Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1841)
- Article
- Palota: allgemeine Charakteristik der Juden in Ungarn
- Date
- 1841-01-02
- Page
- Seite 5 (sequence 2)
- Language
- German
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Geld haben, hat auch vielleicht bereits schon Wege ungeschlagen, die verunglückt sind, und ist nun gezwungen, freundliche Worte zu geben. Man scheint davon bewegt, weicht aber immerfort aus. Endlich muß sich der Suchende zu Bitten verstehen, muß Propositionen aller Art machen, bis endlich der Angegangene sich auf Unterhandlungen einlaßt. Auf welche Art dann aber ein solches endlich zu Stande kommendes Geschäft abgeschlossen wird, das errath man leicht. Und doch führt dieser Weg noch immer zu einem solideren Ziele, als 1 wie ein anderer, auf welchen man Agenten vorschiebt. Da ist freilich der Borger weniger persönlich kompromittirt, aber er muß desto mehr bluten. Denn die Agenten (heilen die Beute mit dem Darleiher, und Jeder verlangt davon ein gutes Theil. Wenn es nicht so wäre, woher kamen denn da die vielen Versätze, vermittelst deren Juden auf die gesetzliche Versatzzeit von 33 Jahren in den Besitz der schönsten und größten Landgüter kommen, und wahrend dieser Zeit sie auf alle Art ausbeuten? Grundbesitz dürfen sie, nach der Reichskonstitution nicht haben, aber Nutznießer dürfen sie auf solche Weift fein, die ihnen ungleich wehr Gewinn bringt, als waren sie im Eigenthume. Und welchen Gewinn machen sie an den Produkten, wie z. 85. an der Wolle, die man ihnen gegen solche Darlehen verpfändet und endlich zum niedrigsten Preise überläßt. Diese goldnen Aepfel aber sammeln die reichen Juden — d. i. die erste Klasse — in Ungarn nicht allein, sondern sie müssen einen guten und zwar den größten Theil davon an ihre Glaubensbrüder in Wien abgeben. Jene sitzen eigentlich noch weit tiefer im Rohre und schneiden auch, wacker darauf los, was ihnen kein Mensch verdenken kann. Wien ist für die ungarischen Kavaliere gar zu verführerisch, und es verlockt sie zu Ausgaben, welche ihre Kasse nicht immer zu tragen jim Stande ist. Da muß der Credit ausheifen und man sucht ihn hier fast aus gleiche Weise, wie ich es eben beschrieben habe. Wenn es scheinen sollte, daß ich in der vorstehenden Darstellung die Farben zu lebhaft ausgetragen habe, so kann ich dreist auftreten, und Jeden auffordern, mir zu beweisen, daß ich von der Wahrheit abgewichen bin. Wollte man mir aber den Vorwurf machen, als habe ich die Juden in einem nachtheiligen Lichte darstellen wollen, so kann ich diesen zuvörderst versichern, daß ich weder die Absicht, noch irgend ein Jntereffe habe, dieß zu chun, auch spreche ich hiermit die Ueberzeugung aus, daß man es einem, so verknechteten und unterdrückten Volksstamme wahrlich nicht ver. denken kann, wenn er die Mittel, die ihm zur Erhebung aus seiner Erniedrigung zu Gebote stehen, nicht ungenützt laßt. " Die zweite Klaffe der Juden besteht aus denen, welche die Bahn betreten haben, um mit der Zeit in die erste zu rücken. In Ungarn bieten sich s<> unzählig viele Gelegenheiten zum Mäkeln, zum Klein- 5' — Handel und zum Schacher, daß, so zahlreich auch die Klaffe ist, die sich mit dieser Praxis befaßt, sie einander doch wenig in den Weg kommen dürfen, indem für alle Platz und Spielraum genug ist. Man denke nur an jene Agenten, auf die ich schon hindeutete; man zähle, die Menge, welche als Hofjuden der Kavaliere und Grundherrn zwar nicht förmlich fungiren, aber doch sich, nähren und allmählig höher schwingen; man sehe die Hunderte, welche in Pesth und den andern größern Städten als Mäkler und Kleinhändler ihren Commerce treiben; und man beobachte endlich die Schaar, welche das Land durchzieht, und dorthin Maaren bringt, die man bedarf, und Produkte abnimmt, die man verwerthen will, was man auf keinem andern Wege kann. Diese letztem aber sind gerade für das Land wohlthatig, weil sie dort, wo aller innere Verkehr stockt, einen solchen allein zu Wege bringen. Noch aber giebt es Gegenden, wo derselbe fast lobt ist, und wo man sich nach Handelsjuden sehnt. Oft und vielfach habe ich die Bemerkung gehört, daß man erst durch diese, die man an sich zu ziehen und in den Ortschaften zu domiziliren sich bemühte, in den Stand gesetzt ward, seine erzeugten Produkte in's Geld zu setzen. Unter diesen Umständen würde man daher sehr ungerecht, wenn man die Juden — was so häufig geschieht — als Schmarotzer-Pflanzen betrachten wollte. Ohnehin sind sie das Mittel, seine Einkünfte zu vermehren, weil sie an die Gutsherrn, auf deren Grunde sie sich niederlaffm, nicht unbedeutende Abgaben entrichten müssen. Endlich die dritte Klasse, welche aus den Armen besteht. Zu diesen muß man auch einen großen Theil der Arendatoren von Wirthshausern zahlen, obgleich sehr viele-derselben durch den Handel, den sie nebenbei treiben, vornehmlich aber auch durch Branntweinbrennerei, ihren Erwerb vermehren, folglich in die zweite Klasse gehören und den Grund dazu legen, endlich in die erste sich empor zu schwingen. In diese dritte Klasse aber gehören fast alle die, welche sich mit Handwerken beschäftigen, vornehmlich aber die, welche mit dem Bündel auf dem Rücken das Land durchziehen. Unter diesen Hausirern trifft man aber viele so reich begabte Geister, denen man es auf der Stelle ansieht, daß sie sich in die erste Klasse empor schwingen werden. Ihr Benehmen, aus welchem genaue Berechnung und feine Klugheit spricht; ihre Art und Weise, wie sie einen Jeden zu behandeln verstehen, in welcher sich tiefe Menschenkenntniß kund thut; ihr Witz, welchen sie anwenden, um ein Geschäft in Gang zu bringen, und womit sie Spott und Verachtung, die sie zuweiten erfahren, zurückweisen; endlich ihr Talent zu speculieren, das alles laßt ihnen ein günstiges Prognossicon-stellen. Viele dieser begabten Geister sind auch bereits bis in die erste Klasse empor gestiegen. Freilich gehört immer noch eine besondere Gunst der Umstände dazu, wenn ihnen dies Glück zu Theil werden soll. —