Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1841)
- Article
- Sind jüdische Schulanstalten Bedürfnis, ...
- Date
- 1841-01-16
- Page
- Seite 23 (sequence 2)
- Language
- German
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gegensetzen. In höhern Lehranstalten, die nur von erwachsenem Kindern besucht werden, mag sich das ausgleichen. Hier können die jüdischen Schüler wohl die Versäumniß des Schulbesuches an Sabbaten und Festtagen durch Privatfleiß ersetzen; auch darf, in einer solchen Anstalt zu ihren Gunsten^ eine Ausnahme gemacht werden. Nicht so in einer Elementarschule. Sie darf dem jüdischen Schüler sowohl um seiner selbst als um der Schuldisciplin willen, die doppelten Ferien an jüdischen und christlichen Festtagen nicht gestatten. Der jüdische Schüler muß also nachgeben. Er muß am Sabbat wie am Wochentage die Schule besuchen, zufrieden, wenn er nur nicht in der Schule zur. Entweihung desselben durch Arbeit verleitet wird. Er kann nicht Theil nehmen am Gottesdienste; seine Ruh- und Festtage erheben nicht seinen Geist, laben nicht seinen Körper; sie gehen spur- und freudenlos an ihm vorüber. Wahrend aber dem Kinde die seinem Gemüthe freudigsten, wohlthuendsten, religiösen Momente verleidet werden, wahrend es, seine heiligen Feste profanirend, sein inneres Selbst aufgiebt, wird ihm dafür der Ersatz, die christlichen Feiertage desto gewissenhafter zu feiern. Muß auf diese Weise das Kind nicht seine Religion, die es so lange hintangesetzt, endlich verachten lernen? Muß es nicht endlich seine Religion, deren Freuden es nicht gelabt, deren. Beschränkungen es aber genirt haben, für ein notwendiges Uebel ansehen? Aber eben eine beklagenswerthe, kriechende Toleranz Vieler, die, nicht zufrieden, das Fremde zu achten, einen Ruhm darin setzen, ihr Heiligstes mit Gleichgültigkeit aufzugeben, ist Ursache; daß solche Mißverhältnisse stattsinden und noch stattfinden. Ein gründlicher und wirksamer Religionsunterricht ist also nur von einer jüdischen Elementarschule, deren ganze Einrichtung dem oben bezeichnten Zwecke entspricht, zu erwarten. Die Nothwendigkeit einer solchen Anstalt ist daher nicht zu bezweifeln, *) — Wie aber eine solche beschaffen sein müsse, geht aus dem Bedürfnis das sie befriedigen soll, hervor. Der Wunsch-, daß der gleiche Schritt unserer Jugend mit der christlichen in wissenschaftlicher Hinsicht ohne Beeinträchtigung der Erkenntmß ihrer Religion und ihres Eifers für dieselbe geschehe, erheischt eine solche; die jüdische Bürgerschule soll sich daher begnügen, den Kindern die im bürgerlichen Leben nöthigen Kenntnisse und Fertigkeiten als die Landessprache, Rechnen, Schreiben rc. und von den wissenschaftlichen Gegenständen als Geographie, Geschichte, Physik, Naturgeschichte, so viel übersichtlich beizubringen, daß ihr Sinn frühzeitig für die Wissenschaft geweckt, die etwa in ihnen schlummerde Fähigkeit geübt, und die Neigung dazu zum Bewußtsein gebracht werde. Unzweckmäßigkeit wäre es aber, den Unterricht immer mehr zu erweitern und höher zu spannen. Denn eine Elementarschule soll, unbekümmert um den besondern künftigen Beruf der einzelnen Zöglinge, die Schüler in besondern Fachern nicht sowohl speciell unterrichten, als für den Unterricht in derselben empfänglich machen. Dagegen wird die jüdische Schule besonders und mit großer Sorgfalt auf den gründlichen Religionsunterricht achten müssen. Es ist wohl begreiflich, daß dazu etwas mehr Zeit erforderlich ist, als in christlichen Ele- 1) Nach Abfassung dieses Aufsatzes fand ich zu meiner Freude die meisten Punkte in der trefflichen und beherzigenswerthen Schrift eines unserer bewährtesten und gelehrten Schulmänner ,,Die Israelitische Schule" von Dr. M. Büd ing er bestätigt und ausführlicher behandelt, auf