Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 2 (9.1.1841)
- Article
- Die aramäische Grammatik Marpe Leschon Arami ... [Rezension]
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Spalte 23-24 (sequence 4)
- Language
- German
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23 Lit. Uebersrchten: Blüche r 's aram. Grammatik. Ein Vortrag von Dr. Zunz. 24 hier zue Pflicht gemacht ist, veranlaßt wurden, bloße Andeutungen für genügend zu halten.' — Auch die sonstige Benutzung fremder Forschungen liefert nicht die zu erwartenden Resultate, da sie nur fragmentarisch, und oft um Jahrhunderte zurück ist» * ■ Was das besprochene Buch an sich betrifft, so verrath es durchweg ein fleißiges Studium und eine sorgfältige Benutzung der primären Quellen, weniger ein Durchdrungen und Sichbemächtigen des Stoffes. Daher fast immer nur die Erscheinungen neben einander gestellt, ohne das Gemeinschaftliche, das Wesentliche, das Prinzip herauszuholen; daher das Widerholen derselben Erscheinung und das Verlorengehen der vollen, übersichtlichen Anschauung; daher^ endlich die höchst befremdlichen Widersprüche, deren wir mehre und mit voller Scharfe , herauszuheben uns genöthigt sahen.8) Trotz allem dem ist die Arbeit des Herrn Blücher keine überflüssige, und bietet einem ferneren Bearbeiter manche treffliche Bemerkung, die wir leider nicht alle beleuchten konnten; sie erregt endlich die Hoffnung, daß des Vers, fernere Arbeiten in diesem Zweige, wenn deren erscheinen sollten (wie manche Andeutung vecmuthen laßt), immer mehr jener Gestalt sich näheren lwerden, die allein der wahren Wissenschaft würdig ist. Zu den Druckfehlem, von denen das Buch leider verunstaltet wird (durch Entfernung des Vers. vom Druckort) fügen wir noch folgende, von denen manche leicht für grammatische Ungenaulgkeiten angesehen werden könnten. (S. 27 und 88) f. 2W (S. 4L) für an:, '.7|Tn? (6. 117) fuc^TIttV (@.55) für 21K (S. 85) für 23« piEOT/ (S. 87) für pari/ (©. 95) für vlvw. Der Wechsels von und sW u« s. w. ist schon gedacht worden. David Cassel. 3) Vortrag zur Feier der Huldigung Sr. M a j. des Königs Friedrich Wilhelm IV., gehalten anr Hüttenfeste des Jahres 5601 (18. Oct. 1840.) in der Gemeinde-Synagoge zu Berlin von Dr. Zunz. Berlin: Verlag von Veit und Comp. 1840. Die hier angezeigte Predigt ^beansprucht ein dreifaches Interesse, erstlich rückst'chtlich der Feier, die sie hervorgerufen, rücksi'chtlich des Stoffes, den sie behandelt, rücksichtlich des Mannes, von dem sie herrührt. Es ist 8) Diese Widersprüche versuchten wir anfangs dadurch zu lösen, das der erste Lheil vielleicht später geschrieben sei, als der zweite. Denn darauf deuten mehre Erscheinungen hin, deren Auseinandersetzung nicht hierher gehört; vielleicht auch der Lite! des 1. Lheil selber (Jes. 46, 10). Indeß wäre das jedenfalls nur eine Lösung, die auch nicht alle Widersprüche umfaßte, und also keine Entschuldigung. das erste Mal, wo die Juden Preußens an einer so wichtigen Feier, wie die Huldigungsfeier ist, wehr als leidenden Antheil genommen haben; das erste Mat, wo diese Feier unter ihnen einen staatsbürgerlichen Charakter angenommen, das erste Mal, wo Predigten diesen feierlichen Akt verherrlicht, wir möchten sagen zum Bewußtsein gebracht haben. Der Stoff der vorliegenden Rede ist so abweichend von dem gewöhnlichen Tone solcher Festreden, daß schon dadurch unsre Erwartung ungemein gespannt, unsre Wißbegier erregt wird, und ziehen wir noch in Betracht, daß diese Worte aus dem Herzen eines ächten Juden, eines gediegenen Gelehrten, eines umsichtigen Mannes kommen, der seine Zeit erfaßt hat, so gewinnt Form, Stoff und Gehalt für uns noch mehr an Bedeutung. Die Rede nimmt Jes. 42, L. 3. zum Grunde ihrer Betrachtungen: „Siehe da, mein Knecht, den ich halte, mein Erkorner, an dem meine Seele Gefallen hat. Meinen Geist lege ich auf ihn, daß er Recht verkündigt den Völkern, nach Wahrheit verkündigt ec das Recht." In Begeistcung wendet der Redner die Schilderung des Propheten auf den Herrscher Preußens an, welcher so eben unter großen Hoffnungen und Erwartungen dm Thron seiner Väter bestieg, und entwickelt daraus als Hauptgedanken die richtigen Fragen; Was sollen wir von dem begeisterten Monarchen erwarten, was werden wir erlangen, was müssen wir geben? Der weise Hillel leitet ihn bei Beantwortung derselben durch seinen Spruch: Wenn ich nicht für mich, wer für mich? Und wenn ich nur für mich, was bin ich? Und wenn nicht jetzt, wenn dann? Aus jenen obigen drei Fragen nun entwickelt der Redner im Sinne der drei letzten seine großen Gedanken über diesen hochwichtigen Akt, und wir müssen es sagen, gewiß zur Ueberraschung mancher seiner zahlreichen Hörer, vielleicht mit Beleidigung ihres hier und dort verhätschelten Gefühls, mit Kränkung ihres selbstischen Wohlgefallens. Wir müssen es gestehen, daß durch die allerdings höchst gerechten Ansprüche, mit welchen sich das Judenthum in neuerer Zeit geltend gemacht hat, in vielen jüdischen Herzen der Gedanke genährt worden sein mag, als haben sie weniger zu geben, als wie zu fordern, als sei es blos die anderseitige Pflicht, tausendjähriges Unrecht wieder gut zu machen, während sie, die Hände im Schooße, nur genießen dürften» Diesem egoistischen Zuge, der überhaupt unsre Zeit charaktensirt, tritt der Redner entschieden entgegen, und wenn es überhaupt gesagt werden muß, so war die heilige Stätte, wo die Herzen vor Gott, dem ewigen, erschlossen werden sollen, gewiß der geeignete Ort, dies mit Nachdruck und Erfolg zu thun. Darum weist der Redner im ersten Theile (was wir erwarten:) auf das eigne Herz zurück, warnt vor der Selbstsucht, die von dem neuen Herrscher und der neuen Epoche unbegrenztes erwartet, und mahnt, da-