literatur an Ausdehnung schon gewonnen haben und fortwährend gewinnen, desto schwieriger wird ihre gleichmäßig umfassende und gründliche Kenntniß, desto größer für ein vielleicht erst von der Zukunft zu erwartendes Sprachgenie die Aufgabe, auch nur die entsprechenden beiden semitischen Hauptdialekte vollständig zu durchforschen und theoretisch wie praktisch zu bewältigen. Von diesem Standpunkte aus läßt sich also schon im Allgemeinen erwarten, daß auch in dem vorliegenden Werke die eine Seite überwiegen werde, und welche von beiden dies sei, kann bei der Nationalität des Verfassers und dem dadurch bedingten srühbegonnenm Studium des Hebräischen und Aramäischen kaum zweifelhaft fein. Bei genauerer Ansicht des Buches bestätigt sich auch diese Voraussetzung, insofern es neben vielem für die sprachliche, noch mehr aber für die sachliche und geschichtliche Erklärung des Korans Forderlichen, ja Unentbehrlichen, Einzelnes enthält, was nur als Folge einer zu weit getriebenen Anwendung des Hebräischen auf das Arabische und einer theilweise noch unvollkommenen Kenntniß des letztem und der arabischen Literaturquellen angesehen werden kann. Dieses vorläufige Gesammtunheil soll, wie schon dessen Fassung zeigt, die Anerkennung des thatsächlichen und überdies durch den ehrenden Ausspruch einer ganzen Facultät bestätigten Werches der Schrift keineswegs verkümmern; möchte man sich doch eher verwundern, daß Hr. Dr. Geiger schon damals so manche Klippen, an denen Andere gescheitert sind, glücklich um- und durchschiffte, und übrigens haben die meisten der berührten Mangel auf den Gang und die Ergebnisse der Untersuchung gar keinen Einfluß; wohl aber könnte man bedauern, das; die preislich,eilende Facultät als solche oder ihr Berichterstatter als specieller Fachkenner den Verfasser nicht wenigstens auf die Hauptmängel des arabischen Theiles seiner Schrift aufmerksam gemacht hat, 5