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Der Orient · 1840-12-12 · Heft 50 (12.12.1840) · p. 392

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 50 (12.12.1840)
Article
Stellung der Juden in der Grafschaft Venaissin
Date
1840-12-12
Page
392 (sequence 3)
Language
German
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392 Während des Nectorats des Grafen von Valentinois, Aymar von Portier, wurden die Juden in Carpentras wieder anerkannt und ausgenommen, von wo sie zu verschiedenen Malen waren vertrieben worden, und setzten sich endlich darauf fest, eine Synagoge zu errichten. Der Bischof von Carpentras, I. Landrkni, der kn der Folge Cardinal wurde, gab ihnen die Erlaubniß dazu durch eine Schrift vom 1. Mai 1372, und forderte dafür jährlich für sich und seine Nachfolger in seinem Episcopate als Absindungsquantum 4 Pfd. Specereiwaaren; nämlich : 2 Pfd. Pfeffer und 2 Pfd. Ingwer; ganz m ähnlicher Weise wie der Bischof, sein Vorfahr, 1367 ihnen die Erlaubniß zur Anlegung eines besonder» Kirchhofs gegeben Hatte, unter der Verpflichtung zur Abtragung von 6 Pfd. ähnlicher Verpflichmng jährlich. Durch die genannte Acte von 1372 verlangte der Bischof auch, daß das Gebäude, welches zum Dienste für die Synagoge errichtet würde, in der Höhe 4 Toisen, in der Länge 5, in der Breite 4 enthalte, rücksichttich seiner Ausdehnung also ganz dem ähnlich, daß vordem zu demselben Dienste verwendet worden war, und nur bei der Vertreibung der Juden aus der Grafschaft unter Papst Johann XXII. der Zerstörung anheim gefallen war (Oottier, Xotes bist. p, 67.). L i s b o n n e. Ueber die Rabbinats - Certtralfchnle z« Metz. ( A u s d e n A r c h. i s r. Heft 10.) Meine Ansicht über dieses Institut ist längst bekannt. Hatte man eine Concurrenz veranstaltet, um die Aufgabe zu lösen, wer für eine solche Anstalt den schlechtesten Platz aufsinden würde, so müßte dem der Preis zuerkannt werden, der Metz vorgeschlagen hätte. Ich kenne die Lokalität des Ortes so genau, daß es mir wohl erlaubt sein muß, in diesem Journale einige Notizen zu geben; aber wir werden Gründe anführen, die aller Welt einleuchtend erscheinen werden. Warum eine solche gemeinsame Anstalt an das äußerste Ende verlegen, in eine Festung, welche der Belagerung ausgesetzt werden kann? Warum ein theologisches Seminar von so unendlicher Wichtigkeit in eine Stadt verlegen, welche dis Hauptstadt des militärischen Frankreichs genannt werden darf, warum aber nicht die des literarischen und wissenschaftlichen Frankreichs? Wenn man so viel, und zwar mit Recht, auf das Studium der deutschen Sprache hält, warum hat man nicht Straßburg vorgeschlagen, die altehrwürdige, welche so viele wissenschaftlich berühmte Israeliten hegt, wo sich ein katholisches Seminar findet, namentlich auch ein protestantisches Seminar, wo man so ausgezeichnet der Theologie sich befleißigt, daß es einem rabbinischen Seminar zum Strebepunkte dienen könnte? Es ist wahr, daß sich die dortigen Schüler einen altdeutschen Accent angewöhnt haben; ich ziehe ihn aber dem zwitterdeutschen Accente der Metzer vor, von dem M. Cohen, Advokat zu Aix sagt, daß er in dem mittägigen Frankreich unerträglich sei; um dem abzuhelfen, Wägt dieser ehrenwerthe Israelit die Errichtung eines speciellen Predigerseminars dort vor, welches die Candidaten oder Zöglinge dieses zwitterdeuLschen Accents entkleidete. Diese Entkleidung erscheint mir, und zwar aus eigner Erfahrung, als eine beinahe unmögliche Sache. Es ist nun bereits an 40 Jahre, wo ich mein Geburtsland verließ, ich habe stets unter Leutengelebt, welche meistens sehr gut Französisch sprachen; ich habe mich während dieser langen Zeit mit unerhörter Anstrengung bemüht, diesen Accent ab zu leg en: demohngeachtet aber bin ich nicht im Stande gewesen, ihn auszurotten, vorzüglich nicht jenes charakteristische Singen der Stimme, das noch weit unerträglicher ist; und doch habe ich für Musik so geübte Ohren, wie jeder Andere. Wo wollte man zweitens sonst noch diese Schule anlegen? Man hat darübergeschwiegen; ich präsumire: zu Paris. Warum aber nicht von allem Anfänge die Hauptschule dort anlegen? Man hätte dort die Sprachreinigung nicht nöthig, und der herrliche Vorschlag der Herren Altaras und Crenneur Söhne fände in der Folge feine Realisation. Diese Herren wünschten, daß man jährlich 4 — 500 Fr. aussetzte, um in der Hauptschule drei Zöglinge der Schule zu Metz zwei Jahre hindurch zu unterhalten, damit sie dort den höhern Studien sich widmeten. Der Rapport (Cremieux's nämlich) sagt, daß diese Proposition für die Zukunft sich erfüllen wird. Ich hätte vorgezogen, eine Sache zu proponiren, wodurch sich die Angelegenheit für die Gegenwart erledigte. Versetzt die Centralschule ins Centrum, nach Paris, und ihr werdet aller dieser Anstrengungen nicht bedürfen. Nur hier begegnen wir ausgezeichneten Köpfen, wie Hrn. Munk, von denen man einen unberechenbaren Bortheil haben könnte. Findet ihr dergleichen auch in der Provinz? Würde Hr. Munk, euch zu Gefallen, sich entschließen, auf dem Ghetto zu Metz sich anzusiedeln? Sprecht! Es hat Zeit damit. Ich sprach einst mit einem Gliede des Consistoriums, der Familienangelegenheiten willen zu Metz sich aufhielt. Ich richtete die Frage an dasselbe: Wenn man Ihnen 50,000 Fr. böte, und Sie sollten Ihre Söhne in Metz erziehen lassen , in der Arsenalstraße, würden Sie das eingehend Nach einigem Bedenken antwortete er: Nein. Wohl, erwiederte ich nach einigem Bedenken, Sie haben Recht! (Fortsetzung folgt.) Perfoualchronik und Miseellen. Am 19. Oct. dem 8. Festtage des Sukot wurde m dem israelitischen Tempel zu Paris ein feierliches Te Deum gesungen, zum Dank der Vorsehung, daß sie das durch das Attentat vom 15. Oct. bedrohte Leben des Königs beschützt hat. Vor dem Gesänge sprach der Oberrabbine Ennery einige religiöse Worte. * * * In dem Departement Oberrhein hat sich eine israelitische philantropische Association gebildet, welche eine Kunst- und Gewerbsschule zu Gunsten unbemittelter israelitischer Jünglinge des Oberrhems zu stiften beabsichtigt. Die Association hielt ihre erste Zusammenkunft am 23. Sept. d. I. und zählt bereits jetzt eine große Anzahl Mitglieder. In der nächsten Sitzung will man eine Subskription eröffnen und zur Wahl eines Comitv-Direktors schreiten. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel

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