Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1841)
- Article
- London: Zustand der jüdischen Literatur daselbst
- Date
- 1841-01-16
- Page
- Seite 19 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2360092-2360147-2360151-2364618--1347-2364644- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
19 dürfniß? Beinahe weniger als Nichts' Vielleicht in keinem Lande der Welt lernt der Jude weniger die innern Seiten des Judenthums kennen als hier. Selbst das „englisch" zu nennende Beharren an den hergebrachten äußern Formen bedarf zu dem wirklich hohen Grade von Jntesi'tät nur eines bewußtlos gegebenen, mechanisch nachgeahmten Beispiels. Die innern (?) Momente der Erziehung sind im Allgemeinen Geiz, Eigennutz und Ignoranz, Seitens der Eltern wie der Lehrer, Gold und Silber sind hier immer Gegenstand der Abgötterei. <Sie werden im Standard gelesen haben, daß am Versöhnungstage die Abwesenheit der meisten und bedeutendsten Geschäftsmänner an der Börse empfindlich geworden. Man muß sich aber wohl hüten, aus der äußern Beobachtung dieses einen Tages einen voreiligen Schluß auf die wahre Frömmigkeit der Londoner Juden zu machen. Wir könnten schon dieß dagegen bemerken, HM Pief.e sogenannte Großen (Vanqieurs) ihre Geschäfte aw Sabbat nicht unttrbrechm, und sich damit hinlänglich als Reformer zu maniftstiren glauben. Aber wir können etwas näher stehen bleiben, und eine Thatsache für uns sprechen lasten. An demselben Versöhnungstage vercmlaßten einige deutsche Juden in der Synagoge Fry-- School Tätlichkeiten, welche nur mit ihrer Entfernung durch die Polizei endigten. Man würdige hiernach dm Vorwurf, der sich so gern und gewöhnlich gegen die polnisch-englischen Juden ausschließlich erhebt. Wie muß es aber mit den Einwohnern aussehen, „wo der Fremde sich anmaßt zu richten und zu streiten"?! Wir können hierbei die Bemerkung nicht unterdrücken, daß unsre hiesigen Glaubensgenossen zwar im Allgemeinen so wenig social sind, als die Engländer überhaupt. Allein es gehört viel dazu, daß der Jude sich dieser Untugend schuldig mache. Dieses und die hier allein herrscheNde Freiheit in Anschlag gebracht, begreife man leicht, wie auch die durch den Druck andrer Lander hervorgerufenm Bestrebungen hier weder Nachahmung noch Anklang finden. Ich berufe mich hierbei auf die treffende Be- -merkungO'Connel's.in der bekannten Versammlung des Antistavery-Vereins, Alles dies spiegelt sich in dem Anstande d. h. in dev Dürftigkeit der Hiesigen jüdischen Literatur. Wahrend man in Deutschland bereits über das 131 pHBD HWj; zu klagen beginnt, können wir von hier zu unftrm Bedauern nur das Entgegengesetzte berichten. .Es ist hier nicht schwer als Gelehrter zu gelten. Man übersetzt Stücke aus altern hebräischen Schriften mit modernem Anstriche und läßt sie für eigenes Produkt gelten. Denn es finden sich sehr wenige, die Original und Uebersetzung zugleich lesen und verstehn. Vergebens habe ich mich bemüht, Ihrer wiederholten Aufforderung zur Einsendung literarischer Novitäten zu entsprechen. Wir haben hier -nur. äußerst Mntze .gelehrte Notabilitätm, nämlich diejenigen Namen, welche bereits meine bisherigen -Berichte gieren, und unter .diesen Her fruchtbarste ist Hr. RaphcrlU Ich werde Ihnen heute über drei Brochüren berichten, deren eine ganz, die andern zum Theil von demselben verfaßt find. Ztber erwägen wir auch, wie wenig Impuls und ErmmM-ung, der jüdische Gelehrte'hier zu Lande findet, so müssen wir mit Verwunderung urch mit Dank die Thatigkeit dieser Wenigen anerkennen, und den kleinern Umfang der gelehrten Thatigkeit überhaupt begreifen. Die politischen Verhältnisse setzen, wie erwähnt, die englische Judenschaft nicht in Bewegung, also' bedürfen sie auch keiner wissenschaftlichen Vertretung von dieser Seite. Cultus und Schute find erst ins Leben zu rufen. Die eigentliche Wissenschaft des Judenthums hat nicht weniger innere als äußere Feinde. Also sind es nur eben größttntheils noch letztere, die den fühlenden und selbstbewußten Gelehrten zu schaffen machen. Wie ich bereits bemerkt, sind die Missionare unermüdlich, das Judenthum auf alle mögliche Weise zu bekämpfen, und wir möchten beinahe behaupten, daß die geringen Regungen, welche man jetzt zu verspüren beginnt, allein durch jene herbeigeführt ivorden. Allein ich habe bereits meine Absicht ausgesprochen, das Thema besonders zu besprechen, und breche darum hier ab um zu meinen Novitäten überzugehen, Heren Eine einen neuen Beleg für meine Behauptung enthält. i) mp Tannin bi ppb hn Mw j inp mw vvz Form of Thauksgiving on the Accoueheme»! ofHer Maj. the Queen and the happy Curths of a Princess Royal Deliyered at all the Synagogues thronghout Great britain on Sabbath the 3d Day of Uisiew A.M.5Ö0JL Lond. prinfc, by 1. Wertheinier & Go. Dasselbe enthalt zur Einleitung eine (Praper) hebräisch und englisch. Der ungenannte Hr. Verfasser (Raphall) schreibt ein fließendes besonders reinbiblisches Hebräisch. Dann folgen Pf. 21, 72. 150 und Eine Peurlheilung der Mglischen Uebersetzung wäre wohl hier am Unrechten Orte. 2) Extravts Rom I^elterL etc«. rvoei^ed from Sir Nos. Apn° tefiore F» E, S. printed by the direetion of the ssLondon Committee of Deputies of the Rkrlish jewsu 5601 — 1830. London bei Ebmd. — Diese Briese u. ft w. sind vom ßomits hier gratis vertheilt worden, um den Theilnehmenden die erfteulichen Nachrichten aus authentische Weift zukommen zu lassen. Sie haben diese Aktenstücke gewiß aus den Tageblättern abgedruckt. 3) Sende ich Ihnen eine vollständige Ueberfttzung der Brochüre, deren vollständiger Titel: dudaism Defended against the Attaoks of T. T. Cof Oxford. A Reply to ’fcwo lefcties on the Damascus Question in „The- Times“ Neivspapier of the roth ano 27th Öctober 1840 by Morris J. Rap hall Ed, of the „Hebr. Review46 etc, Load* publ. by the Author Nr» IT* Millman Street ßedford Row) and may by had of all Booksellers 3"