Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1841)
- Article
- Kahira
- Date
- 1841-01-23
- Page
- Seite 25 (sequence 1)
- Language
- German
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Zweiter Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonmrt bei allen löbt. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen und zwar an jedem Samstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. Leipzig, den 23. Januar 1841. Orient. Kahira, (die arabischen Juden; die Karaer-Familien; die europäischen oder italienischen Juden. Zustand aller drei Klassen). — Deutschland. (Berlin. Errichtung eines Leichenhauses. Berlin. Institut zur Bekleidung bedürftiger Zoglinge. Leipz ig, über die allgemeine Synagoge und über eine theolog. Facultat. Me..ck l en b ur g - S ch w eri n , jüdische Zustande daselbst). -— Lich tu n d Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Ueber die Karaiten von K och)l. — Personalchronik und Miscellen. — L.-B. d. Orients. Orient. Kerhrvtr (Ftstzg.). Das heutige Kairo ist durch seine Größe, seine prächtigen Moscheen, sein Klima und seine angenehme Lage nach Constantinopel die wichtigste Stadtim Orient. Unter seinen 300,000 Seelen mögen sich etwa 3000 Juden befinden, die man, um sie näher kennen zu lernen, in drei Klassen adzusondern genöthigt ist. Die arabischen Juden, etwa 2000, bewohnen wie die Griechen, Kopten, Franken und Araber ihr eigenes Quartier, welches, wie die andern 62 Stadtviertel Cairos, eine Stunde nach Sonnenuntergang geschlossen und bei deren Aufgang eröffnet wird. Wie die andern Sekten, haben auch sie ihre eigene Uniform. Ihre Straßen sind so eng, daß ein korpulenter Mann sie kaum pasfiren kann. Ihre Wohnungen sind zwar von außen armselig, bieten aber im Innern manche, dem Klima angemessene Bequemlichkeit dar. Mehr als ein Viertel dieser Bevölkerung ernährt sich vom Geldwechseln, und wir haben keine Münze in Europa, die hier nicht Cours; findet- Der Krieg zwischen der Pforte und Egypten, wo jeder dieser beiden des Andern Geld außer Cours j setzte, hat günstig aus dies Geschäft gewirkt. Ein großer j Theil bewohnt den Bazar, . nach Constantinopel der! reichste im Orient. In sieben schlecht gebautem Syna- Zogen verrichten sie ihren Gottesdienst) in jeder dersel-; ben befindet sich ein Gegenstand ihrer Verehrung. Meine j Neugierde wurde außerordentlich in Anspruch genommen 1 beim Anblick eines Kastens, in dem sich eine Bibel aus dem Salomonischen Tempel befinden soll, aber alle weine Bitten, denselben zu eröffnen, blieben fruchtlos. Ich wandte mich an den Rabbiner, der nach einigem Nachdenken mir sagte: mit dieser Bibel habe es eine eigene Vewandtniß; wer sie berühre, müsse noch im selbigen Jahre sterberu Ich dankte diesem guten Manne für' seine Vesorgniß um mein Leben, und ging rasch ans Werk. Kaum berührte ich die Bibel, so erhoben alle Anwesenden ihre Hände gen Himmel, daß mich Gott für dies Vergehen nicht strafen möge. Nicht wenig erstaunte ich aber, bei deren Eröffnung eine alte Bekannte zu finden. Einige Monate früher hatte ich nämlich die vaticanische Bibliothek besucht, wo ebenfalls als eine höchste Merkwürdigkeit eine Bibel von hohem Alterthume gezeigt wird, deren Schrift, Papier, Inhalt, ja selbst der Einband mit jener übereinstimmen. Herr Salomon Delmare, ein Jude aus Livorno, der ein halbes Jahrhundert in Cairo wohnt, erzählte mir als Augenzeuge folgenden sonderbaren Vorfall mit jener Bibel. Nach der Schlacht bei den Pyramiden nahmen bekanntlich die Franzosen von Cairo Besitz. Die Gelehrten, die sich aus wissenschaftlichem Zwecke bei der Expedition befanden, untersuchten sogleichalle Winkel der Stadt, um auf Monumente zu stoßen-, oder auf sonstige Altetthümer, um damit das Museum von Paris zu bereichernz aber von letzteren wollte sich fast gar nichts darbieten. Man erfuhr von dieser Bibel und war so sehr dafür eingenommen, daß der General Bonapatte sich entschloß, die Synagoge zu besuchen. Man bot vergebens den Juden eine enorme Geldsumme an/sogar 4