Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 52 (26.12.1840)
- Article
- Nachtrag zu dem Aufsatze über einige unbekannte jüdische Sekten
- Date
- 1840-12-26
- Page
- 803 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9891396-9891469-2364434--1031-2364470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
805 Die jüdischen Sekten. Lit. Uebersichten. Perlen des Orients von Stern. 808 Durch dieses werthvolle Excerpt erhält der in Nr. 48 gegebene übersichtliche Bericht, wie auch jenes durch diesen, einige berichtigende und erläuternde Zusätze. Es geht daraus hervor 1) daß die Sekte XVI. mit VI. identisch ist. Abu- Isa ha-Isbahüni ist Eine Person mit ’OEDttPl fiHD'liv der in Dod Mordechai (Excerpt aus Afendopolo) fälschlich genannt wird. Diese Identität der Namen bestätigt auch die seltsame Variante des Namens bei De Sacy p. 361.; meine unter VI. ausgestellte Eonjektur bezugs derselben wird mir zweifelhaft. 2) Der Name der Sekte iTHK) (XIV.) wird durch zwei Handschriften in berichtigt, so wie hinwiederum die Schreibart DHisUD (Dalet für Nesch) als Fehler erscheint. 3) Für den Zunamen El-Safrino (XVII.) erhalten wir die richtige orientalischer klingende Form bü ist unser Safran), und dies führt uns aus die Sekte die nach Freitag im Lex. (Excctpt aus Äitäb el-Taarifnt) behauptete, daß das Wort Gottes etwas anderes sei, als Gott selber, und daß Alles außer Gott geschaffen sei —- Ansichten, die allerdings nicht von jüdischem, am allerwenigsten vom karäischen Standpunkte aus als häretisch erscheinen können. Ebensoviel, nicht mehr und nicht weniger (nur mit dem Zusätze, daß sie die Bekenner eines ewigen &)Ji für Ungläubige erklärten) berichtet Ad Hatz eddin im Kitnb el-Mawükif. Vielleicht aber, so anders der Stifter dieser Sekte mit Mose (Meswi) El- Safarüni (nach und Afendopolo von jüdischer Abkunft).identisch ist, huldigte dieser, neben andern eigenthümlichen häretischen Meinungen, dem System der Mutaziliten, welche, der orthodoxen Lehre des Islam gegenüber, das Wort Gottes für in der Zeit entstanden und erschaffen erklärten - ein Differenzpunkt, dessen blutige Discussi'on unter der Regierung des Khalifen Mamun begann und unter der Regierung seiner Nachfolger Mutaassi'm und Wasik fortgeführt wurde, bis der darüber entstandene Kampf unter der Regierung Mutawekkil's beschwichtigt ward. Literarische Uebersichten. 45) Perlen des Orients und Kernsprüche der Läter. Eine metrisch-gereimte Uebersetzung des talmudischen Traktats , betitelt: P i r k e A b o t, von M. E. S r e r n. (Wien, Druck und Verlag von Franz- Edlen von Schmid und I. I. Busch. 1840.) Wir begegnen hier demselben trefflichen und gewandten Uebersetzer, der sich schon durch seine Perlenblumen (Preßburg, 1832) und durch seine „Hymnen an die göttliche Einheit" (erschienen 1840 in obigem Verlage) so rühmlich hervorgethan hat. Wir müssen gestehen, daß uns die obige Uebersetzung, verglichen mit den „Hymnen" rücksich llich der Gewandtheit und Deutlichkeit noch weit gelungener erscheint, als diese. Und dies ist wohl sehr natürlich, wenn man bedenkt, daß die hier vorwaltende klare, didaktische Form das ungezwungene Anschmiegen an das Original weit mehr erleichterte, als der Schwung der Hymnen dies vermochte, wenn die Treue bewahrt werden sollte, die der Herr Uebersetzer sich zum unverbrüchlichen Gesetz gemacht hat. Wie bescheiden er aber von den Leistungen eines Uebecsetzers, und also auch von seinen eignen derartigen Produkten denkt, erfahren wir aus dem trefflichen Vorworte dieses Werkchens. Er stellt jede Uebertretung als den Schatten des Originals dar, nur gemacht, das Ursprüngliche in das gehörige Licht der Erinnerung und Beachtung zu setzen. Hat er im Ganzen Recht, und verdiente diese Bemerkung von jedem Uebersetzer mit goldenen Buchstaben ins Herz geschrieben zu werden, um nicht treulos an dem zu Bearbeitenden zu handeln, so müssen wir doch anderntheils bemerken, daß gerade diese schöne Pietät des Hrn. Verfassers vor dem Originale hier und dort Ursache einer Dunkelheit geworden sein mag, die sich eben nur aufhellt, wenn man das Original, das Schatten gibt, vergleicht; weil nur dann uns die verschwimmenden Umrisse des Schattens in ihrer völligen Begrenzung erscheinen. — Wir bitten nebenbei, das schöne Vorwort auch anderweitiger Bekenntnisse und Ansichten witten nicht zu überschlagen. Es greift m in den Geist der Zeit und legt ein klares Bekenntniß ab von dem Standpunkte des Lebens und der Wissenschaft. -- Uebergehen wir die Beurtheilung des Traktats der sich schon lange in seiner Fülle der Weisheit und Pietät, die mit patriarchalischer Einfachheit wiedergegeben erscheint, bewahrt hat, und blicken wir nur auf die Uebersetzung, so strahlen uns vornehmlich diejenigen Stellen als klare Lichtpunkte entgegen, welche die Moral des praktischen Lebens abhandeln und wir können es uns auch hier nicht versagen, einige der schönsten Stellen als Beweise dafür abzudrucken. S» 17. §. 17 heißt es: Jose sprach: Freundes Gut sei dir so werth, Wie das, welches dir gehört. Müh' dich Wissen zu erstreben, Das kein Erbrecht dir kann geben, All' dein Thun dem Ziele weih', Daß zu Gottesehr' es sei. S. 18. §. 20: Rabbi Tarfon sprach: Kurz ist die Zeit, Die Arbeit gar viel; 52*