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Der Orient · 1841-01-23 · Heft 4 (23.1.1841) · p. Seite 30

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 4 (23.1.1841)
Article
Mecklenburg-Schwerin: jüdische Zustände daselbst
Date
1841-01-23
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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- 30 - mir und gutem Willen, an dem es hoffentlich nicht fehlen wird, dennoch beseitigt werden dürsten. Im Ganzen weiß man hier zu Lande von jener unbeugsamen Starrheit, die in Preußen als das schroffe Extrem des Jndifferentismus den Bestrebungen der für den Fortschritt Kämpfenden so hart entgegentritt, wenig oder gar nichts, und dürste auch bei der von Seiten des Staates so edelmüthig als freisinnig ausgesprochenen Anerkennung der religiösen Verhältnisse der Juden, bei der gesetzlichen Stellung und dem amtlichen Charakter des Obcrraths und Landesrabbiners den Kürzern ziehen. — Es verdient auch erwähnt zu werden, daß in Bützow, einer Gemeinde von 131 Seelen, seit einigen'Jahren ein wohleingerichteter Chor von acht Schulknaben unter Leitung des musikalisch-gebildeten Vorsängers, Hm. Säler, und des braven Lehrers, Hm. Isaak Hirsch, zur ' Hebung des Gottesdienstes sehr wohlthätig wirkt, was erst neulich bei Gelegenheit der Einweihungsfeier einer neuerbauten Synagoge zu Plan am 23. Oct. d. I., wo dieser Chor milwirkte, einen höchst erfreulichen Eindruck auf Juden und Christen hervorbrachte. Es liegt also ein großes Feld zu bearbeiten vor; es muß der Boden in allen seinen Theilen Schritt für Schritt urbar gemacht werden. Nur muß man nicht sehr viel in sehr kurzer Zeit fordern 'und erwarten, es müssen vielmehr die Umstände und die örtlichen Schwierigkeiten berücksichtigt werden, und wir hoffen und vertrauen zu Gott, daß er den bestellten Arbeitern Kraft und Einsicht, den Gemeinden guten Willen und regen Geist verleihen wird, um zur heilvollen Gestaltung der religiösen und durch diese auch zur Gestaltung der bürgerlichen Verhältnisse ersprießlich zu wirken. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Usber dke Karaiten von Kohl» ^Fortsetzung.^ Die Geschichte ihrer jetzigen Sitten und ihrer heutigen Verhältnisse beginnt ohne Zweifel erst mit Mohamed. An Mohamed schlossen sich die jüdischen Protestanten sogleich entschieden an, und dieser Anschluß, so wie das nachfolgende beständige Zusammenhalten der Karaiten mit den Mohamedanern, welches sich überall verfolgen läßt, drückte ihnen ihr ganzes jetziges Gepräge auf und gab ihnen nicht nur ihre Sprache, Gesichts- und Geistesbildung, sondern auch ihre Kleidung, Speise und Lebensweise. Die älteste Schrift, welche die Karaiten besitzen, ist ein Privilegium, welches ihnen Mohamed selbst für die freie Ausübung ihres Glaubens verliehen haben soll. Wenn man alsdann die Jahreszahlen und die Druck- und Schreiborte der spateren karaitischen Bücher verfolgt, so geht daraus deutlich hervor, daß die Verbreitung der Karaiten immer mit der der mohamedanischen Völker gleichen Schritt hielt. Mit diesen kamen sie nach Afrika und Kleinasten; sie begleiteten sie bis nach Spanien, waren mit ihnen zu Antiochia, Edessa und Nicäa, setzten mit ihnen nach Europa-über und hatten anfangs ihre Haupt - Kolonieen in Adrianopel und dann in Konstantinopel, verzweigten sich aber auch unter türkischer Hoheit in mehren anderen Städten von Europa. Eben so kamen nun auch die Karaiten mit der turkotatarischen Herrschaft unter Batü-Chan nach der Krim. Das Auffallendste bei dieser Verbreitungsgeschichte der Karaiten ist, daß alle diese Kolonieen in Asien und Afrika, die doch den Daten zufolge, nach denen man auf ihren Zustand schließen kann, im dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderte recht blühend gewesen sein müssen, in den meisten Städten dieser Erdtheile mit der Zeit wieder fast spurlos verschwunden sind. In den kleinasiatischm und syrischen Städten giebt es fast gar keine Karaiten mehr, eben so wenig in den Städten der afrikanischen Nordküste, mit Ausnahme Kahiras und der südlichen Provinzen Marokkos, in welchen letzteren besonders viele karai-' tische Gemeinden vorhanden sein müssen, da fast alle, selbst spätere krim'sche Manuscripte auf sie als auf einen Hauptsitz der Karaiten Hinweisen. Dieses Verschwinden der karaitischen Kolonieen aus so vielen asiatischen und afrikanischen Städten erklärt man sich auf folgende Weise. Die Mohamedaner brachten eine Partie ihrer fleißigen und ehrlichen, karaitischen Freunde mit und siedelten sie in den von ihnen eroberten Städten an. In diesen fand sich nun aber gewöhnlich schon eine sehr starke Kolonie talmudischer Juden seit alten Zeiten ansässig vor, die sich nun in ihrer Existenz durch neu ankommende, abtrünnige und ihnen verhaßte Brüder bedroht sahen und daher sogleich mit diesen einen Jntriguen- und gelegentlich auch wohl einen Waffenkampf auf Leben und Tod begannen. In diesem Kompfe siegten nun .'fast überall die schlauengelehrten und unermüdlichen Talmudisten über die einfacheren und, als mit den Türken verschwistert, minder gewandten Karaiten, die mit der Zeit 'fast überall weichen mußten, und deren Kolonieen

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