Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1841)
- Article
- Kahira: die arabischen Juden ...
- Date
- 1841-01-30
- Page
- Seite 33 (sequence 1)
- Language
- German
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Zweiter Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für rin Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen Zöbt- Postämtern und allen 'soliden Buchhandlungen auf rin Jahr. für jüdische Geschichte und Herausgegeben poR Don dieser Zeitschrift ü erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt ,mte;erechnet, zwei Bogen. und zwar an jedem ' Samötag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. 1841. Leipzig, den 30. Januar Orient. Kahira, (die arabischen Juden-; die Karaer-Familien; die europäischen oder italienischen Juden. Zustand aller drei Klassen). — Deutschland. (Berlin. Minifterialverfügunzen. Berlin. Kulturverein und Schullehrerseminar. Berlin, über Baruch Auerbach. Leipzig, Bericht über den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Studirender. Spei er, über das Schulwesen.). B o h m e n (Böhmische Grenze. Ueber die jüdischen Zustande in Bohnren.). — Rußla n d (£) & c f f a.). —- Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Ueber hie Karaiten von Kohl. — Personalchronik und MisceUen. —- L.-B. d. Orients. O V t ent KstHrvck (Bscht.) Welche Hoffnungen dagegen gewähren dieSanitats-Anstalten, die Herr Cremieux für seine Glaubensgenossen gegen diePest errichtete? Diese Krankheit würhet im Allgemeinen so fürchterlich, daß sie im Jahre 1836 in Cairo nicht weniger als 75,000 Pestbefallene hinwegraffte. Ein altes Dorurtheil bei den Arabern behauptet, daß die Pest irr den Quartieren der Juden ihren ewigen Sitz genommen habe; gewiß ist, daß sie beim Ausbruch bei diesen stets schreckliche Verheerungen amichtet» Hatte Hr. Cremieux die beiden berühmten deutschen Aerzte, Brunner und Fischer, kennen gelernt, deren Menschenliebe mir bürgt, daß sie ihm gern an die Hand gegangen waren, so hätte er ihnen gewiß den Vorzug gegeben, weil die Ansicht Clot-Bey's bei Verpesteten der aller andern Aerzte widerspricht. Die Augenkrankheiten, die hier nicht weniger zu Hause sind, scheinen von der neunten Plage des Moses noch übrig geblieben zu sein. Diese Krankheit wüthet so stark, daß ich in der Umgebung von Theben ein Viertel der Bevölkerung stockblind fand. Obschon sich die Bildungsanstalten des Hrn. Cre, mieux einer großen Popularität erfreuen, bedauere ich doch, daß sie errichtet wurden. Was soll diesen arabischen Kindern im Innern von Afrika die Kenntniß von zwei bis drei Sprachen, die man kaum bei den tzebildeisten - Europäern findet? Was soll Menschen, die ihr Quartier ihr ganzes Leben nicht verlassen, unsere Geographie nützen, und warum sollen sie sich unserer Maschinen beim Essen bedienen, wenn es gewiß ist, daß alle Muftis, Kadis, Paschas, ja selbst Mehmed Air noch die Finger gebrauchen? Die Israeliten Cairo's leben seit Jahrtausenden unter den Arabern; Kleidung, Sprache und Gebräuche sind ihnen zur zweiten Natur geworden; werden wir diese Menschen nicht unglücklicher machen, wenn wir sie über ihr Elend ausklären? Hangt nicht die ganze Civilisatisn im Oriente-, davon ab, wie wir mehr oder weniger mit ihm in Berührung kommen? Kaum sind es 15 Jahre, daß es den Franken erlaubt ist, in Cairo einen Esel zu besteigen; ohne Lebensgefahr konnte der Europäer die Stadt nicht verlassen. Mehmed Ali verdanken wir, eine Strecke von 1400 Stunden, vom Taurus bis zum Sennaar, in der Wüste im am rothen Meere, wenn wir der Wege kundig sind, fast ohne Führer gehen zu können. Kaum waren seine Kräfte in Syrien gelahmt, so war es keinem Europäer mehr möglich, sich dorthin zu begeben, und die beiden Herren Montesiöre und Cremieux, die, um ihren unglücklichen Glaubensbrüdern zu Helsen, Meere durchsegelten, fanden kein Mittel mehr, zum Ziel ihrer Reise zu gelangen. Ich möchte den Juden und andern guten 'Menschen den Trost nicht nehmen, daß in Damaskus alles beigelegt ist. Aber wer in der Welt mag uns versichern, daß das Zn allen Blattern besprochene Urtheil Mehmed M's wirklich abgegangen, angekommen und von einer fanatischen Behörde, über die er nicht mehr zu gebieten hatte, vollzogen worden sei? Wem überhaupt 5