Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 1 (2.1.1841)
- Article
- Israelitische Festpredigten [Rezension]
- Date
- 1841-01-02
- Page
- Spalte 11-12 (sequence 2)
- Language
- German
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11 Israelitische Festpredigten. Die natürliche Auslegung der biblischen Erzählungen. 12 scheu Textes nicht nur exegetisch, sondern vorzüglich, dogmatisch und sodann auch praktisch, d. h. im Verhältniß Zu des Lebens vielfachen Gestaltungen und Umstanden, zu entwickeln, und es können darum Gelegenheits- Predigten mehr die praktische Seite hervorheben, jedoch müssen dabei die andern Momente nicht gar zu sehr in den Hintergrund geschoben werden. — Daß die meisten unserer Prediger in ihren homiletischen Leistungen größtentheils die praktische Seite hervorheben und diese mit dem Exegetischen und Dogmatischen, einem Gemälde gleich, blos schattiren, scheint uns darum ein großer Mißgriff zu sein, weil solche Predigten wohl zur Erweckung und Belebung des Gemüthes sich eignen, aber nicht zur FörderungderErkenntniß des jüdischen Glaubensinhalts; darum vermögen sie auch nicht die Gedanken des Menschen mit dem ewigen Gedanken Gottes, der Offenbarung, in Uebereinstimmung zu bringen. — Wir wollen damit keineswegs denen das Wort sprechen, die sich so überaus darin gefallen, in Predigten aller Art, problematische oder triviale Midrasch- und Hagadastellen exegetisch oder gar dogmatisch zu erklären, denn durch solche elende Spielereien verliert nur das Wort Gottes an Gehalt und Würde, und es bekundet ein solches Verfahren nur Bibelunkenntniß und enge Mattherzigkeit. Was das Wesentliche der jüdischen Predigten sein muß, ist, daß ihr Thema durchaus rein biblisch sein muß, und dieses; in seine kleinsten Theile zerlegt, muß wiederum durch triftige und treffende Bibelverse unterstützt, dem Zuhörer den reinsten Ueberblick über den Glauben des Juden oder dessen Pflichten gewähren, so daß jener dann im Fortgang der Predigt von der Veralssaumung und Nichterfüllung seiner Glaubenspflicht überzeugt, endlich auch darüber belehrt werde, wie er das Versäumte nachholen und mit Gott wieder versöhnt werden könne. 'Allerdings kann sodann auch mancher passende Midrasch¬ oder Hagadaspruch mit eingestreut werden, aber immer nur als Anlehnungssatz. — Diese Aufgabe hat meiner Meinung nach unter den hochgestellten und ausgezeichneten Herausgebern dieser Festpredigten Herr Mannheimer in Wien vorzüglich ersaßt und auf das Schönste in seinen gedruckten Predigten gelost; Dr. Salomon in Hamburg hat eine ganz andere Saite in seinen bisher gedruckten Predigten angeschlagen, eine Saite, deren Ton nicht minder mit einer unbeschreiblichen Gewalt die tiefsten Tiefen des Herzens aufregte; von dem Kirchenrach Dr. Maier ist mir bis jetzt keine Predigt vorgekommen, alle Erwartung concentrirt sich auf diese Sammlung, die nach'den Proben in diesem ersten Hefte nicht gering ist. Was der Leser von einer Vereinigung dieser so ausgezeichneten Männer erwarten dürfte, wird jeder einschen, und ohne Uebertreibung darf ich es aussprechen, daß es die schönste Sammlung zu werden /verspricht, die das Judenthum bis jetzt aufzuweisen hat. Eine nähere Besprechung verschiebe ich bis zum zweiten Hefte, wo auch Hr. Mannheimer seine Vorträge einsenden und der &6lttfEn OTl zu einer Wahrheit wird. Die natürliche Auslegung der biblischen Grzählnttgen. (Fortsetzu ng) Ueberrascht über das neue Licht, das die Kunde anderer geschichtlichen Entwickelung in reichlicher Fülle verbreitete, ging man im oppositionellen Streben auch hier zu weit, und der revolutionäre Taumel faßte mit bacchantischer Wuth die sonst friedlichen Gemüther deutscher Gelehrten. Man streifte der Bibel jede nationale Eigentümlichkeit ab, und stellte sie zum Hohn nackt vor die gaffende Menge hin. Die neuen Studien und die erwachende Wissenschaftlichkeit hatten die Bibel jedem andern Buche aus dem Alterthume gleichgestellt; sie sollte, wie dieses, auch der scharfen Krilik unterworfen werden, und der kühle, unersättliche Forschungsgeist mit zersetzender Gewalt machte sich darüber her. Gleichwohl hatte sie die ruhniwürdige Geschichte vor sich, ihre Heiligkeit verfolgt sie wie ein Schatten und sie würde, wie Peter Schlemiel, von den Buben verhöhnt und verspottet worden sein, wollte sie diesen abtreten oder veräußern. Aber diese ruhmwürdige Geschichte, dieser Adel ihrer Heiligkeit kam ihr gerade theuer zu stehen, er wurde ihr, wie den französischen Auswanderern, von dem plebejischen Gelehrtenregiment als ein Verbrechen angerechnet, das als eine Sünde der Voreltern noch an das spateste Geschlecht gerächt wird. Es wurde die Bibel noch weniger als jedes andere Buch, ihrem religiösen Gehalte nach, der ihr diese Erhabenheit verlieh, durchforscht und ergründet; sie wurde vielmehr mit Spott und Hohn verfolgt und mit Gehässigkeit aufgefaßt. Sie büßte damals dafür, daß sie es einstmal gewagt, ein Prinzipat über den menschlichen Geist sich anzumaßen. Die neuen Studien dienten nur dazu, ihr den heiligen Nymbus gewaltsam zu entreißen, sie ihrer Heiligkeit Zu berauben und ihre Blößen aufzudecken. Das Gewand, das noch einige wohlerzogene Kinder ergriffen, um die Schande der Mutter zu bedecken, sollte sie nur vor der Verachtung schützen, und das ästhetische Gefühl schonen. Den religiösen Inhalt gedachte Niemand zu retten. Die Elementarstudien dienten nur dazu, den äußerlichen Umfang in ein wissenschaftliches Licht zu setzen, um die Bibel, so weit dieses anging, für andere Wissenschaften zu benutzen. Die Bibel stand damals, mit einem Worte, kaum einem andern Buche, das ein gleiches Alter beansprucht, gleich; denn sie hatte noch überdies den Haß über ihre Tyrannei niederzuhaltm. Der Skandal über ihre keckliche Anmaßung tobte noch innerlich fort, und Galle mischte sich dem klaren Verstände lioLeus volens bei. Sie erschien daher den damaligen Forschern von vorn herein, trotz der Fülle neues