Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 51 (19.12.1840)
- Article
- Das rationale Judenthum ... [Rezension]
- Date
- 1840-12-19
- Page
- 785 (sequence 1)
- Language
- German
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Lrteraturblatt des Orients. Bevichte, StrrHierr urrd Mritiiem für jüdische Geschichte und Literatur. Mi ÜJL Leipzig, den 19. D ecember 184O« Literarische Ue'bersi cht en: Dr. Fr'ancolm's rationaies Ju-enthum, kritisch beurtheilt von Jolowics. — Die Psalmüberschriften in kritischer, historischer und archäologischer Hinsicht. Die Abweichungen bei der Septuaginta. Die verschiedenen Sammlungen. Psalmen für alle Tage der Woche. -— Bemerkungen über die in letztverflossenen Jahren erschienenen deutschen Bibelübersetzungen. Die Bibelübersetzung von Dr. G. Salomon, beurtheilt von Skreinka. — Berichtigung des Hrn. Luzzatto. Lit. Ankündigungen. Literarische Nebersichten. 44) Das rationale Judenthum von Dr. I. A. Francolm. Breslau bei M. Friedländer, 1840. XU. S. 306. Es haben in neuerer Zeit Rabbiner von tiefsinnigem Geiste, wackre, von Menschenliebe und Frömmigkeit beseelte israelitische Gelehrte, Männer von der wärmsten Gesinnung und von echt religiöser Liebe zu ihren jüdischen Glaubensgenossen getrieben, sich die religiöse Kerfallenheit ihrer Brüder tief zu Herzen genommen, und haben auf verschiedene Weise versucht, den ursprünglichen Geist des Zudenthums und dessen Lehre in unser verworrenes Leben wieder einzuführen. Sie haben versucht, das stärkende und beseligende Bewußtsein, womit die menschliche Seele sich ihrem Gotte angehörig und in seiner väterlichen Gnade heimisch fühlt, lebendig in jeder Brust zu entzünden, und alle Kraft dieses gemeinsamen Glaubens aufzubieten, damit das ermattende Israel einen Halt, einen Quell der innern Stärkung und Genesung gewinne. Diese Bestrebungen haben in unfern neuern jüdischen Zuständen einen bedeutenden Platz gewonnen; sie haben sich eines großen, und fast größten Theils unsrer deutschen Israeliten bemächtigt; die Gleichgesinnten haben sich fast überall zusammengethan oder zusammengefunden, und vielleicht giebt es keine Stadt in Deutschland, wo nicht unter den Israeliten eine oder mehrere Gemeinschaften in diesem Sinne unter mehr oder minder ausgeprägten Formen bestehen. — Solche Bestrebungen und Erscheinungen muß jeder Edeldenkende als erfreuliche Zeichen echten und wahrhaften Gesundens unserer Zeit ansehen; er muß in ihnen mit freudig gerührter Seele gewahren, daß man endlich davon zurückkommt, das überkommene Judenthum als einen blinden Köhlerglauben zu verachten, und daß ernstlich und rüstig daran gearbeitet wird, die weite Kluft auszufüllen, welche den orthodoxen von den heterodoxen Israeliten trennt. Unseres Verfassers Werk beabsichtigt eine gleiche Tendenz, und nimmt noch um so mehr unsere Aufmerksamkeit in Anspruch, als es sich die Aufgabe gestellt, „denen, die bisher nicht nach dm Gesetzen des Judenthums lebten, nachzuweisen, wie sie entweder mit Beibehaltung ihrer bisherigen Religionsansicht, oder nach einer als nochwendig erkannten Veredlung derselben, eine Religiosität gewinnen können, deren Form, keine willkürlich neu geschaffene, sondern eine bereits im Judenthum gegebene ist, so-daß durch die Annahme der Lehre keine Sekte entsteht, vielmehr die Einheit des Judenthums erhalten wird" (Vorrede. X.). Im Allgemeinen verdient aber des Verfassers guter Wille mehr Anerkennung, als dessen That oder Leistung. Denn es fehlt der Behandlung des so vielfachen Stoffs zum Nachdenken und Forschen darbietenden Themas die Tiefe und Gründlichkeit, und gar sehr würde sich der überall in seinen Erwartungen getäuscht sehen, welcher in diesem Buche eine philosophisch-pspchologische oder historisch-dogmatische Erörterung der verschiedenen sich durchkreuzenden Ansichten-über Judenthum suchte. Ueberhaupt nimmt der Vers, bei seinen Untersuchungen weder dm philosophischen, noch historischen, noch theologischen Standpunkt ein; daher er als Philosoph die Gegenwart nicht geschichtlich und als Historiker die Vergangenheit nicht philosophisch beleuchtet, sondern die Ansichten der Vergangenheit, wie die der Gegenwart, nur als einzelne Momente, ohne organisches Leben und ohne enrwickelungssahiger Grundlage darstellt. — Die ganze Untersuchung wird also mit dem sogenannten gemeinen Menschenverstände geführt, wobei überdies nicht sowohl die Schriften der neuern jüdischen Theologen und die der neuern Rabbinen und Talmudisten, als vielmehr des Verfassers „Mosaische Sittenlehre" und „Grundzüge der Religionslehre nach Anleitung der Zehngebote" berücksichtigt werden, wodurch das Werk sich gewissermaßen eo ipso in die Kategorie der praktisch-theologischen stellt, und wir werden dem Verfasser ganz in diesem Geiste zu folgen haben. Das Buch zerfallt in zwei Abschnitte, deren erster Ansichten und Zustande, und deren zweiter die rationalistische Lehre bespricht. Der erste Abschnitt stellt wiederum im Einzelnen die Ansichten des Rationalismus, Super Naturalismus, rationalen Supernaturalismus, Rabbinismus, der Außenfrömmigkeit und Gesetzverachtung dar, und dem Allen wird ein Kapitel, überschrieben „das religiöse Prinzip und sein Gegensatz" vorausgeschickt. Wenn es nun Manchem als eine bodenlose Mühe erscheinen sollte, daß Verfasser diesen wirren Knäuel von Ansichten so auseinander zu wickeln sucht, daß er daraus 51