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Der Orient · 1841-01-02 · Heft 1 (2.1.1841) · p. Seite 6

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 1 (2.1.1841)
Article
Palota: allgemeine Charakteristik der Juden in Ungarn
Date
1841-01-02
Page
Seite 6 (sequence 3)
Language
German
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Aber wahrhaft zu bedauern sind alle diejenigen aus der I dritten Klasse, welchen es nie hat glücken wollen, sich aus derselben heraus zu arbeiten, und wenigstens in die zweite zu rücken. Sind sie verheirathet und haben Kin- ' der, so ist ihr Loos jammervoll. Ich bin zuweilen solchen begegnet, die das Bild des tiefsten Elendes boten, und bei deren Anblick der bitterste Judenhaß schwinden mußte. Auf Almosen können sie wenig rechnen, weit unter den Christen der gemeine Haufe sich gewöhnlich eben nicht sehr aufgefordert fühlt, mitleidig gegen einen Juden zu sein, und weil sie auch unter ihren Glaubensgenossen oft genug auf Härte und Theilnahmlvsigkeit stoßen, so sehr man auch von diesem Volksstamme rühmt, daß kein Mitglied das andere so leicht hülflos laßt. Aus dem Gesagten läßt sich die Folgerung machen, daß die Juden iw Allgemeinen in Ungarn sich nicht übel befinden und eine nicht ungünstige Stellung ein- , nehmen, wenn man davon absehen will, daß sie, wie überall, das verachtete und zurückgesetzte Volk sind. Aber zu ihrem Lobe muß man auch sagen, daß ohne sie das Land vieles verlieren, und daß Handel und Gewerbe noch mehr darnieder, liegen würde. Ob eine Emancipcttion, d. h. ' eine völlige Gleichstellung in ihren Rechten mit den Christen, rathsam sei, und zum Wohle des Landes ausschlagen würde, das ist wohl noch ein Problem, dessen Lösung der Zukunft Vorbehalten bleibt. — Anspruch daraus haben sie allerdings schon aus der angeführten Ursache, und dieser Anspruch wachst noch, wenn wir die Thatsache.in die Waagschale legen, daß sie in vielen Gegenden die Träger der Civilisation unter einer Bevölkerung sind, die noch auf einer sehr tiefen Stufe geistiger Cultur steht. Vielleicht bietet sich .mir in der Folge noch Veranlassung, einiges zur Ergänzung dieses Gegenstandes zuzufügen. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte Der Gegenwart. Sind jüdische Schulanstalten Bedürfnis, und wie müssen solche beschaffen sein, UM ihrem Zwecke zu entsprechen? Man hört oft von den Amalgamationsfreunden, jüdische Schulanstalten nicht nur für überflüssig, sondern sogar für nachtheilig und unserm Aeitgeiste zuwiderlaufend erklären. Die Juden, heißt es, sollen ihre Eigentümlichkeiten in Lehre und Leben aufzugeben und an ein allgemein menschheitliches Streben sich anzuschlleßeir bemühet sein. Dies könne nur durch steten Umgang der Juden mit Christen, durch Gemeinschaftlichkeit des Unterrichts und der Erziehung bewerkstelligt werden. Durch Separatschulen aber werde die Trennung nur noch mehr befördert, die Scheidewand vergrößert, die Besonderheit gepflegt und mit den Kindern groß gezogen, und eine völlige Anschließung erschwert. Besonders aber müßten die jüdischen Kinder manche eigene Manieren in Sprache und Geberden ablegm, was nur durch Entwöhnung in zarter Jugend möglich sei. Überflüssig aber seien solche Anstalten, da allgemeine Bilduug in christlichen Schulen eben so gut, ja, bei den größern Mitteln, die ihnen zu Gebote stehen, besser als in jüdischen befördert werde; der Religionsunterricht aber in einigen Stunden, welche der Schulunterricht den jüdischen Schülern übrig lasse, in einer besondern Anstalt erledigt werden könne. Es fragt sich also: 1) Ist es wünschenswerth und zeitgemäß, daß die Juden ihre religiösen Eigentümlichkeiten ausgeben, und werden sie dadurch dem allgemeinen Völkerftreben naher gebracht? 2) Wird durch jüdische Separatschulen die Scheidewand zwischen Juden und Christen wirklich gezogen? 3) Ist ein gründlicher und wirksamer Religionsunterricht von einer Privatanstalt neben dem Besuche christlicher Schulen wirklich zu erwarten? Ein mißverstandener Kosmopolitksmus predigt freilich, allen Völkern und Religionsgenossen, alle Unterschiede aufzuheben, und sich in eine WeUreligion und Einen Staat der ganzen Menschheit aufzulösen. Nur darin könne allgemeines Heil erstrebt werden. So schön sich dieses anhört, so unpraktisch ist es. So wenig cm Ganzes ohne Theile, eben so wenig kann ein Allgemeines ohne Unterschiede bestehen, wenn dieses nicht ein inhaltloser, leerer Schatten sein soll. So gefährlich es daher ist, wenn einzelne Richtungen sich feindlich gegenüberstehen: so vernichtend ist es für das allgemeine Wohl sie aufzuheben. Sie müssen vielmehr neben einander bestehend sich stets in dem Allgemeinen concentriren, dessen Lheile sie sind. So wie einzelne Individuen vermöge ihrer Fähigkeiten und Neigung, zu einer gewissen Thätigkeit berufen sind, und nicht Alle an Allem gleichen Antheil nehmen können: eben so har jedes Volk im Staatsleben, jede Religionsgenoffenfchast im religiösen Streben, vermöge eigentümlicher Fähigkeit und Neigung , die ihren in ihrer Geschichte, Individualität rc, ha-

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