Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1841)
- Article
- London: Zustand der jüdischen Literatur daselbst
- Date
- 1841-01-16
- Page
- Seite 20 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360147-2360151-2364618--1348-2364645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 1840 Price Sixpence. 3$ habe es für passender gehalten, ' die angehängten zwei Briefe voranzuschicken, und erlaube mir einige aufklärende Notizen zu diesem Aktenstücke, welches in Ihrer ,äußerst zweckmäßigen Übersicht jener Angelegenheit in den „Licht- und Schattenbildern rc." gewiß einen Platz verdient. Die Umstände die dasselbe hervorriefen und in einem Schreiben vom 3. Nov.^) bereits erwähnt worden, sind folgende. Obwohl die Blutanklage im Allgemeinen und insbesondere unter den Missionären die höchste Entrüstung hervorrief, so fehlte es doch auch da nicht an Einzelnen, welche über die angeblich aufgedeckte Blöße des Judenthums einen Triumphgesang anstimmten. Es ist wohl zu beachten, daß die torystische oppositionelle Times ihre Spalten gern zu diesen Philippiken hergab, und somit hier das natürliche Widerspiel der französischen Verhältnisse unter Thiers stattfand. Damit verträgt es sich sehr wohl, wie dieselbe Times vom 26. August (Orient Nr. 38) sich über diesen Gegenstand aussprach um die beliebte „Restoratiou" einzuleiten, und das bekannte Memorandum des Hrn. Ines aus seinen Memorials of Gods ancient people* 5) mittheilen, dessen Inhalt wir anderswo berühren werden. So schrieb denn auch nun Hr. T. T. C. v. Oxford in diesem Sinne am 20. Oktbr., ward von Dr. Van Oven etwas seicht widerlegt. Sein zweites vom 27. wurde zuerst am 29. vom Fleischhacker Dyas und einem Anonymus nicht ohne Persönlichkeiten zurückgewiesen, so daß es diesem leicht geworden wäre, sich zum dritten Male zu erheben. Und wirklich schien derselbe noch nicht ermüdet zu sein. Allein am 4. November war vor dem Leading Article der Times unter Rubrik: ,3To Correspondents“ zu lesen: „Es sind Umstände eingetreten, welche den Aufsatz des H. T. I. C. zur Einrückung ungeeignet (unexpedient) machen". Diese Umstände bestehen aber in nichts Andern als in einer ausführlichen schlagenden Widerlegung eines gelehrten Anonymus 6) welche die Times vom 5. Nov. mit der Bemerkung begleitete, daß nunmehr die Akten über diesen Gegenstand geschlossen seien, und kein Wort riiehr darüber ausgenommen werde. Das-Interessanteste an dieser Erwiederung ist, daß darin von Reform des Judenthums gesprochen wird. — Die Redaktion der Times, welche jene Entgegnungen nicht ganz abweisen konnte, ohne ihre Ge- U 4) s. Orient Nr. 48. 5) vgl. Orient Nr. 42 S. 321. 6) Es ist uns aus zuverläßkger Quelle Herr Theodorus (ein guter Hebräer und Mitarbeiter der Hebriew Review unter Chiffre T. T. der jetzt mit einer Christin verheurathet zu Manchester lebt) als Verfasser einer gründlichen : Entgegnung in der Times genannt worden. Wir haben aber eben so sehr Grund zu vermuthen, daß es nicht zum letztenmale sei. sinnung zu verrathen, anderseits aber auch bedroht ward, dieselben in ihrer Antagonistin dem Morning Chronicle geschärft zu sehen, wohl auch die Einrückung bezahlen ließ, rettete ihren Schützling dergestalt vor der gänzlichen Niederlage desselben durch die unerwartete Weise sich erhebenden gründlichen Vertheidiger des geschmähten Judenthums. Der radicale Adversitor (vom 6. November) hat diese Intoleranz hinlänglich gegeißelt. Unser Autor aber Hr. Rap hall hat e6 nicht gescheut, die genannte Brochüre, wie die früheren seiner Schriften, auf eigene Unkosten herauszugeben, und der zurückgesetzten Parthei eine vollständige Entschädigung zu gewähren. Möchten doch die englischen Juden diese aufopfernde Thatig- .keit würdigen und auf passende Weise anerkennen lernen.— Seit einigen Wochen wird in der „Neuschule" mit Chor gebetet, für englische Juden ein zu bedeutendes Ereigniß, Os daß man w bavciuf anwenden könnte. Allerdings ist aber mit einer würdigen Ordnung im Cultus an sich schon manchem schändlichen Mißbrauche entgegeugewirkt, der aus dem Stammland unsrer osteuropäischen Brüder nach England verpflanzt zu fein scheint. Die erwartete Wirksamkeit des Reformvereins scheint durch die bedeutungsvollen Ereignisse dieses scheidenden Jahres auf das herannahende verschoben-zu sein, dessen Anfang auch hoffentlich den rückkehrenden Sir Moses Montefiore uns zufühct. Deutschland. Frankfurt a. O. So lange noch die Vermuthung mich umgarnte und der Wahn mich fesselte, ein Anderer und Würdigerer würde sein Schwert zum heiligen Kampfe ziehen um die Verrather in Israel anzugreifen, und die Gottlosen mit Gottes Hülfe nieder zu machen, konnte und durste ichs nicht wagen hervorzutreten und die Feinde hervorzurufen. Doch jetzt, während so manche Woche vom Rade der Zeit herabgerollt, und das Unrecht und die Schändlichkeit dieser Gottesfeinde dem geißelnden Worte nicht preisgegeben ist, schwillt meine Brust vor Kampfes Lust, meine geringe Kraft wird zu eines Heeres Macht, und ich künde diesen Feinden im Namen aller Bessergesinnten den Krieg an mit der Loosung: „für Licht und Recht." — Es war in der verflossenen Messe, als ein homo novus, ober ignotus, ein gewisser Borhart aus Berlin, ausgerüstet mit einem Empfehlungsschreiben des Commerzienrathes W...... B..r, sich erfrechte, hier als Rabhinats-Candidat großsprechend und prahlend l aufzutreten, und raisonnirend gegen alle Gelehrte unserer j Zeit, als wäre er die einzige hervorragende Zeder auf! dem Berge Libanon, und mit gemeinen Ausdrücken her- [ untersetzend alle Jüdischen Zeitungen und Zeitschriften, \ als wäre er der einzig würdige Mann, ein öffentliches t Organ redigirm zu können, erlangte er endlich durch f