Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1841)
- Article
- Kahira: die arabischen Juden ...
- Date
- 1841-01-30
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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34 war es je gelungen, ohne Mehmed Ms Schutz nach Damaskus zu kommen? Noch im Jahre 1833 war Lamartine genöthigt, beim Eintreten in dieStadt sich in Beduinen-Kleider zu stecken, seine Familie mußte sich Nachts emschleichen. Aber sein Wille war schon einige Jahre später so mächtig, daß sowohl Schubert, als Marm ont so frei und ungehindert in den Bazarn jener Stadt spazieren gingen, als wenn sie sich in München oder in Paris befanden. Kein Mensch kann die große Tyrannei Mehmed Ali's gegen seine Unterthanen vertheidigeN) aber anerkennen muß man, wie viel Gutes er den Europäern gethan. Er war der erste Muselmann, der uns ins Innere von Afrika, Palästina und Syrien einführte; durcl) ihn war es unfern Gelehrten möglich, alle Monumente, Gewässer, Ackerbau, Gewerbe und Fabriken, den Reichthum und dm ganzen Instand des Landes zu studiren. Sehr zu bezweifeln ist es, ob wir ohne ihn diese Länder mehr als Marocko, Abyssinien und andere Staaten Afrikas kennen gelernt hätten. Unter seiner Regierung konnten Christen ungehindert und in der größten Sicherheit die heiligen Städte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth besuchen. Die Zahl der Franken von Alexandrien stieg auf 9000 Seelen, die deren in Cairo auf 4000, und an der ganzen syrischen Küste entstanden' neue Etablissements. — Auf der großen Strecke von Alexandrien bis Theben begegnet man. unaufhörlich an beiden Nil-Ufern Fabriken, die alle von Europäern geleitet werden. — Während meines Aufenthalts in Cairo wurden dem Prinzen von Würtemberg 2500 Soldaten überlassen, daß 'er ungehindert seine wissenschaftliche Reife oberhalb des Sennaar und Fazogl bis gegen das Land der Menschenfresser hin ausdehnen konnte.; Andern überließ er Schiffe, Lebensmittel und Geld, damit endlich die entfernte Nil-Quelle aufgesucht würde. Dreien Franzosen übergab er in Suez Staatsschiffe, um sie nach Abysstnien zu bringen. Baiern, Italiener und Franzosen schickte er zu den Gold-, Silber- und Schwefelbergwerken im Sennaar, um deren Oberaufsicht zu führen. Kein Künstler kam nach Cairo, der nicht bei ihm Audienz erhielt und unterstützt wurde. Wie die ausgezeichnetsten Männer Europas ausgenommen wurden, davon haben uns größtentheils ihre Schriften unterrichtet. Hätte dieser Mann, statt stets um die Gunst der Europäer zu buhlen, mehr Sympathie zu feinem Volke gezeigt, hatte er die Steuern mit weniger Grausamkeit eingetrieben, das Grundeigenthum rechtmäßiger vertheilt, die gegenseitige Garantie bei den armen Fellab's aufgehoben, und nicht den armen Araber, wenn er über die Straße ging, ohne Weiteres aufgepackt und lebenslänglich unter das Militär gesteckt, so würden die Alliirten nicht so leichten Kaufs Syrien erobert haben. Wer in der letzten Zeit Egypten bereiste, mußte seine Nachgiebigkeit sehr klug finden, denn auch hier bedurfte es nur eines Impulses von Außen, um die mächtige Stadt Cairo, die durch sein System ganz verarmt dasteht, in Aufruhr zu bringen, und wir hätten dann das sonderbare Schauspiel gesehen, daß die Alliirten, die Krieg gegen ihn führten, am Ende für ihn führen mußten, um ihm Egypten zu erhalten. — Bei der geringen Geschäftsverbindung zwischen Deutschland und Egypten und bei der kleinen Anzahl deutscher Reisenden nach jenem entfernten Lande hielt ich es für Pflicht, diese Abweichung über Egyptens Zustand mir zu erlauben. Meine Mitbürger werden es mir eben so wenig verübeln, als die Israeliten, wenn ich hier mit einem Wunsche schließe. Seit vielen hundert Jahren erfreute sich Niemand bei den Israeliten einer solchen Popularität, als He. Cremieu x. Jung und Alt, Reich wie Arm, religiöse und moderne Israeliten drängen sich nm ihn, um für seine Vertheidigungsschristen, große Reise, Geld- und Zeit-Aufwand ihm ihren Dank abzustatten. Möge er diese schöne Stellung benutzen, um einen großen Verein zu bilden, der allein zum Zweck hat, die verschiedenen jüdischen Stämme, die in allen Theilen von Asien und Afrika zerstreut sind, aufzusuchen, und uns über ihre bürgerliche und religiöse Stellung Bericht zu erstatten. Schon im dreizehnten (?) Jahrhundert, wo man noch nicht mittelst Dampf nach Asien und Afrika reisen konnte, und selbst Europa noch schwer zu bereisen war, machte der Spanier Benjamin aus Tudela auf eigne Kosten aus ähnlichem Zwecke eine Reise in die drei Welttheile, welche einen so günstigen Erfolg hatte, daß noch in neuerer Zeit Chateaubriand alle seine Schriften übersetzen ließ, und sie als Meisterwerk erklärte. Wie viel würden die Wissenschaften den Israeliten verdanken, wenn diese ihre frühem Verfolgungen damit belohnten, über Völker im Innern von Afrika Aufklärung zu geben, wohin bis jetzt noch kein europäischer Fuß dringen konnte. Bei einem Ausflüge zu den Katarakten, den ich mit dem deutschen Maler Hrn. Kretfchmar aus Danzig machte, fand ich in Khene einen florentinischen Naturforscher, der unlängst Abysstnirn verlassen hatte. Nach seiner Versicherung soll in den hohen Gebirgen von Sumen sich ein jüdischer Stamm befinden, der schon zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft dort einwanderte, sich einen erblichen Chef erwählte, dessen Nachkommen heute noch regieren sollen, und der, wie in jener Zeit, im Nomadwzustand lebt. Hg. Deutschland./ Berlin, 27. Dec. 1840. Wir haben uns, des Interesses willen, was uns Preußen hinsichtlich dec Zudenfrage als ein Staat erster Classe cinflößen muß, in der jüngsten Zeit mehrfach mit Ministerialverfügungen, Regiecungs-und Cabinetsbesehlm von dorther beschäftigt, um daraus das Prinzip beurcheilen zu können, nach