Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1841)
- Article
- Sind jüdische Schulanstalten Bedürfnis, und wie müssen solche beschaffen sein, ...
- Date
- 1841-01-02
- Page
- Seite 8 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360147-2360149-2364514--1312-2364538- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8 zu wünschen ist, daß sie dieselbe Achtung gegen ihre eigenen Gesetze, dieselbe Toleranz gegen ihre eigenen in Auffassung der Religion sich von einander unterscheidenden Glaubensgenossen bewähren; daß nicht die sich aufgeklärt dünkenden Söhne die gläubigen Väter belächeln, noch diese den besonnenen Fortschritt des jüngern Geschlechtes schmähen; daß überhaupt dieser Principienstreit in den Grenzen des Anstandes und ein rein wissenschaftlicher bleiben. So viel aber ist gewiß, daß jüdische Schulen den Geist der Sonderung nicht begünstigen. Der Einwurf freilich, daß die jüdischen Kinder in christlichen Schulen das Auffallende in Sprache und Geberden besser ablegen lernen, ist nicht ganz zurückzuweisen; denn wiewohl gebildete jüdische Lehrer viel dazu beitragen können, so ist der tägliche Umgang mit Christenkindern doch weit wirksamer. Allem solche kleine Rücksichten können nicht in Betracht kommen, wo es sich um einen so wichtigen Gegenstand, um Aufrechthaltung der Religion handelt. Die kann nur durch gründlichen Unterricht erzielt werden. Unkenntniß in der Religion war von jeher die Quelle des trübseligen Aberglaubens wie des heillesen, oberflächlichen Unglaubens. Wir müssen nun dem dritten Einwurfe begegnen, daß nämlich dem Religionsunterrichte auch in einer besondern Anstalt, neben dem Besuche christlicher Schule, genügt werden könne. Wem es ernstlich um die religiöse Bildung der jüdischen Jugend und nicht nur um den Schein zu thun ist, dem kann eine solche Nebenanstalt nur ein schmerzliches Lächeln abgewilmen. In einer solchen würde, die nothwendig eintretenden Collisionen abgerechnet, die Methode des Unterrichtes erschwert, der Umfang höchst beschrankt und beeinträchtigt, die Bedeutsamkeit und mithin -die gehörige Beachtung desselben geschwächt werden. Wäre es schon schwierig genug, ja kaum möglich, für den Unterricht so vieler, verschiedene christliche Lehranstalten besuchenden Schüler eine Zeit zu bestimmen, die Allen gemäß wäre; so treten noch andere, viel bedeutendere, mißlichere Collisionen ein. Der Elementarunterricht soll nicht den Geist der Schüler mit Gegenständen des Wissens überladen, sondern vielmehr neben den im bürgerlichen Leben unentbehrlichen Fertigkeiten, ihnen Sinn für das Höhere und ganz besonders tüchtige Gesinnungen, wahrhafte Frömmigkeit beibringen. Die Religion ist nicht nur Hauptgegenstand des Elementar-Unterrichtes, sondern soll auch alle übrigen Unterrichtsgegenftände durchdringen. Die confessionelle Religion fließt daher überall, absichtlich oder zufällig mit ein; und gerade die zufälligen oft wiederkehrenden religiösen Aeußerungen sind viel einflußreicher, als der besondere Religionsunterricht. Besucht nun ein jüdischer Knabe eine christliche Anstalt, so werden die Lehren des pflichtgetreuen christlichen Lehrers, welche alle die Färbung seiner Confession haben, mit denen des jüdischen Religionslehrers collidiren, Lehrer und Schüler in Verlegenheit setzen, und bei Letzterem Zweifel und Kalte gegen Religion