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Der Orient · 1840-12-05 · Heft 49 (5.12.1840) · p. 378

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 49 (5.12.1840)
Article
Kahira: Privatbrief des Hrn. Munk von daselbst
Date
1840-12-05
Page
378 (sequence 2)
Language
German
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378 in das .Innere der größten Pyramide hineinzugehen oder vielmehr hineinzukriechen, was äußerst beschwerlich ist. Ich drang bis in die Kammern vor, welche einem Pharao nach seinem Tode zur Wohnung dienen sollte■; Alles ist darin wunderbar und schauerlich, und das hohe Alterthum dieser Denkmäler, an denen so viele Generationen und Völker vorübergegangen sind, erregt die ernstesten und feierlichsten Gefühle. Ich bedauere jetzt, das ich nicht die übrigen Pyramiden und Ruinen gesehen habe. Auch dieses muß ich auf ein anderes Mal verspüren. Die Stadt Kahira bietet auch manche Denkmäler aus der später» jüdischen''Geschichte dar. In Alt-Kahira exisiirt eine uralte Synagoge, welche noch vor der Zerstörung Jerusalems erbaut sein soll. In jedem Falle ist sie sehr alt. Da jetzt in jenem Theile von Kahna keine Juden mehr wohnen, so wird nur zweimal dcs Jahres eine Wallfahrt dahin unternommen und eine Prozession mit den D’HDD gehalten. Hier war auch der Ort, wo der berühmte Maimonides oder Ranrbam lebte und wirkte, und wo viele unserer gelehrten Juden neben ihm glanzten. Jetzt sind leider die hiesigen Juden auf einem sehr niedrigen Standpunkte der Bildung. Wir haben unfern Aufenthalt hier benutzt, um eine Schule zu gründen, in welcher außer dem Hebräischen und Arabischen auch Französisch und Italienisch, so wie Aritmetik und Geographie gelehrt werden soll. Herr Cremieux ist, nachdem er'für die materiellen Bedürfnisse der Schule gesorgt, vor einigen Tagen abgereiset. Ich bleibe noch bis nächsten Donnerstag hier, um Alles was den Unterricht betrifft in Ordnung zu bringen. Dann gehe ich nach Alexandrien zurück, wo sich hoffentlich etwas ähnliches wird gründen lassen. Wenigstens haben wir vor unserer Abreise dort einige 'Anstalten dazu getroffen. Ich habe einen Ausruf in hebräischer und arabischer Sprache aufgesetzt, den wir' den Gemeindevorstehern übersandt haben, und der vom Rabbiner in einer Versammlung öffentlich verlesen worden. Ich gedenke den 11. in Alexandrien einzutreffen und mich am 17. nach Europa einzuschiffen«. Herr Cremieux wird gewiß schon in diesen Tagen 'Alexandrien verlassen haben. Hc. Montefiore hat sich bereits vor vierzehn Tagen eingeschifft. Die vielen Beschäftigungen, mit denen ich in dm wenigen Tagen, die ich hier noch verweile überhäuft bin, erlauben mir für heute keine längere Unterhaltung/ und ich muß die in meinen vorigen Briefen versprochenen 'Antworten noch einige Tage verschieben. Lebe recht wohl, mehr von Alexandrien aus oder von dem Lazarete zu Malta. Tausend herzliche Grüße. Dein Dich mnigstliebender Sohn S. Munk. PAvis, 12. Nov. Das Journal des Debats enthalt folgende Nachrichten aus Kahira: „S^m Cremieux hat hier zwei jüdische Schuten errichtet, eine für Knaben und eine andere für Mädchen. Diese Kinder boten einen traurigen Anblick dar; sie waren nackt oder in Lumpen gehüllt, hatten keine Schuhe und lirten größterttheits an Augen- und andern Krankheiten des Landes. Man versammelte etwa 150 Knaben in einem Tempel; auf ein Zeichen traten etwa 20 von ihnen, mit dem alten Testament in hebräischer Sprache in der Hand, aus - dem Haufen hervor-und setzten sich auf alte schmuzige Matten oder auf das Pflaster. Sie lasen und übersetzten gemeinschaftlich; allein welche Übersetzung war dies! Sie übersetzten ins Arabische.. Die Uebung wurde schnell unterbrochen und man versprach den Kindern, indem man ihnen zugleich einige Rathschlage zu einer bessern Übersetzung gab, daß sie künftig auf Bänken sitzen sollten. Herr Cremieux traf sogleich Anstalten, die Kinder vollständig neu zu kleiden, und verpflichtete sich zu einem jährlichen Beitrage von 6000 Fr. Die Knaben werden Hebräisch, Arabisch, Französisch, Italienisch, Arithmetik und Geographie lernen; auch die Mädchen sollen in den genannten Sprachen, in den beiden letzten jedoch nur beiläufig, dagegen hauptsächlich in. Handarbeiten unterrichtet werden. Die meisten Krankheiten dieser Kinder entstehen aus Mangel an sorgfältiger Pflege, man hat sich daher versichert, daß ihnen dieselbe in Zukunft zu Theil werden wird, auch ist für die Heilung der Kranken gesorgt worden, indem Ctot Bei sich aus eigenem Antriebe dazu erboten hat. C'r wird Arzt der Schuten bleiben, wofür er keine Besoldung empfängt. In dem Hofe jeder Schule wird ein Springbrunnen angelegt, in dessen Wasser die Kinder sich täglich mehrmals waschen müssen; auch befindet sich daselbst ein großes Bassin, worin sie sich wöchentlich zwei bis dreimal baden. Kleidung erhalten sie zweimal jährlich von der Anstalt. Sie essen in der Schule und zwar nicht mehr auf orientalische Weise mit den Fingern, sondern auf europäische Weise. Die Einweihung dieser Schulen geschah folgendermaßen: Die armen jüdischen Familien in Kahira wurden in die Synagoge berufen, wo Herr Cremieux ihnen die Vortheile der Erziehung ihrer Kinder auseinanderfttzte; er sagte, daß die Religion dieselbe gebiete, daß der Glaube dadurch gekrastrgt werdef und daß die europäischen Juden ihre bürgerliche Gleichstellung, deren sie in den c'wilisirtesten Ländern genössen, nur ihrer Erziehung verdankten. Diesen Worten, die ein deutscher Gelehrter, Herr Munk, ins Arabische und Hebräische! übersetzte, folgten die lebhaftesten Danksagungen. Herr Cremieux wurde namentlich durch den.Ober-Rabbiner und durch Herrn A dd a, einen der angesehensten Bewohner von Kahira, unterstützt. Der verständige Eifer des Herrn Munk hat sich auch bei dieser Gelegenheit 'wieder bewahrt, und er verdient den wärmsten Dank für seine Geduld und seine trefflichen Anordnungen. Er hat mit den Lehrern gemeinschaftlich ein Reglement in arabischer und französischer Sprache ausgearbeitet." (L. Z.) P<rvts, 12. Nov. Hr. Munk, welcher bei der Manuskriptensammlung der königl. Bibliothek angestellt ist, hatte sich der israelitischen Commission, welche vor einiger Zeit in Angelegenheit der Juden von Damaskus nach Egypten ging, angeschtossen, um Manuskripte für die kön. Bibliothek anzuschaffen. Hr. Champollion- Figeac hat nun ein Schreiben aus Syra vom 22. v. , M. von diesem Gelehrten erhalten, worin er ihm mel- J det, daß, da er sich nicht nach Syrier: begeben konnte,

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