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Der Orient · 1840-11-21 · 47 (21.11.1840) · p. 721

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
47 (21.11.1840)
Article
Das Leben der Patriarchen ... [Rezension]
Date
1840-11-21
Page
721 (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken fü r jüdische Geschichte und Literatur. J\fs 4*1» Leipzig, den 21. November 1840» Literarische U eb er sichten: Dr. Sommerfeld, das Leben der Patriarchen. Hirsch Chajas über Largumkrn und Midraschim. — Die Bibelübersetzung de6 Dr. G. Salomo n. — L i t. Ä n a l e k t e n : Ueber einige französische wenig bekannte Dichter von Dr. Carmoly. Israels Erlösung im Jahre 1840. - Zur Geschichte der Homiletik von Frankel. — Literar. 2tnküiidig ungen. Literarische Uebersichten. 40) Das Leben der Patriarchen. Erbauungs schritt gebildete Israeliten von Dr. Hermann Sommerfeld, Prediger bei der isr. Gemeinde zu Elbing. (Elbing, 1840. Druck u. Verlag v. F. W. Neumann-Hartmann.) Um bei dem Aeußern -dieses Werkes zu beginnen, so verdient die Verlagshandlung durch die wahrhaft treffliche Ausstattung allen Dank, und wir sind überhaupt der Meinung, daß ein Buch, welches Geist und Herz ansprechm soll, äußerlich nicht abstoßen dürfe. — Wie sich der Derf. in der Vorrede ausspricht, hat er sein Buch zunächst für die reifere Jugend zur häuslichen Erbauung und -Belehrung bestimmt. Es erweckt schon ein gutes Vorurtheil, wenn wir von vorn herein bemerken muffen, daß sich der Schriftsteller einen bestimmten Lesekreis gedacht und Sprache, Inhalt, Umfang des Stoffs nach der Empfangsfähigkeit und Bildung dieses Kreises eingerichtet hat. Darum ist auch Hm. S. das Werk so wohl gelungen.. Nur eine Bemerkung erlaube er uns in dieser Beziehung. Es scheint ihm gerade der Vorsatz, auf die Phantasie der reiferen Jugend recht eindringlich zu wirken und durch sie den Weg zum Herzen zu bahnen, verführt zu haben, hier und dort in den Ausdrücken etwas zu süßlich zu werden, oder haben ihn etwa hierin die bekannten Stunden der Andacht nicht richtig geleitet? Kurz, wir wünschten etwas mehr Kern und sind deshalb auch der Meinung, daß das Buch weit mehr in weiblichen Händen gesehen werden wird, als in denen der Jünglinge. Hätten wir daneben bei Abfassung des Werkes noch einen andern Einfluß rücksichtlich der Form auf den Verfasser üben können, so würden wir versucht haben, ihn zu vermögen, von der oft Andeutfchen Wortstellung abzugehen. Wir sind der Meinung, daß die Verdrängung der Verba wenigstens noch keine antike Form schafft, die man bei Erbauungsbüchern hier und dort noch für nöthig hält. Nur einen einzigen, und zwar noch nicht den verschobensten Satz zur Darlegung unsrer Meinung. Seite 1 unten heißt es: „Nur Einzelne waren es, wie Henoch und Noah, welche Gott erkannten, als den Schöpfer der Welt, welche anriefen seinen heiligen Namen, und lebten in Tugend und Unschuld." Wäre der Satz wohl weniger schlicht und einfach, wenn er die natürliche deutsche Wortstellung befolgte? — Doch zur Sache. Der Vers, reiht an die hervorragendsten Momente im Leben der Patriarchen, wie sie uns in der heiligen Schrift vorliegen, sittliche und religiöse Betrachtungen, so daß das Leben Abrahams in 13, das Isaaks in 5 und das Jakobs in 20 Abschnitte zerfällt. Der historische Stoff ist jedesmal nur ganz kurz berührt, oder in die Betrachtung hinein verwebt, jedoch über jedem Abschnitte die bezügliche Bibelstelle citirt. In die Betrachtungen sind nicht allein bezügliche Bibelstellen, sondern auch zahlreiche Citate und Sprüche aus den Midraschim und den jüdischen Kommentaren verwebt. Wir wollen nicht beurtherlen, ob das Buch dadurch an Einheit und begeisterndem Schwung gewonnen hat, oder ob es nicht vielleicht dadurch nur reicher an Vecstandesgrübelei geworden ist. Rechten möchten wir überdies noch mit dem Herrn Verfasser, daß er in manchen Dingen, z.B. bei Darstellung des Charakters von Esau (S. 113), der gewöhnlichen, althergebrachten Ansicht gefolgt ist, und den Esau nicht allein als einen rohen, wilden Menschen, sondern auch als ein leichtsinniges W.eltkind schildert. Jakob hat vielleicht dadurch, daß er seines Bruders Heißhunger benutzte, ihn um Rechte zu betrügen, mehr verbrochen, als Esau gegen sich, da er von den Bedürfnissen des Leibes gequält, an seines Bruders theilmhmende Liebe sich wandte und ihm Rechte für eine kleine Gunst aufopferte. Ueberdem bewies Esau späterhin ein großes, weites und darum religiöses Ee- 47

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