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Der Orient · 1841-01-02 · 1 (2.1.1841) · p. Spalte 13-14

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
1 (2.1.1841)
Article
Die natürliche Auslegung der biblischen Erzählungen
Date
1841-01-02
Page
Spalte 13-14 (sequence 2)
Language
German
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13 14 Die natürliche Auslegung Wissens, das man mit Hülfe der neuausblühenden methodischen Wissenschaft aus derselben errang und gewann, immer in einem höchst verdächtigen Bilde, das man womöglich zu entehren unb herabzuwürdigen habe. Dieselben Momente ferner, die auf das Bild der Bibel damaliger Zeit influirten, übten auch einen gleichartigen, demselben homogenen, aber eigenthümlichen Einfluß ans die Intelligenz des Geistes damaliger Zeit aus. Auch dieser bildete sich nach denselben Verhältnissen und Umständen, und erlangte eine der Bibel verwandte Gestaltung. Befreit von den mittelalterlichen Bauden des kirchlichen Glaubens gefiel sich der menschliche Geist in der Entwürdigung und Entehrung des Herkömmlichen und Ueberlieferten. Er hatte neue Kenntnisse, neues Wissen ja den verschiedensten Gebieten sich errungen, und hoffte auf noch größeren Erwerb. Im Bewußtsein seiner Kraft, in der Selbstüberraschung über seine Fülle, erhob er sich kühn und ließ seinen UehermuLh die alte Beschränktheit fühlen, indem er sie mit seinem Spotte geißelte und in falschen Bildern karrikkrte. Da wurde gegen das Heilige losgestürmt, und mit einer wahren Berserkerwuth gegen alles Erhabene und Erhebende getobt. Der gelehrte Sansculottismus saß zu Gerichte über die anmaßende Gewalt der in beiden Testamenten vererbten Heiligkeit, und die nackte Göttin einer ästhetischen Schönheit spottete leichtfertig über die fromme alte Einfalt. Die Vernunft regierte in einem wahren Terrorismus, und der Verstand lies alles seine vernichtende auflösende Kraft fühlen. Die Kritik, die Todfeindin alles Positiven, wurde als die executive Gewalt constituirt; sie wurde in der steten Beschäftigung Regentln und gelangte zu einer unendlichen Gewalt. Jedes Haupt, das über die Menge hervorragte, wurde von diesen Gleichmachern abgehauen. Nichts fand Gnade, das ausgezeichnet war, und alles, das da bestehen wollte, mußte zu den Grundsätzen des kalten, herzlosen Verstandes schwören und sich zu demselben bekennen. Was den Forderungen des Verstandes nicht entsprach, d. h. Las nicht materiell nützlich war, wurde, wenn-es sich nicht vergessen machen konnte, mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Die biblischen Heroen mußten froh sein, bei diesem Blutbad, unter dem Namen eines gewöhnlichen Bürgers, oder an dem Pranger unter schlauen Betrügern, in dem geschichtlichen Andenken der Menschen ihr Leben fristen zu können, in nackter Armuth, beraubt jeden Glanzes und jeden Schmuckes, sich zu erhalten. Wenn sie sich nicht fügen wollten, wurde ihnen frech ihr Dasein ins Gesicht geleugnet, und sie mußten dann wie ein ftygischer Schatten dayinschwinden. Die Wunder aber, die durch das Auffallende als solche sich behaupten, und erst durch die gewöhnliche Opposition gegen den Verstand oder das verständige Bewußtsein wayrhast wunderbar würden, mußten natürlich sich metamorphisiren, wenn die Thatsache gerettet werden sollte, und in einem Alltagskleid erscheinen. Auf ihren alten Namen wurde ihnen die Existenz verweigert. Der men Mische Geist hatte zwar an Intelligenz gewonnen, in den Elementarstudien war er bedeutend vorgeschritten, aber sein Forschungstalent war der biblischen Erzählungen. ein sehr beschränktes und einseitiges; er bildete aus Opposition gegen das Überlieferte falsche lirthekle. Es erschloß sich durch die neuen Studien ihm eine bis jetzt unbekannte Welt, aber er wollte nur Neues sehen, und hatte keinen Sinn für das Alte. In solcher Richtung des Geistes mußte natürlich die Auslegung der Bibel nach ihrer damaligen Erscheinung eineganz eigenthümliche werden. Der menschliche Geist war, wie wir gesehen, nichts weniger als frei; trotz seiner aufschneiderischen Prahlereien von Vorurtheilslosjgkeit und freier Unabhängigkeit und Selbstständigkeit stand er, m\ proverbialiter zu reden, in fremden Diensten; und zwar nicht blos dadurch, daß er sich opponirte, und gerade den oppositionellen Einfluß des Schmollens empfand und zur Schau tragen mußte, sondern sogar ein direktes unmittelbares Regiment übte die Bibel ganz in ihrer alten Manier auf den Verstand. Wir haben kein Kriterium dafür, ob es realiter in der absoluten Gestalt, wenn man eine supponirte, sich wirklich also verhalte, oder ob es nur uns, die wir in dieser Weise einmal erzogen und gebildet sind, so erscheine; gleichviel, der Einfluß ist nicht zu bestreiten, und wir können ihn nicht verleugnen. Die Bibel prätendirt durch die Naivität der Sprache, durch die Accomodation an ihren Jdeengang, an den wir von Kindesbeinen an gewöhnt sind, einen Glauben an die Wahrheit ihrer Darstellung. Selbst vom wissenschaftlichen Standpunkt, den wir hier einnehmen, können wir diese nicht bestreiten, wenngleich wir uns in unserm negativen Streben ein positives Kriterium anzugeben doch nicht erkühnen. Die Wahrheit der Thatsachen, die sich theils in der Bibel, theils in den Verhältnissen ausfpricht, macht sich denk menschlichen Geist gegenüber geltend und fordert Anerkennung, und zwar in Folge der Art und Weise ihrer Darstellung oder ihres permanenten Einflusses aus die Bildung des menschlichen Geistes. Aber der Inhalt der Bibel, wie er sich durch die neuen Elementarstudien erschloß, das Bild, in dem sich derselbe mcmifestirte, die expositionelle Richtung der Grmidansicht über denselben, die vorweg jedes Wunderbare und Auffällige negirte, stand in direktem Widerspruch mit der prätmdirten und wohl auch gebührlichen Glaubwürdigkeit dieser Darstellung. Dieser Widerspruch mußte gelöst werden. Was die Bibel erzählt, scheint treu nach der Wahrheit berichtet, und ist doch nicht glaubwürdig, ja darf nicht geglaubt werden! Wie ist dieses zu, lofen? Auf die natürlichste Weise! Wenn ein glaubwürdiger Mann mir aufs Gewissen Etwas erzählt, das ich doch nicht glauben kann, so muß ich ihn selbst getäuscht und betrogen nennen. Wenn ich aus innern Gründen Etwas anerkennen muß, das nicht anerkannt werden kann, so muß ich äußere Gründe substituiren, die die Anerkennung verdächtigen. Das paßte damals ja für die Bibel ganz vortrefflich! Man betrachtete ohnehin diese oder den Glauben an sie mit einem gewissen spöttischen Hohne, man lachte über ihre naive Einfalt; die Verfasser, so hieß es, waren in ihrer Beschränktheit leicht dem Trug und dem Jrrthum ausgcsetzt. Was sich ganz nach den Gesetzen der Natur herausstellt, das hielten

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