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Der Orient · 1841-01-23 · Heft 4 (23.1.1841) · p. Seite 27

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 4 (23.1.1841)
Article
Kahira
Date
1841-01-23
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 und dort die deutsch-polnischen Juden kennen lernt, wo der ewige Hader mit den Griechen kein Ende nehmen will. Wahrend deren letzter Revolution war alles für sie so begeistert, daß man sich bemühte, keine ihrer Schattenseiten aufzuklären z mit Stillschweigen wurden übergangen die Grauelthaten, die sie gegen die Juden unter dem Vorwände, sie seien Türkenfrmnde, begingen. Das Mordschwert wüthete so stark, daß selbst Kinder in den Wiegen' nicht verschont wurden. Seit dieser Zeit befinden sich keine Juden mehr in Griechenland. -— In Ländern, wo durch Pest, Vielweiberei und ewiges Morden von oben herab feit Jahrhunderten die Bevölkerung im Abnehmen ist; wo man Tage lang reist, ohne auch nur ein Haus zu finden; wo es dem ergiebigsten Boden an Händen, ihn zu bebauen, fehlt, geben diese Art Ausrottungskriege eine Lücke, wovon man in andern Landern, deren Bevölkerung im steten Aunehmen ist, keinen Begriff hat. Welch' trauriges Bild liefert selbst das heutige Griechenland sammt Morea und seinen unzähligen Inseln, deffen Volkszahl kaum der im Großherzogthum Hessen gieichkömnu. (Schluß folgt.) Deutschland. Bevlitt, 1- Jan» Auch die hiesige jüdische Gemeinde hat nun ihr Leichen haus, und ist somit, wie es der Hauptstadt und der großen Gemeinde Berlins wohl ziemt, dem Lande und ihren Schwestergemeinden mit gutem Beispiel vorangegangen. Möchte dieses Beispiel doch in Balde wirken, möchte es doch andere Gemeinden veranlassen, möglichst schnell von ihrer Unempfindlichkeit gegen die vermeintlichen Todten abzustehen. Es ist merkwürdig, wie viel Kalte und Gleichgiltigkeit in dieser Hinsicht noch unter den Menschen und namentlich unter uns herrscht; wie sehr mißverstandene Religiosität und durch die Zeit geheiligter Mißbrauch hier dem Bessern in dm Weg treten und gleichsam erst bei den Haaren dazu ziehen lassen, die letzte, heilige Pflicht gegen die abgeschiedenen Lieben zu erfüllen. Der Orient hat schon neulich in einer Correspondenz aus Posen bei Gelegenheit der erneuerten Verordnung, die Todten nicht vor Verlauf von 3ma( 24 Stunden zu begraben, sich mahnend und warnend ausgesprochen, mußte zugleich aber auch bemerken, daß jene wohlthätige-Verordnung dort nicht den Anklang gefunden habe, den sie eigentlich finden sollte. Wir sollten Gott und der Regierung es Dank wissen, wenn in dieser Hinsicht Einrichtungen zum Bessern erfolgten. Aber weichen diese Einrichtungen nur einigermaßen von unfern althergebrachten Sitten, von den auf uns vererbten Gewohnheiten ab, dann können wir sicher darauf rechnen, daß auch eine nicht geringe Anzahl wenn nicht Schwierigkeiten der Sache entgegensetzen, so doch dieselbe durch Lauheit und Theilnahmlosigkeit aufhalten und dadurch sie auf Jahre hinaus verschieben. So ist auch diese Leichenhaus-Angelegenheit seit 1637 bereits in Anregung gekommen. Mit beredten Worten veröffentlichte damals P. L. Hurwitz in der allgemeinen Zeitung des Judenthuws seine Ansichten über Scheintod und Leichenhäuftr. Mit unwiderleglichen Gründen that er dar, daß vor der beginnenden Faulniß des ganzen Körpers von keinem wahrhaft gewissen Zeichen des Todes die Rede wäre, daß selbst ein dreitägiges Liegenlassen der Leiche über der Erde nicht vor dem Lebendigbegraben sichre; daß das eilige Begraben seinen Grund in einer falschen Auffassung und Auslegung biblischer Stellen und des Talmud habe, daß es Zeit, Land, Verhältnisse, Einrichtungen, kurz Alles verkennen hieße, wenn wir die Sitte der Orientalen rücksichtlich des schnellen Begrabens beibehalten zu müssen vermeinten rc. — Leicht wäre es uns, die .von ihm dort angeführten Belege und Gründe um ein beträchtliches zu vermehren, wenn wir nicht fürchten müßten, unnöthig weitläufig zu werden und blos das zu wiederholen, was langst bekannt ist. Ueber Scheintod und Wiedererwachen sind ganze Bande geschrieben und die unwiderleglichen Beispiele haben sich bereits zu Folianten angehaust. Wir wünschten, daß Rabbinen und Gemeindevorsteher es sich zur Pflicht machten (und cs gehört nach unserm Dafürhalten wirklich unter die Pflichten der Sorge für das Wohl ihrer Gemeinde), dergleichen Dinge zur Kenntniß ihrer Gememdeglieder zu bringen und sie, durch Aufmerksammachen auf die Gefahren, denen sie Alle einst unterworfen sind, zu vermögen, gewissenhafter gegen die Dahingeschiedenen zu werden. Wir hoffen, daß dann recht bald die meisten vermögenden Gemeinden wenigstens aus ihrer Lethargie erwachen, ihre grausame Unempfindlichkeit fallen lassen würden. Ueberdem kann auch nur dem Umständlichen die Einrichtung eines Leichenhaufes als eine beschwerliche und kostspielige Sache erscheinen» Wir sind der Meinung, daß dergleichen sogar mit geringen Mitteln ins Leben gerufen werden könnten und daß eine nur einigermaßen genügende Einrichtung der Art immer besser sein würde, wie gar nichts. Halten wir die Idee der Grotten und Gewölbe des Orients, oder die Grüfte unsrer Vorzeit fest, so wird sich mit wenigen Mitteln und geringen Unterhaltungskosten ein recht bequemes Leichenhaus Herstellen lassen. Man erlaube uns mit einigen Federstrichen unsre Idee auszusprechen. Das Leichenhaus soll nichts sein, als der Aufbewahrungsort derjenigen Abgeschiedenen, von deren gänzlicher Auflösung man sich noch nicht überzeugt hat. Es muß so viel gesunde Luft enthalten, daß der, welcher vielleicht wiedererwachen könnte, nicht aus Mangel an Lust eines zweiten Todes stirbt, es muß so warm sein, > daß das organische Leben, welches in Erstarrung liegt, | durch die vorhandene Kälte nicht vollends abgetödtet wird. ' (Sm einfaches Gewölbe also, zum Theil vielleicht m die warme Mutter-Erde hineingegraben, das im Winter 4 V

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