Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-12-26 · Heft 52 (26.12.1840) · p. 408

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 52 (26.12.1840)
Article
Herr Cremieux in Wien
Date
1840-12-26
Page
408 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360146-2364431--1269-2364467
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Diejenigen wie mit einem Schilde deckte, welche jenseit des Meeres schmachteten; Ehre sei Ihnen, die Sie bei diesem letzten Kampfe der Vorurthei.'e gegen die Vernunft einen erhabenen Geist, eine hohe Philosophie bewiesen, und ohne Rücksicht auf die Politik, die immer der Gerechtigkeit so fremd ist, vor den Augen der Welt die Fahne der Menschlichkeit entfalten! Würdig hat sich Ihrer auch, der Generalconsul Laurin gezeigt, der im eignen Herzen den Abscheu vor der Ungerechtigkeit fand und zuerst in jenes blutige Drama das Licht seines hellen Verstandes, die Hingebung seines edeln Herzens brachte. Er hat seinen Lohn in Ihrer Billigung gefunden, aber unser ewiges Andenken sei ihm ein angenehmes Opfer, und Gott vergelte ihm seine Ausdauer, denn er hat Unschuldige gerettet. Ehre sei auch Merlato, der auf dem Schauplatze der schrecklichen Hinrichtungen selbst bis zum letzten Lage kämpfte, sich nicht scheute, alle Geheimnisse dieses Werkes der Finsterniß zu enthüllen, und sich mit unermüdlichem Eifer dem Gedanken seines Generalconsuls anschloß. Sein Name sei sür uns ein verehrter Name! Meine Herren, auch die Presse hat uns mächtig unterstützt, die deutsche, die französische, die englische Presse; sie versetzte der religiösen Intoleranz die kräftigsten Schläge. Die Presse hat ihre Fackel: das Licht erschreckt den Fanatismus und die Verfolgung. Die Morde der egyptischen Folter werden die letzten Iustizverbrechen, die Märtyrer von Damaskus werden unsere letzten Märtyrer sein. Das Abendland dringt mit seiner Civilisation in das Morgenland ein, nicht blos bei politischen Fragen, die so vielen Ungewißheiten und Täuschungen unterworfen sind, sondern auch bei socialen Fragen, als Garantie der Zukunft der Völker. Dank, meine Herren, tausend Dank für dieses kostbare Pfand Ihrer Achtung, Ihrer Freundschaft! Ich werde es als kostbaren Schatz aufbewahren, als Erbe für meinen geliebten Sohn. Und jetzt möchte ich alle Gefühle aussprechen können, die mir die Brust erfüllen. Verstände ich Ihre so reiche, so gelehrte, so malerische Sprache, so fände ich vielleicht einige Ausdrücke würdig der Rede, die Sie an mich gerichtet haben. Aber nein, meine Herren, es würden sich meinen Lippen keine Worte bieten; eine zu große Freude hat keine Worte. Zum Glück ist die Sprache des Herzens überall dieselbe und Sie Alle werden mich verstehen, wenn ich Ihnen sage, daß mein ganzes Leben lang die Erinnerung an diesen Tag für mich die süßeste, die kostbarste Erinnerung'sein wird." Der Jubel der Anwesenden war grenzenlos, und mit großer Begeisterung wurden Toaste auf den Kaiser und das gesammte Kaiserhaus, auf den Fürsten Staatskanzler, die in der Sache der Gerechtigkeit und Menschlichkeit Beistand leistenden Consuln der hohen Mächte rc. ausgebracht, und das Fest so durch viele bedeutungsvolle Züge unauslöschlich in das Gemüth der israelitischen Bevölkerung eingeschrieben. L.A.Z. Ueber die Rabbinats - Centralschnle zu Metz. (Fortsetzung und Schluß.) Die portugisischen Consistorien, sagt man, üben auf die Rabbinen ihrer Gemeinden geringen Einfluß. Demohnerachtet aber haben sie gegen das Metzer Institut sich erklärt, wo man das Hebräische nach Art der Polen prononcirt, und den Talmud nach deutsch-lothringischer Weise lehrt. In der That, ihre Jünglinge sind davon ausgeschlossen. In dem 66. Art. des vorgeschlagenen Reform-Projects liest man, daß die Eleven unterrichtet werden sollen: in den Elementen der Ch emie un d P h y sik, in der Arithmetik, den Elementen der Algebra, in den Studien des religiösen und profanen Gesanges. Ich habe folgende Modistcation m vorgeschlagen: Elemente der mathematischen Wissenschaften, der P h y s i k, d er Chemie und Astronomie. In dem Consistorialart'ikel hat man die physischen Wissenschaften vor den angewandten Wissenschaften angesetzt, die Chemie vor der Physik. Das ist ein Mangel an Ordnung. Die Wissenschaft von dem Weltgebäude hat man vergessen, es ist eine Lücke; auch die Geometrie hat man übergangen, das ist eine Absurdität. In einigen katholischen Seminarien ist jetzt das Studium der Naturgeschichte und Geologie eingeführt worden, warum hat man diese Wissenschaften nicht auch in dem rabbinischen Seminar angesetzt? Was das Studium des Gesanges betrifft, bedarf noch einer Auseinandersetzung. Was versteht man unter religiösem Gesänge? den Choral? Will man den bei uns einführen? Wo steht das geschrieben und vorausgesetzt, es sei dem so, so sind doch die Rabbinen keine Kantoren, wozu soll ihnen darum die Kenntniß des Gesanges, sie singen ja me,? Ich habe übrigens gar viele Puncte dieses Planes von Seiten der Autoren einer reiflichen Ueberlegung nicht unterworfen gefunden Persoualchronik ,mö Miseellen. Politische Stellung dev Juden im Jahre 184©. Völlige Emancipation: Vereinigte Staaten -------- 1783 bis 1833. Frankreich ----------- 1791 — 1831. Holland . - - -- -- -- -- - 1796, Belgien ------------ 1831. Kursürstenthum Hessen ------- 1833. Th eil weise Emancipation: Preußen . - - - - - - - - - - - 1812 bis 1840. Baden - - - - - - - - - - - 1808. Würtemberg - - - - - - - - - 1810. Baiern - - ---------- 1813. Ungarn ------------ 1840. Anfang zur theilweisen Emancipation: Sachsen ---------- - - - - - 1837. * f- * Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.