Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1841)
- Article
- Berlin: Ministerialverfügungen
- Date
- 1841-01-30
- Page
- Seite 36 (sequence 3)
- Language
- German
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- 38 — Duplikat am Schluffe jedes Kalenderjahres der Regierung eingesandt. e) Für die Aufbewahrung der Verzeichnisse bei den Regierungen und bei den örtlichen Behörden muß in eben der Art Sorge getragen werden, als dies mit den Kirchenbüchern geschieht. f) Atteste auf den Grund dieser Verzeichnisse von Behörden, welche sie führen, oder von den Regierungen, vertreten dagegen auch für Juden, die Inländer und preriß. Staatsbürger sind, die Stelle von Geburts-, Trammgs- und Todtenfcheinen, und für deren Ausfertigungen werden auch dieselben Stempel und Sporteln erhoben." Berlin, 25. Juni 1812. (Gez.) v. Hardenberg. An sammtliche Königliche Regierungen. Die Amtsblätter, die diese Bekanntmachung so eben gebracht haben, bemerken, daß dies auf höhere Anordnung erfolgt sei und empfehlen die pünktlichste Befolgung des Vorstehenden. Gewiß ist sie gut, diese Verordnung und ihre Erneuerung, obgleich rücksichtlich unsrer Hoffnungen und Erwartungen nicht eben Erhebliches aus ihr hervorgeht. Sie bringt Ordnung und organisches Leben in die ganzen socialen Verhältnisse des Judenthums und bewahrt, wenn wir so sagen dürfen, vor einer gewissen gesellschaftlichen Lüderlichkeit und Willkür, die die hauptsächlichste Feindin jenes Sinnes ist, der sich in staatsbürgerliche Ordnung zu fügen weiß." Allein nicht unterdrücken können wir am Schlüsse die Frage, warum die Juden unmittelbar unter die Eontrolle der Polizei stellen, da doch die Christen mit ihren Meldungen an ihre kirchlichen Behörden gewiesen sind? Ist dies nicht eine unnöchige Ungleichheit? Ist es nicht selbst eine Beschwerniß, die wohl hatte erleichtert werden können, wenn man auf dem Lande den Landroth des Kreises die Meldung zu machen hat? Doch es sind im Ganzen dies immer nur Kleinigkeiten, über welche leicht hinweg gesehen werden kann. Die gute Absicht der Regierung läßt sich nicht verkennen und wir betrachten darum auch die Verordnung als eine Dorbereceitungsmaßregel zur vollkommenen Emancipation. X Berlin, 18. San. lieber die religiösen Zustande oder besser Mißstände der hiesigen Juden könnte ich wiederum ausführlich referirm, allein gewisse Ursachen gebieten mir Schweigen, und kann ich darum für heute nur einiges zur größeren Kenntnißnahme bringen, est sapienti sat. In der hiesigen Synagoge ist noch Alles in dem alten statu qao, d. h. Erbauung und Belehrung vermißt noch immer jeder, der in das Gotteshaus tritt, und selbst der eingeführte achtstimmige Chorgesang fängt, wegen einer zwischen den Gemeindeältesten und Gemeindevorstehern obwaltenden Spannung, an zu zerfallen. Die beiden sogenannten Rabbinatsassessorea vegetiren nach wie vor noch immer in ihrer Ohnmacht und Bedeutungslosigkeit, und an die Ausnahme und Bildung eines zeitgemäßen Rabbinatscollegiums scheint der sonst so sehr gebildete Gemeindevorstand nicht mehr zu denken. —- So herrscht unter den hiesigen Juden für die Gegenwart die größte und tiefste Erstorbenheit aller religiösen Interesses, nur für die Zukunft scheinen sie besorgt zu werden, weßhalb sie unter Direktion des hochwürdigen Dr. Zuuz ein jüd. Schullehrerseminar organisirten und dem nunmehr bereits in's Leben getretenen Eulturverein sich anzuschließen suchen —; und in der That ist aus diesem beiden Instituten die Regeneration des jüdischen Lebens in Preußen zu erwarten*). Doch gern wende ich mich weg von den Flecken und Makel, welche dem religiösen Sinne der hiesigen jüdischen Familien anhasten, und bemerke lieber, daß unter den hier studierenden jüdischen Theologen, sich eine geistige Regsamkeit und Thätigkeit kund gibt, wie sie nur selten unter jungen Theologen zu finden ist, daß jeder der hiesigen Rabbinatskandidaten sich das Gesammtgebiet seiner Berufswissenschasten zum Bewußtsein gebracht, und unablässig dahin arbeitet, dasselbe allseitig anzubauen. Solches Streben verdient allgemein bekannt und anerkannt zu werden, und gewiß es wird nach Verdienst gewürdigt und belohnt werden. — Ein Näheres hierüber nächstens. X Berlin, 20. Jan. Der th-.tenreiche und verdienstvolle Herr Direktor B a r u ch A u e r bach überschickte vor einigen Wochen seinen „Vierten Jahresbericht über die Bekleidung der dürftigen Zöglinge der hiesigen jüdischen Gemeinde-Knabenschule" unserm Staalsminister Eichhorn und hatte die große Freude,, von Sr. Excellenz nicht nur ein schönes Dankschreiben, sondern auch 25 Thlr. als Beitrag zu diesem wohlthätigen Institute mit dem Bemerken zu erhalten, daß alljährlich dieser Beitrag aus der Centralkasse dem Herrn Directoc Auerbach ausgezahlt werde. Dieses Faktum ist uns der beste Maaßstab für die Gesimnmgen, welche höhcrn Orts über Juden herrschen, und Veeechtniß zu den besten Hoffnungen. — Das Schreiben Sr. Excellenz werden wir in diesen Blättern nächstens mitthellen, und erlauben uns nur noch die Bemerkung, daß überhaupt die vielfachen Leistungen des wackecn tzrn. B. Auerbach des größten und besten Beifalls der anerkanntesten Pädagogen, wie Diesterweg, Delbrück, Grützmacher u. A. sich zu erfreuen haben. Leipzig, 20. Jan. Die Jeschuat-Achim, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Studirenden in Leipzig, hat einen Bericht über die Resultate ihres Slrebens im vmvichenen Jahre geliefert, und durch den- *) Wir werden der Tendenz dieser Blätter gemäß, in den nächsten Nummern die Statuten dieser beiden bedeutungsvollen Institute auszüglich mittheilen. Red.