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Der Orient · 1841-01-02 · 1 (2.1.1841) · p. Spalte 9-10

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
1 (2.1.1841)
Article
Israelitische Festpredigten [Rezension]
Date
1841-01-02
Page
Spalte 9-10 (sequence 1)
Language
German
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9 Festpredigtm und Casualreden v. Dr. I. Maier, J.N. Mannheimer und Dr. Salomon. 10 2) Israelitische Festpredigten nn d Casualred en, herausgegeben von Dr. I. Maier, K. W. Kirchenrath und Nabbinen in Stuttgart, I. N. Mannheimer, Neligionslehrer m Wien und Dr. G. Salomon, Prediger in Hamburg. Erstes Heft. Stuttgart 1840. 8. Metzler'sche Buchhandlung. Die geistliche Kanzelbecedtsamkeit, welche zu jeder Zeit die Aufgabe hat, das religiöse Leben zu wecken, das Gemüth im Glauben zu stärken und den Geist zur Erkenntnlß des Wahren anzuspornen, liefert in ihren Produktionen immer das getreueste Bild des religiösen Charakters eines Volkes und der vorherrschenden Ansichten über Religion und deren Dogmen. Sie ist der reinste Spiegel, in welchem sich die Sittlichkeit und die Wissenschaft, die Bildung und die Eivilisation eines Volkes zeigen, so daß es zum Erkennen und Darstellen der verschiedenen im Volke sich geltend machenden Richtungen nöthig ist, auf die geistliche Beredtsamkeit desselben naher einzugehen. In ihr findet die praktische Theologie ihr bestes Organ; ja sie ist gewissermaßen die praktische Theologie selbst. Denn bestimmt wird sie durch die Fortschritte der theologischen Wissenschaft, und sucht dieselbe aufs Leben anzuwenden und dasselbe davon zu durchdcingen. — Demnach stragt die Kanzelberedtsamkeit nach der verschiedenen Bildung der Geistlichen immer ein anderes Colone und dasselbe wechselt wieder mit dem Wechsel des religiösen und wissenschaftlichen Standpunktes der Geistlichen. Gilt nun dies von der; religiösen Beredtsamkeit im Allgemeinen, und laßt sich j dessen Wahrheit durch die gedruckten Predigten einer jeden Religionsgenossenschast Nachweisen, so liefern hiervon besonders die jüdischen Predigten einen starken und schlagenden Beweis. Denn wer gewinnt nicht bald beim Lesen einer altern sogenannten Derascha das Bild und die klare Anschauung von dem Standpunkte des Judenthums und dessen Wissenschaft in der Vorzeit? Wem springt nicht beim Lesen einer neuern deutschen jüdischen Predigt in die Augen der Fortschritt des Judenthums, die wissenschaftliche Bildung der Juden und deren Sinn für höhere Geistes kultur? Wem, fragen wir weiter, dringen nicht die heutigen homiletischen Leistungen der Juden die Ueberzeugmrg auf, daß in Juda ein frischer lebendiger Geist rückgekehct, und Israel in verjüngter Kraft seinem uralten Glauben mit Liebe und Treue anhängt? Ja, wer dies nicht einst'eht, wer diese Überzeugung nicht gewinnt, dessen Auge ist geblendet, dessen Ohr taub und dessen Herz verstockt und an dem ist die Zeit spurlos vorübergegangen, weil er an ihr unbedächtig ist vorübergeeilt. — Tragen nun aber, wie oben bemerkt, die Produkte der Kanzelbecedtsamkeit, nach der verschiedenen Bildung der Geistlichkeit, einen andern Charakter an sich, so werden gewiß die neuem jüdischen Predigten, deren Verfasser der Bildung nach, verschiedenen Perioden angehören, dem denkenden Leser eine bunte Mannigfaltigkeit von Resultaten Wer Judenthum und jüdischen Glauben darbieten, und es möchte wohl schwer werden, für eines dieser Resultate sich zu entscheiden und dasselbe in sich aufzunehmen. — Es stellt sich darum auch nothwendig für unsere Zeit die Frage heraus, welches soll denn der Geist einer jüdischen Predigt sein? Und daraus möchten wir, mit Beziehung auf den bezeichneten Zweck und die angegebene Bestimmung der geistlichen Beredtsamkeit, antworten, daß der reine biblische Geist die Predigt beleben und in allen Gliedern derselben pulst'ren müsse; das heißt: die Predigt muß eine bloße Erweiterung des biblischen Textes sein, und also nichts enthalten, was nicht im Texte liegt. Damit will gesagt sein, daß der Grundgedanke des Textes durch die Predigt nach allen Seiten hin auseinandergelegt werden muß, damit dieser klar hervorttete. Zur nähern Motiviruug dieser Ansicht wollen wir hier die Worte eines christlichen Gottesgelehrten anführen, welche über „Tendenzeiner Predigt" also lauten: Das Bibelworr, welches in dem Texte wie eine Knospe zustmmengedrängt ist, muß in der Predigt zur reichen Entfaltung der Blüte Hervorbrechen, und es ist ihr Sinn, die unvergängliche Pracht der Wahrheit vor dem Auge der Welt anschaulich auszubreitm." In diesem Sinne lösten allerdings die jüdischen Predigten der vorigen Jahrzehnte, welche in die Zeit der nüchternen Aufklärung fallen und daher getränkt waren von einem : stachen subjektiven Rationalismus, so daß das Religiöse höchstens in dem trocknen Schematismus durchschimmerte, und aus dem zu Grunde gelegten Texte alles Mögliche abgeleitet wurde, ihre Ausgabe nicht. Selbst aber die Predigten neuerer Zeit scheinen uns noch nicht ihre Aufgabe gelöst zu haben, thells weil deren Verfasser noch der Bildung der Vorzeit, in der das Judenthum als ein Köhlerglaube verschrieen war^ angehören, und also nicht ganz den Anforderung einer mehr zum positiven Glauben zurückgekehrten Zeit entsprechen können; theils weil in den meisten Predigten direkt oder indirekt der Gedanke vorherrscht, „die Geschichte des Judenthums sei der Träger dessen Religion," wahrend im wahren Verstände wohl gerade das Umgekehrte der Fall ist. — Dieses ist unter andern auch ein Hauptgrund, warum die jüdischen Prediger so in Verlegenheit gerathen, wenn sie Festpredigten halten sollen; denn da sie die Feste nur historisch auffassen, so geht ihnen der dogmatische Theil daran verloren, und somit auch dtt reichste, inhaltvollste Stoff. Die Feste sind vielmehr zuvörderst religiösen Inhalts und dann haben sie auch eine historische Bedeutung, darum müssen ihre Predigten auch vorzüglich, oder besser durchweg dogmatisch sein, aber nur dogmatich lm reinen biblrschenSinne. -— Es bleibt also immer die Aufgabe des Predigers, die Grundbedeutung des bibli-

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