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Der Orient · 1841-01-30 · Heft 5 (30.1.1841) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 5 (30.1.1841)
Article
Ueber die Karaiten
Date
1841-01-30
Page
Seite 40 (sequence 2)
Language
German
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40 wand gehüllte Priester, der sichwährend des ganzen Gottesdienstes nur von hinten zeigte' und sein Gesicht knieend, stehend oder niedergeworfen, stumm oder singend dem heiligen Gesetzesschrein zugewendet hielt. Der Gottesdienst sollte an diesem so heiligen Lage den ganzen Lag dauern, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, und gefastet hatten Alle schon seit dem letzten Sonnenuntergänge. Da die Synagoge für die kleine Gemeinde geräumig genug war, so hatten sich auf den Teppichen Gruppen gebildet, in denen sich das Gleiche zusammenpaarte. In dem einen Viertel lag ein Dutzend junger schwarzäugiger Burschen zusammen, in dem anderen hatten sich mehr die Men und Wohlhabenden hingekauert. Am gefälligsten waren die Gruppen, welche einige Vater mit ihren seidenstofsigen Söhnchen bildeten. Wie die Türken und Tataren, lieben auch die Karaiten ihre Söhne unendlich; sie kosen und scherzen beständig mit ihnen, auch sogar in der Synagoge. Die kleinen hübschen Jungen schienen sich auf den bunten Teppichen recht wohl zu gefallen, legten die Köpfchen auf den Schooß ihrer Vater und schmeichelten ihnen. Der Vater, zu Zeiten sein Buch bei Seite legend, lächelte ihnen zu, »erwies sir sanft zur Ruhe, wenn sie es zu arg machten, und küßte sie häufig. Manche dieser Kleinen, die auch schon geduldig seit achtzehn Stunden gefastet hatten, waren ihren Vätern vor Müdigkeit im Schooße eingeschlafen, und diese fuhren fort, Gottes Wort über dem Haupte ihrer schlummernden Kinder zu lesen. Als die Sonne sank, drängten sich Alle noch eifrig zum Fenster, und die Hintermänner hielten ihre Bücher über den Köpfen der Vorderen hinweg, um noch die letzten Strahlen des scheidenden Gestirns auf ihren Schriftzügen aufzufangen und sie in den letzten Schlußgesängen des Tages wieder von sich zu strömen. Erst als aller.Lichtstoff aus den Raumeu geschwunden, hielten sie dafür, dem Gesetze genug gethan zu haben, und begaben sich, ihre Kinder'an der Hand — .aber keiner seine Frau am Arme — nach Hause. Man sagte mir, daß die Karaiten sich bei'm Gebete nach der Seite wenden, die derjenigen entgegengesetzt ist, nach welcher die Juden sich kehren. Das würbe denn eine ziemlich starke Abneigung gegen ihre ehemaligen Brüder an den Tag legen. .„Auf dm Messias hofft Ihr doch aber auch," fragte ich einen Karaiten, der mir in Odessa vor seiner mit persischen und türkischen Seidenwaaren gefüllten Bude eine Lehrstunde über seine Sekte gab. — „Ach, ja wohl, wir erwarten ihn immerfor:, Tag und Nacht. Er kann in wenigen Tagen kommen, vielleicht morgen schon, oder gar heute. Ja, es kann sein, daß er schon da ist, und wir wissen es nur nicht." — „Morgen ist Schabbes", sagte, sich einmischend, eine alte runzelige Talmudistensrau, die neben der Thür des Kararten ihr Tischchen mit dimkleinen Nadel-, Zwirri- und Vandniederlage hatte, morgen ist Schabbes, und wenn der Messias morgen käme, juchhe! so würde ich ihm all' wein Essen geben.u — „Nun, Alte", bemerkte ich, „der wird Dein Essen wohl nicht nöthig haben." — „Ne, der hat nichts nöthig", sagte der Karait, „er wird uns ja Alles geben müssen, was wir bedürfen.^ — „Ach, großer Gort, da wird er mir viel geben müssen!" — seufzte die arme alte Frau. — „Wird er Euch denn aber auch Frieden geben und Freundschaft unter Euch Dfchuffuc und Karaiten stiften?" — Auf diese meine Fragen antworteten sie mir Beide nichts, die Unversöhnlichen! Perfoualchronik und Miscellen. Ueber Wohllhätigkeit theilen die Arch. Isr. de Fr. eintn interessanten Aufsatz mit. Es heißt: Es findet sich unbestritten eine charakteristische Verschiedenheit zwischen den Israeliten des deutschen Ritus und jenen des portugiesischen in der Art und Weise, Wohlthätigteit zu üben, vor. Erstere geben Almosen während ihres ganzen Lebens, zuweilen sogar nach ihrem Tode, wenn sie ein Testament machen. Letztere theilen weniger an Personen aus, als vielmehr an milde Stiftungen. Nach unsrer Meinung ist letzteres eine zweckmäßigere Art, wohlzuthun. Es war schon Sitte unsrer Väter, in ihrem letzten Willen der frommen Stiftungen nie zu vergessen und sie hatten Recht, denn die Stiftungen sind von Dauer, während das Austheilen an Arme nur eine augenblickliche Hülfe ist; abgesehen davon, daß es oft nur die Faulheit verstärkt. Die Vermächtniße Terquem (Iss legs Terquem) waren die ersten in Frankreich, wahrscheinlich auch in Europa, -welche einen jährlichen Preis ausgesetzt haben, um -unter den Israeliten das Befassen mit mechanischen Arbeiten zu.heben. Es ist noch das einzige. Die Perpetuirlichkeit ist der wahre Charakter einer Wohlthat. Hier eine Note der von den Israeliten zu Bordeaux gestifteten Legate: 1) Abraham Lopes Diasdrei Legate: eins von 1000 Fr. für den Tempel; eins von 500 Frfür die Knabenschule; eins von 400 Fr. für die Mädchenschule im Jahre 1838. 2) Isaak Mendes, 500 Fr., 1839. Z) I o s u 6 Perpignan 500 Fr. 1340, 4) Gabriel Weil 500 Fr, 1840. 5) Azevedo 500 Fr. 1840, Die Archivs versprechen alle zu ihrer Kenntniß kommenden Stiftungen rc, zu veröffentlichen. Die israelitischen Geburten der Stadt Hamburg beliefen sich im vorigen Jahre auf 235, es starben dagegen 206 israelitische Individuen, * * * Auch zu Mainz, wo Cremicux am 10. Decbr. weilte, ist dieser Ehrenmann auf das Ehrenvollste ausgenommen und' bewMommt worden. In Ungarn haben die Juden zu der neuen Rekruten- Außhebung ihr Contingent früher als das Land noch zusammengebracht, Es ist aber traurig, daß trotz der edlen Hingebung der Juden an den Staat und ungeachtet aller Bereitwilligkeit, mit der sie ihre Kräfte dem Vaterlande opfern, sie dennoch oft selbst da ausgeschlossen werden, wo das Gesetz keine Scheidung macht. So wurden sie neulich als kaufmännische Beisitzer zu 'dem neuerrichteten Wechsclgerichte ausgeschlossen, obgleich das Gesetz nichts von dieser Ausschließung sagt. \ j , Verlag von C. L. Fritz sch e. Druck von I. H. Nagel.

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