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Der Orient · 1840-12-19 · 51 (19.12.1840) · p. 792

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
51 (19.12.1840)
Article
Die Psalmüberschriften in kritischer, historischer und archäologischer Hinsicht
Date
1840-12-19
Page
792 (sequence 2)
Language
German
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6 £3>eJ> | wwuuvt-v|u/n.|ixti iu iiau-iu/tv/ . yi'|ivvu|iyit' mhv v» vy V'W vvi'vji.| vv, v v . C[vri..|vvy‘ mernden Kräfte des Geistes zu wecken, Arm und Kopf in Thätigkeit zu setzen. Bor Allem dürfen wir hier auf die DW23in ’OS Hinweisen, die von Samuel an bis auf die großen Propheten in der Geschichte erscheinen, mit der vielsagenden Bezeichnung E^2jr]D, weissagend, d. h. in begeisterter Rede Weisheitssprüche und göttliche Gesänge vortragend. Zn jenen Lehrern des Volkes, aus denen die großen Gestalten des Elias, Elisa, Micha, Schemaja u. st w. hervortraten, weilte die Weisheit, die Dichtkunst, der heilige Geist der Prophetie. Auch von ihnen erhielt sich wohl manches Lied, das vielleicht nicht die Vergleichung mit des Meisters Gesängen zu scheuen hatte, im Munde des Volkes; aber der Name des Autors verschwand im Dunkel der Vergangenheit, und über den Trümmern einer zahlreichen Menge von Dichtwerken erglänzte nur von Weitem her das Licht des alten Vaters des Gesanges, das in der schwankenden Ferne nur noch zauberischer und unerreichbarer erschien (Amos 6, 5). Wie leicht war es da, daß Gesänge, die, sei es durch Schrift, sei es durch Mund, sich fortgepflanzt hatten, auf dieser langen Reise den Namen Davids bekamen, ohne ihm anzugehören, wenn auch nicht ohne seiner würdig zu sein? Wie leicht war es nicht, wenn man die Klagen eines unschuldig Verfolgten (und deren hat es immer gegeben), dessen Name mit seinem Leid auf immer unterging, hörte oder las, an die allgemein bekannten Schicksale Davids zu denken; wie leicht war es der irrenden Phantasie, aus dem bunten Leben Davids eine Veranlassung zu diesem oder jenem „seiner" Lieder zu suchen, die von der geschäftigen Aunge fortgepflanzt, vom Griffel endlich festgehalten und der Nachwelt überliefert wurde. Daß dabei auf Widersprüche des Inhalts mit der Aufschrift nicht gesehen wurde, kann nur denjenigen befremden, der in einem kriegerischen, von aller Wissenschaftlichkeit (im heutigen Sinne) entfernten Volke, den ahnenden, forschenden Blick des Kritikers suchen wollte. Als gegen das Exil hin, und besonders nach demselben, die Schreibekunst immer allgemeiner, das Material immer bequemer und gefügiger, die vorhandenen Lieder immer zahlreicher wurden, fand sich wohl häufiger Jemand, der die mündlichen aufschrib, die vorhandenen schriftlichen sammelte und aufbewahrte. Daß man in solchem Falle die Ueberschriften, wie sie die Tradition gab, mit ausnahm, versteht sich von selbst; daß man manche hinzugefügt, auf eigne Ansicht gestützt, oder Gleichförmigkeit abzielend, ist nicht undenkbar. An einen ordentlichen „Ueberfchreiber" aber, dessen Geschäft es gewesen, die Ueberschriften hinzuzusetzen, denken wir nicht, theils weil es unserem Gefühle widerstrebt, theils weil in diesem Falle die Ueberschriften mehr Gleichförmigkeit dargeboten hätten, während sie jetzt fast alle möglichen Combinationen und Permutationen der immer wiederkehrenden JD, u. st w. zeigen. Es dürste also ^wohl schon zu Hiskia's Zeit Sammlungen von Liedern gegeben haben, wie um dieselbe Zeit Sammlungen von Sprüchen existirten (Spr. 25, 1). Aus kleineren Pacthieen zu größeren, umfassenden Liederbüchern emporgewachsen, wurden die ehrwürdigen Neste einer alten heiligen Zeit vielleicht schon vor dem Exil (Jerem. 33,11), sicher während der Zeit des zweiten Tempels zur gottesdienstlichen Feier angewandt, und daher mögen wohl die Zusätze sich herschreiben, die sich auf musikalischen Gebrauch, beziehen, wie sie sich auch durch Spracheigenthümkichkeiten als jener Zeit angehörig kenntlich machen. Dafür sprechen endlich auch die Berichte des Chronisten, der, indem er Davids Zeit schildern will, unbewußt seine eigene abspiegelt; und überhaupt wird nur in Esra, Nehemia (auch in den echten Stücken) und Chronik so viel von und erzählt (letztere Esra 2, 65. Neh. 7, 67* 2 Chr. 35, 25). Aber immer weiter zurück lag jene wundervolle Zeit, aus welcher die Klänge des Prophetenthums, so wie die Lieder der heiligen Sänger herübertönten; schon wurde die Gegenwart für unfähig gehalten, etwas hervorzubringen, was sich den allen Schriften gleichstellen konnte; endlich' ward jedem neuen Ankömmling die Ausnahme in den heiligen Schriftverband versagt; der Kanon hatte sich geschloffen. Auch auf die Psalmüberschriftm hatte dies wohl in so fern Einfluß, daß es der Conjektur und dem Gebrauche nicht mehr so ganz leicht ward, einzelnen Gedichten diese oder jene Ueberschriften hmzuzufügen; daher auch in den jüngern Liedern, die keine so lange Reihe von Ueberlieftrnden zu bestehen hatten, die Ueberschriften immer seltener werden. Daß aber um die damalige Zeit (von der Mitte des zweiten Jahrhunderts v. Chr. an) die Codices eine ungemeine Anzahl von Varianten in Beziehung auf die Psalmüberfchriften darboten, lehrt die nicht lange nach jener Zeit angefertigte Übersetzung der I^XX. Denn wenn auch in dieser Zeit der LXX in Hinsicht auf Textkritik ihr Urtheil dahin gesprochen worden ist, daß in den allermeisten Fällen unser masoretischer Text vorzuziehen sei, so ist es uns hier um die Varianten der LXX nicht deßwegen zu thun, um unfern hebräischen Text darnach zu verbessern, sondern einen Begriff von dem damaligen Zustande des Psalmbuches zu bekommen. Die Abweichungen der LXX vom hebr. Texte, die wir nicht alle der Willkür der Uebersetzer verdankenx), sondern 1) Denn auch zugegeben, daß manche historische Data von dem Uebersetzer hinzugefügt worden sein könnten, so ist dies nicht gut denkbar bei den vielen Varianten, die ganz bedeutungslos sind, wo bald “TOtD, bald *W it, s. w. zu viel steht. Buch zeigt der Umstand, daß gerade in der n&JJEn der Name Davids in Salomos fehlt, wo er bei uns steht, daß der Uebersetzer sich an sein Original hielt. Jedenfalls ersehen wir hieraus, wie geschäftig damals die Sage war, unbekannte Psalmen einem bekannten Dichter zuzutheilen.

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