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Der Orient · 1840-12-05 · Heft 49 (5.12.1840) · p. 377

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 49 (5.12.1840)
Article
Kahira: Privatbrief des Hrn. Munk von daselbst
Date
1840-12-05
Page
377 (sequence 1)
Language
German
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Berichte? StAdieW NNd Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen töbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von ®r. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift ersche i mm wöchentlr ck>. das Literaturblatt mUgerechnet, zwei Vogen- und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 4ds ■ Leipzig, den 5. December 184^^ Orient. (Kahirn, Privatbrief des Hrn. Munk von daselbst. Paris, Mitteilung aus Kahira über die Errichtung zweier jüd. Schulen daselbst. Paris, über die erworbenen Handschriften). — Großbritannien (London, Reform des jüd. Cultuö. Politische Stellung der Juden und ihre Wiederherstellung). — Deutschla n o (Berlin. Feierliche Eröffnung des jüd. Schullehrer-Seminars. Reden von Dr. Veit und Dr. A u n z). — Schwede n und Norwegen (Stockholm. Berichtigung). -- Galizien (ßembcrg. Cultur der Juden in Polen). — L icht - u n d Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Neueste Ministerialverfügungen in Preußen- — PersonalchroniL und Miscellen. —- L.-B. d. Orients. Orient. 2. Oclbr. Bel der reichen und ausführlichen Sammlung aller Nachrichten und Aktenstücke, welche auf die Damaskusbegebenheit und die damit zusammenhängenden Ereignisse Bezug haben, die der Orient vor allen andern Blattern seinen Lesern geboten, wird es ihm der geneigte Leser nicht verargen, wenn er auch einen Privatbrief des Herrn Munk, gerichtet von Kahira aus an seine Mutter, hier veröffentlicht. Manche Beschreibung und .Erzählung darin ist ansprechend genug, um auch einen großem Lesekreis zu interessiren. Dieser Brief aus Kahira von erwähntem Datum lautet: Theuerste Mutter! Meine Reise nach Kahira und den Pyramiden nöthigte mich, zwei Dampfböte unbenutzt absegeln zu taffen; ich hoffe, daß diese Unterbrechung meiner Correspondenz Dich nicht beunruhigt hat, da ich sie Dir im Woraus in meinem Schreiben vom 6. September angekündigt habe. Außer Deinem lieben Briefe vom 2. August habe ich bis jetzt keine Nachricht von Dir erhalten; es ist indeß möglich, daß in Alexandrien Briefe für mich angekommen sind, und ich muß Geduld haben, bis ich wieder dahin zurückkehre. Sjlev in Kahira bin ich jetzt seit vierzehn Tagen, und ich habe hier die. Zeit viel nützlicher und angenehmer zugebracht, als in Alexandrien. Hier erst habe ich den Orient in seiner wahren Gestalt gesehen und über viele Gegenstände mannigfache Belehrung gefunden. Kahira liegt in der Gegend, wo sich einst unser Erzvater Jakob mit seinen Söhnen aufhielt, und wo spater seine Nachkommen unter dem Joche der Pharaonen schmachteten, bis sie von Moses erlöst wurden. Es sind nur wenige Tagereisen von hier nach der Wüste, in welcher der Berg Sinai liegt, und es ist mir wahrhaft schmerzlich, diese Gegenden verlassen zu müssen, ohne eine Reise durch die Wüste Sinai nach Jerusalem machen zu können, wie ich es anfangs wünschte und hoffte. Durch den in Syrien ausgebrochenen Krieg ist meine Reise dahin, welche ohne dies immer sehr beschwerlich ist, jetzt ganz unmöglich geworden; ich muß mich daher für jetzt mit dem begnügen, was ich hier gesehen habe, bis es mir vergönnt ist, in ruhigen Zeiten wiederum eine Reift nach dem Orient zu machen, ohne wie diesmal auf eine kurze Zeit beschränkt zu sein. Ich habe jetzt schon langer, als ich es sollte, hier verweilt, und da ich auf der Rückreise zwanzig Tage auf der Insel Malta Quarantäne hatten muß, ft ist es unmöglich, daß ich mich, zu dem mir von der Bibliothek festgesetzten Termine wieder in Paris befinde. Doch bin ich überzeugt, daß diese Zögerung keine nachtheilige Folgen für mich haben wird, zumal da ich meinen Aufenthalt in Kahira auch für die Bibliothek durch Anschaffung seltener Manuskripte nützlich verwendet habe. —■ Das merkwürdigste, was ich auf dieser Reift gesehen habe, ist der Nil und die Pyramiden von Gift. Der Fluß, welcher in der jetzigen Jahreszeit se'nw Größe undo^öhe erreicht hat, bietet einen sehr großartigen Anblick dar. An vielen Stellen gleicht er einem Meere, ft daß das Auge die Ufer kaum erreichen kann. Ohne die Ueberschwemmungen könnte Egypten nicht bestehen, da es hier fast nie regnet. Dieses Jahr aber ist die Ueberschwemmung so groß, wie man sie seit Menschengedenken nicht gesehen hat, und sie hat viel Schaden angerichtet. Die schon ohnehin ft unglücklichen Bauern dieses Landes sind sehr hart mitgenommen worden, was die unmenschliche Regierung nicht verhindert, sie zu bedrücken, um die Abgaben, welche oft den größten Theil ihrer Habe in Anspruch nehmen, durch Stockschläge zu erpressen. Wer Egypten nicht gesehen, hat keinen Begriff von dem tiefen Elende, in welches die Tyrannei Mehmed Alis dieses Land versenkt hat. — Don den Pyramiden kann man durch alle Beschreibungen keinen vollkommnen Begriff erhalten, man muß diese Wunderwerks selbst gesehen haben, um über das Volk zu staunen, welches sie hervorgebracht hat, und zugleich alles Sonderbare und Geheimnißvolle zu fassen, welches sich an diese ewige Denkmäler knüpft. Ich habe es unternommen von vier Beduinen geführt 49

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