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Der Orient · 1840-12-26 · Heft 52 (26.12.1840) · p. 406

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 52 (26.12.1840)
Article
Herr Cremieux in Wien
Date
1840-12-26
Page
406 (sequence 1)
Language
German
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406 Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Her« Cremieux irr Wien. Wi en, 9. Dec. Herr Crem reux ist nach Paris abgereist, mit Ehrenbezeugungen und natürlich insbesondere mit Beweisen der Teilnahme von Seiten der hiesigen israelitischen Bevölkerung überhäuft. Fürst Metternich hat den Verteidiger der gekränkten, mißhandelten Menschheit, die in der Humanität unsrer Regierungsprinzipien, unter welcher Zone und von welcher Religion es sei, immer Schutz und die wärmste Teilnahme findet, mit Auszeichnung empfangen, wie dies auch bei mehreren hohen Staatsmännern der Fall war. Die Gemeinde der Juden hat ihm zum Dank für den Schutz ihrer Brüder in Beirut ein Banket veranstaltet, wie man hier nicht viele von gleicher Pracht gesehen. Dasselbe fand im Hotel zum römischen Kaiser statt, umfaßte über 80 Gedecke, und das Arrangement war von den Frauen getroffen, die sich jedoch selbst dabei zu erscheinen versagt hatten. Vor Beginn der Tafel wurde von dem hiesigen Religionslehrer, Dr.M anheimer, dem Hrn. Cre mieux eine Dankadresse der Gemeinde, auf Pergament geschrieben, und von ihm vorgelesen, überreicht, welche die Gefühle der geretteten Menschenehre ihrer Glaubensgenossen ansspricht. Dieselbe war in ein goldenes Futteral eingcschloffen, und dies so reich mit Brillanten besetzt, daß man den Werth auf 14,060 Fl. C.-M. rechnet. Die Adresse lautet: „Die Gemeinde der Israeliten zu Wien, beseelt von der regsten Teilnahme für die heiligen Interessen und Rechte ihres Volkes und Glaubens, durchdrungen von der innigsten Hochachtung und Bewunderung für die edeln Männer des Wortes und der That, die sich für diese Interessen und Rechte hcrausgestellt und im heiligen glorreichen Kampfe bewährt haben, ergreift mit aller Bereitwilligkeit die Gelegenheit, die sich ihr bietet, Ihnen, hochzuverehrender Herr! der sich in diesem Kampfe in die vorderen Reihen hat gestellt und siegreich den Lorbeer hat errungen, ihre innigste Hochachtung und Bewunderung zu bezeugen. Wenn wir die Gabe des Wortes und die Kraft und Gewalt der Rede, die Ihnen Gott in Fülle verliehen hat, um so mehr bewundern, je umfassender und eindringlicher ihr Einfluß und Erfolg ist, und darin die Gnadenwaltung Gottes erkennnen, daß er in einer Zeit, wo Geist und Talent sich zur herrschenden Macht erheben , auch in unfern Reihen Männer hat auferstehen lassen, die des göttlichen Geistes voll sind und das Wort in Wahrheit und Klarheit mit Freimuth und siegender Kraft zu führen wissen; wenn wir, mit Einem Worte, das Talent bewundern, das Ihren Ruf gegründet, Sie als Redner und Anwalt den Gefeiertsten Ihres Standes gleichgestellt hat, so achten und ehren wir doch mehr die edle Gesinnung, den heiligen Eiferfür das Recht, der Sie in der Erfüllung und Ausübung Ihres göttlichen Berufes und in der Verwendung dieser unschätzbaren Geistesgaben bisher so glücklich hat geleitet. Sie haben das Recht vertreten, wo und wann es gefährdet war. Sie haben dem Mächtigen ihren Schutz angedeihen lassen, als ihn das Glück verlassen, und der gefallenen Größe sich ritterlich angenommen. Sieflnd für Ihre Glaubensgenossen in die Schranken getreten, als man ihren Eid und Schwur, und somit Treue und Glauben in Israel verdächtigen wollte, und haben die Schmach von ihnen abgewälzt, den letzten Schimpf getilgt, der ihnen noch anhing in dem Lande, wo man ihnen alle Schranken geöffnet, aber nicht das Vorurtheil besiegt, dem Juden Besitz und Recht, Amt und Würde hatte vergönnt und eingeräumt, und dennoch den Zweifel und Verdacht in seine Rechtlichkeit und Treue nicht hatte beseitigen und überwinden können. Sie haben seine Ehre gerettet und gezeigt, daß von Abraham und seinem Stamme , der zerst hat die Hand emporgehoben zu dem allmächtigen Gott, der Himmel und Erde hat geschaffen, der Glaube ist ausgeaanaen, der die Welten füllet und sie auf die Grundsäulen des Gesetzes, des Rechtes und der Sitte fest und sicher stellt. Diese edeln Bestrebungen haben Sie nun, hochverehrter Herr! gekrönt und Ihren Namen in die Jahrbücher der Geschichte unsres Volkes, die so alt ist als die Geschichte der Welt, unvergänglich eingetragen, indem Sie für die unglücklichen Schlachtopscr der Tyrannei und der Glaubenswuth, deren furchtbares Geschick nicht nur alle Stämme Israels, sondern auch alle Edeln und Wohldenkenden in der Welt mit Grausen und Entsetzen füllte, ritterlich und brüderlich sind in die Schranken getreten. Sie haben Haus und Heimath verlassen, wie einst die Propheten der alten Zeit, sind übers Meer gezogen hm in das alte Egypterland, wo Seuchen wüthen, Krieg und Zerwürfnts; das Leben bedrohen; Sie haben vordem Gewaltigen das Wort geführt für Ihr Volk und Ihren Glauben, und wie Moses einst zu den Pharaonen gesprochen: „Gib heraus die gefesselten Söhne meines Volks, daß sie mir dienen!" Sie haben die Fessel gebrochen an der Hand der Gefesselten, die Emgekerkerten erlöset aus ihrer Haft — wie es der Prophet als einen göttlichen Beruf bezeichnet. Sie haben die bereits Geachteten frei und ungebunden dem Leben wiedergegeben, das Schwert in seinem Fall aufgehalten, das bereits an einem Haar über ihrem Haupte geschwebt, und haben die, welche Sie nicht retten konnten, die bereits unter Martern sind aus der Welt gegangen, und in einer höhern Welt und vor einem höhern Richterstuhl und Thron, als den ein Mensch errichten kann, ihre Unschuldserklarung und Rechtfertigung gesunden — die haben Sie von der Schmach erlöset, die ihnen noch in den Tod gefolgt, und haben ihren Namen unbefleckt ihren Kindern und Kindeskindern wiedergegeben. Gottes Segen über Sie! Sie haben ein göttlich Gebot erfüllt, das das heiligste ist in Israel; Sie haben das Gebot der Liebe erfüllt, das das höchste ist: „Sie haben wohlgethan den Todten und den Lebendigen!" Wenn der Name Damaskus, der sich auf den ersten und ältesten Blattern unserer Geschichte verzeichnet findet, in 'neuester Zeit wieder eine trübselige Berühmtheit erlangt hat, und Erinnerungen zurückläßt, die für uns eben so unvergeßlich als schmerzlich sind; so werden die Namen der edlen Kampfer, die den Kampf zu Ende gebracht, und den Gemarterten den Frieden, den Gefesselten die Freiheit errungen haben, mit ihm unvergänglich und unvergeßlich sein. Das wiedergewonnene Selbstgefühl und das freudige. Bewußtsein, daß, wo Israelin Noth und Bedrängniß ist, und sein

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