welche, ich daher verweise. .2) Denn sie soll nicht besondere Stände, sonders sittliche Menschen und tüchtige Bürger.bilden. mentarschulen; aber der Zeitaufwand wird bei weiser Oeconomie des Ganzen nur unbedeutend und bei weitem nicht so groß für die Schüler sein, als eine neben einer christlichen Schule zu besuchende besondere Religionsanstalt erfordern würde. Um diese Ansicht deutlicher ins Licht zu setzen, mag hiev die Beschreibung einer jüdischen Schulanstalt folgen, die, ganz in obigem Sinne eingerichtet, seit ihrem kurzen Bestände schon sehr erfreuliche Folgen zeigt, und sich' vieler Anerkennung , die sich in mehrern geachteten Zeitschriften ausgesprochen hat, erfreut. Ich meine die Schulanstalt für Israeliten in Dresden. Sie trat im Jahve 1836 durch die Bemühung des um seine Gemeinde höchst verdienten Oberrabbinen Dr. Z. Frankel ins Leben, und wird seit dem von demselben mit der größten Sorgfalt und Liebe überwacht und geleitet. Dieser würdige Geistliche halt es nicht, wie mancher Andere, seiner unwerth, sich des Gedeihens der zarten Jugend anzunehmen. Seine Anordnung, so wie sein fleißiger Besuch der Schule erhalten dieselbe in immer regen, lebendigen Streben. Die Schule ^zahlt 50 — 60 thekts bemittelte, theils unbemittelte Schüler und Schülerinnen (genug in einer Gemeinde von kaum 115 Familien) Erstere zahlen ein Schulgeld von mindestens 16 Gr. monatlich, letztere werden unentgeldlich unterrichtet. Diese Schüler sind m drei Klassen getheilt, denen vier Lehrer und eine Lehrerin zu weiblichen Arbeiten vorstehen. Die Schulkosten werden, da das Schulgeld der Bemittelten kaum die Hälfte der Ausgaben deckt, aus der Gemeinde - Kasse bestritten, und trotz des dürftigen Bestandes derselben und mancherlei bedeutendere Ausgaben, die sie in Anspruch nehmen, mochte der wackere Vorstand, an deren Spitze der um seine Gemeinde vielfach verdiente Dr. B. Beer, einer so heilsamen Anstalt seine Unterstützung nicht versagen. Freilich ist die Schule in pecumarer Hinsicht noch keineswegs sicher gestellt; wir hoffen jedoch, daß der Vorstand das sehnlichst erwartete Reglement der Finanzen, wodurch allein dies möglich wird, bald ins Werk setzen werde. Die Gegenstände des Schulunterrichts sind folgende: In der dritten Klaffe: Biblische Geschichte. Uebersetzung des Pentateuchs und der Gebete für die Vorgerückter!:, hebr. und deutsch buchstabiren und Lesen, worin es'die Kleinen in kurzer Zeit zu einer ziemlichen Fertigkeit bringen, rechnen, Denkübungen, hebr. und > deutsch schreiben. In der zweiten Klasse: Religion mit Benutzung dev Erzählungen, Sprüche, Lehren im Talmud, Midrasch, Pirke Abot rc., biblische Geschichte, Pentateuch und die ersten Propheten in der Ursprache (für die Knaben), Gebetübersetzung. Hebr. Grammatik. Deutsche Sprachlehre und Orthographie. Deutsche Lese- und Sprech-Anleitung zu stylistischen Uebungen. Rechnen. Vaterländische und allgemeine Geographie, Denkübungen. Schreiben. In der ersten Klaffe: Religion, wobei die Knaben die betreffenden Stellen aus d. heil. Schrift, Talmud und Pirke Abot hebräisch lernen. Pentateuch, die ersten Propheten, Psalm Übersetzung mit besonderer Rücksicht auf Grammatik und Etymologie. Schulchan Aruch und Raschi Kommentar zum Pentateuch - mit Auswahl. Geschichte der Juden, bibl. Geographie. — Deutsche Sprachlehre, stylistische und Sprechübungen. Alle üblichen Rechnungsarten, wobei stets der Geist in freiet: Thatigkeit erhalten und dem Mechanismus vorgebeugt wird. Physik, Natur- und Weltgeschichte, allgemeine und specielle Geographie mit möglichster Anwendung der Heuristischm Methode in Bezug auf Produkte und Beschaffenheit des Landes soweit diese aus der Lage des Landes zu errathen sind, und sieter Beschäftigung der Phantasie der Kinder, Schreiben. —