überhaupt zur nachtheiligen Folge haben. Ein Beispiel aus dem Leben mag beweisen, wie störend oft ein Wort auf ein Kind einwirkr, so bald es solches in einem gedruckten Buche findet, welches bei ihm, wie das Wort des Lehrers, unverletzliche Autorität hat. - Ein jüdischer Knabe übersetzte in den Gebeten: „Der Du die Lobten belebest." Wer wird sie denn beleben? fragte der Lehrer. „Jesus Christus" war die Antwort. — Ei woher hast du denn das? frug der Lehrer weiter. — „S'ist wahr" versetzte der Schüler, „ich hab's bei meinem Schuhmacher in einem gedruckten Buche gelesen." - Was die Methode betrifft, so muß unstreitig der Religionslehrer auf den Bildungsgrad seiner jedesmaligen Schüler Rücksicht nehmen, Beispiele aus dem Kreise ihres Wissens, Sprache und Einkleidung der Lehren nach ihrem Fassungsvermögen wählen, daß ihnen der Unterricht weder langweilig noch' ungenießbar werde. Er wird auch den Gang nehmen müssen, an den die Schüler bei ihrem sonstgen Unterrichte gewöhnt sind. Wie soll ihm aber dies zu ermessen, diese Forderung zu befriedigen möglich werden, wenn seine Schüler sonst in vielen und verschiedenartigen Anstalten nur nicht m der scinigen Unterricht genießen? (Schluß folgt.) Personalchronik und Miscellen. D i e I u d e n i n der B u ch a r e i. Sie sind wenig zahlreich, mit Ausnahme von Buchara und Samarkand.' In diesen beiden Städten haben sie 2000 Wohnungen rnne, welche eine Bevölkerung von 40,000 Individuen beherbergen. Sie leben gesondert von den Bucharen, vollko^nmne Freiheit genießend. Jeder zahlt monatlich einen Jmpost von einer Lango (ungefähr 60 Centimes). Der Ertrag davon muß dem Khan persönlich geleistet werden, der davon den Unterhalt seines Hofes bestreitet. Die Juden üben ihren Cultus ohne alles Hinderniß in ihren Synagogen aus. Sie beschäftigen sich mit Handel und verschiedenen Gewerben, verfertigen seidne und wollne Stoffe, zeichnen sich als Goldschmiede, Kupfer- und Eisenschmiede aus; sind aber verachtet. Einige von ihnen sind sehr reich, erfreuen sich indessen weder mehrer Rechte, noch größerer Beachtung als die andern. Es ist blos ein ganz außerordentlicher Fall, wenn sie Zutritt bei dem Khan erhalten. Es ist ihnen nicht verstattet, durch die Stadt zu reiten. Sie dürfen weder Shwals, noch seidene Kleider tragen. Die Juden allein haben die Erlaubnis Wein und Branrwein zu machen, schenken und verkaufen heimlich davon an die Bucharen, was ihnen sehr erkleklichen Gewinn sichert. (Neue Annalen der Reisen.). * Die Zahl -der Juden Englands ist nie positiv bestimmt worden. Allein aus der Zahl der Ehen in diesem Jahre (160) kann man schließen, daß sich ungefähr 20,000 in diesem Lande finden mögen. Also das doppelte mehr als die Zahl der Quäker, deren Ehen sich ans 76 beliefen. (Mornkng - Chronicle.) In der Schweiz reist ein gewisser A! b r e ch t, Christ aus dem Altenburgischen, als jüdischer Messias. Oie Schweiz ist ihm Kanaan, wahrscheinlich, weil sie von Philistern bewohnt wird, die keinen Juden dulden, der St. Gotthard ist Sinai, vielleicht, weil man auf ihm die zwei Gebote der Aufopferung und des uneigennützigen Wohlthuns lernen kann, Wilhelm Tell erscheint als Jsmael. rc. Doch der Magd Sohn £)at bis jetzt das Hausrecht behauptet, und den Propheten einstweilen das Predigen in den Schenken untersagt. Verlag von C. L. F ritz sch e. Druck von I. H. Nagel,