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Der Orient · 1841-01-16 · Heft 3 (16.1.1841) · p. Seite 24

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 3 (16.1.1841)
Article
Sind jüdische Schulanstalten Bedürfnis, ...
Date
1841-01-16
Page
Seite 24 (sequence 3)
Language
German
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24 Die Mädchen erhalten außerdem täglich zwei bis drei Stunden Unterricht in weiblichen Arbeiten. Eine UebersichL der Unterrichtsgegenstände zeigt, wie viel Aufmerksamkeit auf die Religionserkenntniß verwendet, und was zugleich in andern Fächern des Unterrichts geleistet wird. Die täglichen Lehrstunden sind für die erste und zweite Klaffe Vormittags 8—12, Nachmittags 2—5; für die dritte Klasse Vormittags 9—12, Nachmittags 2—3 Uhr. Außerdem wird im Gesang in der französischen Sprache und im Zeichnen Unterricht ertheilt. Die verhaltnißmaßig geringe Anzahl der Schüler gereicht der Schule in sofern zum Vortheil, als die Lehrer ihre Sittlichkeit genau beaufsichtigen können, ohne darum der natürlichen Lebendigkeit und Munterkeit der Jugend Eintrag zu thun. Fern sei es diese Schule andern prahlerisch als Muster aufstellen zu wollen, die genauere Beschreibung derselben sollte nur beweisen, wie die Verbindung des gründlichen rcltgiofcti mit dem wissenschaftlichen Unterrichte ohne Nachtheil für einen dieser Zweige nicht nur möglich ist, sondern sich schon verwirklicht hat. — Möge es uns zugleich gelungen sein, die Aufmerksamkeit der Dresdner Gemeinde insonderheit des wakkern Vorstandes auf dieses in ihrer Mitte bestehende, heilsame Institut zu Lenken! Möge demselben kräftige Unterstützung werden, daß peouniärer Mangel nicht seinen Fortschritt hemme, daß es vielmehr zum Wohle der Gemeinde stets kräftiger aufstrebe! Ueber die Karaiten von Kohl« Kanonischen, gerarhen mit einander in Kampf, und die gemeiniglich schwächere Partei der Ersteren hat dabei viele Verfolgungen von der anderen zu dulden, auf deren Seite sich in der r Regel die Mächtigen und Gewalthaber befinden. — So einfach : und natürlich unsere Geschichte'auf diese Weise im Ganzen ist, i; so dunkel und Unbestimmt ist sie doch in Bezug auf die einzelnen Daten und Jahreszahlen unserer Trennung und eigmthümlkchen Entwickelung." In Europa ist Weniges und nichts Vollständiges über die \ Geschichte der Kara'tten zur Publizität gekommen, und auch j bei ihnen selber existirt noch keine Geschichte der Secte. Die ] Quellen, aus denen man eine solche schöpfen könnte, sind, wie ihre Väter einst selber, km Oriente zerstreut. Viele interessante | alte Bücher befinden sich bei den karartischen Familien in Odessa, in der Krim/und in Konstantinopel. Die Hauprsammlung aber ist in Jerusalem, wo in den Händen der dortigen Karaiten 17 große und kostbare Folianten historischer Schriften und Urkunden in arabischer Sprache vorhanden sind. Manche setzen den Beginn der Lossagung der Karaiten von den übrigen Juden in das erste Jahrhundert vor Christi Geburt, wo auch schon die talmudischen Auslegungen und Schriften beginnen -). Doch ist dabei wohl auf keinen Fall an den Beginn einer Ausbildung ihres jetzigen Zustandes und Namens zu denken, so wahrscheinlich und natürlich es auch übrigens ist, daß alsbald mit dem Auftreten talmudischer Zusätze sich auch Widersprüche und Protestationen geltend machten. .4 2) Schon in der Mischna, dem Grundtexte des Talmud, findet sich der Name „Karann" als Bezeichnung einer streng an der Schrift haltenden Partei. (Fortsetzung folgt.) Das semitische Wort „Kura" bedeutet so viel als ,,in der Schrift lesen." Davon ist das Wort „karai“ (Karat t), fo viel als „schristgetreu," gebildet, von welchem Singular wiederum „karai'm“ (Karaiten) lautet >). Und so nennen sich die Juden, welche die im Talmud enthaltenen Zusätze zu den kanoninischen Büchern und Schriften der mosaischen Religion verwerfen und alle ihre religiösen und moralischen Lehrsätze und Vorschriften allein und ausschließlich aus dem Gesetze Moses schöpfen. „Wir sind," sagte mir der gelehrte Rabbi Ussuff in der Synagoge von Dschuffut-K a l e, wo er mir und einigen anderen Reisenden die Aeußerlichkeiten ihres Gottesdienstes zeigte, „wir stad Dasselbe, was die Protestanten, die auch den Codex des kanonischen römischen Rechts nicht anerkennen, in der Christenheit, Dasselbe, was die Schiiten, die gegen die Sunna protestiren, unter den Mohamedanern, und unsere Geschichte bietet dieselbe Erscheinung, die sich am Ende in der Geschichte jeder Religion offenbart. Die ersten schönen und reinen Lehren des Religionsstifters umgeben und verderben Eigennutz, Herrschsucht und Deutelei mit einer Menge von Auslegungen und Zusätzen. Die meisten folgen dem weiterschreitenden und revolutionirenden Strome der Zeit. Nur wenige Feste, Treue und Redliche wagen es, im Namen des Religionsstifters das Banner zu erheben und gegen die Aenderung zu protestiren. Beide Parteien, die Protestirenden und die 1) Die heilige Schrift der Mohamedaner, der „Koran," hat von derselben demitischen Wurzel ihren Namen. Verlag von C. L. Frrtzsche. Personalchronik nnd Miseellen. Wie erfreulich sich die Oeffentlichkeit auch im Judmthumc zeigt und wie das Streben der Zeit, das Volk über seine Interessen zu belehren, allerwärts auch unter uns Anklang findet daran zeigen nicht allein die immermeyr um sich greifenden Anstellungen von Predigern, sondern es beweißt dies auch die lobenswerte Nachahmung der unter den Christen seit einigen Jahren entstandenen Sitte, populäre Vorlesungen für das Volk zu halten. Bereits haben wir in einem Artikel aus Prag von dergleichen Vorträgen gemeldet, die Napoport hält, und jetzt können wir ein ähnliches von Dr. Frankfurter in Hamburg erzählen, der im Logensaale aus der Drehbahn öffentliche Vor, Lesungen (gratis) über Roligion halt. — Das Nähere findet der Leser in A. Iud. Z. 1840. S. 696. ff. — * . * Die Zahl -er jüdischen Einwohner Rußlands beläuft sich nach officiellen Berichten, Polen ausgeschlossen, 1839 auf 1,080,224 Seelen. * * * In Folge eines in dem Haag von der obersten Commission für israelitische Angelegenheiten im Plenum gefaßter Beschluß ist am 26. Dec. in allen holländischen Synagogen ein feierlicher Dank und herzlicher Seegen für die HH. Montefiore und Cremieux ausgesprochen worden. Auch sollen sammtliche jüdische Gemeinden zum ewigen Angedenken diesen Segenswunsch in ihre Register ein tragen. Im Jahre 1840 wurden in Frankfurt a. M. 323 Paare getraut, wovon 31 jener Paare der israelitischen Gemeinde angehörte. — In Hamburg waren unter 4685 Geburten des Jahres 1840: 235 von israel. Eltern und unter 4866 Verstorbenen 206 Israeliten. < Druck von Z. H. Magel.

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