Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 51 (19.12.1840)
- Article
- Das rationale Judenthum ... [Rezension]
- Date
- 1840-12-19
- Page
- 788 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9891396-9891468-2364369--1015-2364404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Haupt für sehr klug finden, daß Vers, seinen Juden es nicht zur Pflicht machte, sich, auch einen Rabbinen zu nehmen, denn schwerlich würde sich Einer finden, der die Verordnungen des rationalen Judenthums .unterschriebe. — Was Verfasser über „religiöse Erziehung der Kinder, Conficmation und Gebete außerhalb der Synagoge" sagt, verdient von jedem jüdischen Hausvater wohl beachtet und beherzigt zu werden, und bemerken nur schließlich, daß die Kapitel „über Ablegung eines Schwurs" und „Gesetze in Bezug auf Ehebündnisse," zur Ehre des Verfassers füglich aus dem Buche wegbteiben könnten, und wir waren auch der Mühe überhoben, zu erwähnen, daß Vers, unter IM wvp — mVD versteht. — Trotz der gerügten Mängel wünschen wir das Buch doch sehr verbreitet zu wissen, und die geneigten Leser werden unsrer Versicherung glauben, daß wir darin treffliche Gedanken gefunden, die unser Nachdenken aus die wichtigsten Angelegenheiten des Judenthums hinlenkten. Zwischen dem würdigen , Verfasser und uns sei aber. Friede, wenn auch Widerstreit in Ansichten und Meinungen; was wir gerügt, geschah nur in Liebe und Wahrheit. — Der Druck ist correkt und gut und das Papier weiß. Jolowicz. Die Pfalmüberschrrften, in kritischer, historischer und archäologischer Hinsicht. (Schluß.) Betrachten wir die Ueberschriften in Bezug auf die Verfasser, so finden wir die Namen von Moses, David Asas, Heman, Etan, Jedumn, Söhne Korach. Die Ueberschrift 90, 1 ist aber nicht von Moses, der sich nicht selbst CPfl^Krl t£W genannt hätte, wenn auch die Worte v. 10 in Moses Mund nicht befremdend sein sollten. Da die übrigen alle als Zeitgenossen David's angegeben, und letzteren überhaupt eine überwiegende Anzahl von Psalmen zugeschriebm werden, so fassen wir unsere zu gebenden Bemerkungen unter David's Namen zusammen. Daß David ein Dichter gewesen, wird Niemand leugnen. Denn an Nichts knüpft die Sage Nichts. David hat eben sowohl Psalmen gedichtet, wie Moses Gesetze gegeben, Josua Eroberungen angeführt, Salomo Spruche gesprochen, Esra gottesdienstliche Einrichtungen getroffen hat. ~ Schon als' Jüngling war David als Zitherspieler berühmt (1 Sam. 16, 18), und mag wohl das einsame Hirtenleben, wie es seine Körperkräfte stählte (1 Sam. 17, 34), auch jener Kunst mit der im Alter- -vy»vw>)ljvVv. itßhd thum stets' Gesang und Dichtung verbunden war, Gelegenheit und Muße zur Uebung und Ausbildung gegeben haben. Auch als König vergaß er nicht der schönen Künste. Wenn wir auch von den etwas starken Berichten der Chronik absehen, so lehren uns doch Pie glaubwürdigen Bücher Samuel, daß er den feierlichen Hinaufzirg der Bundeslade mit allen Arten damals bekannten musikalischen Instrumenten begleiten ließ. (2 Sam. 6), daß er selbst dabei tanzte (ib. v. 14) und das ganze Volk dabei in Freudengesängen ausbrach (ib. v. 5). Auch später noch finden wir ihn mit Sängern und Sängerinnen umgeben (2 Sam. 23, 1), und die Sage nannte ihn hüTM' finvOT (2 Sam. 23, 1). Und bot nicht in der That sein vielbewegtes, an den schroffsten Wechseln reiches Leben Stoff genug dar für ein (oft nur zu) gefühlvolles Herz, wie das [einige, um die Empfindungen seines Innern in Worte, in Gesänge zu kleiden? Mit Recht glauben wir aber auch unter den noch heute vorhandenen, ihm zngeschriebenen Gedichten manche zu sehen, die ihm eigen sein können. Die Bücher Samuel haben einen Festpsalm von ihm, der sich auch im Psalter wieder findet, und sich durch Nichts als nicht Davidisch ankündigt, und auch in der Psalmensammlung selbst hat die. neuere Kritik manche Psalmen als echt davidisch anerkennen müssen. Dürfen wir von den Zuständen anderer Völker der damaligen Zeit auf die der Israeliten (Homer war Salomo's Zeitgenosse), oder nur aus dem Bildungsgrade der Israeliten selbst, aus dem Munde der Wissenschaften bei ihnen, eine Folgerung ziehen, so pflanzten sich damals die Lieder im Munde des Volkes von Geschlecht zu Geschlecht fort; mit ihnen die Sage von der Entstehung, von der Veranlassung, von den Verfassern der Lieder. Aber der einmal geweckte Funken entzündete auch wohl noch in andern Gemüchern die Gluth dichterischer Begeisterung. Zwar sind die Nachrichten, die wir über das innere Leben der Hebräer damaliger Zeit haben, äußerst dürftig; zwar bewegen sie sich größtentheils in Erzählungen von Throneswechseln und Kriegen; aber nicht ganz sind dem forschenden Auge die Züge des damaligen Volkslebens zu verkennen. Es hat auch nach David noch lyrische Dichter gegeben. Es wäre in der That befremdend, wenn die hebräische Dichtkunst, die zu David's und Salomo's Zeit so herrlich aufblühete, ihre Klänge mehrere Jahrhunderte hindurch hätte verstummen lassen, bis sie von dem Liefen Ernste der heiligen Weissager wieder angeschlagen wurden. Ohne Zweifel litt auch noch nach David manches unschuldige Gemüth durch den rohen Druck der Außenwelt; ohne Zweifel fand sich auch noch nach David manch gottergebener Sinn zur Bewunderung, zum lauten Preis der Macht des Allerhöchsten hingerissen. Die steten Reibungen der beiden Reiche unter sich, und die Fehden mit den Nachbarvölkern waren gerade geeignet, manche sonst schlum-