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Der Orient · 1840-11-21 · Heft 47 (21.11.1840) · p. 363

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 47 (21.11.1840)
Article
Paris: Schreiben ... über die Damaskus-Geschichte
Date
1840-11-21
Page
363 (sequence 3)
Language
German
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363 der Herren Cremieux und Montesiore. Die Kriegsereignisse machten es ihnen leider unmöglich, ihn zu erreichen. Sie thaten, was irgend in ihren Kräften stand und kehren mit diesem frohen Bewußtsein nach Europa zurück. Aber eine höhere Hand vollendet vielleicht einst das Werk der Wahrheit und Gerechtigkeit, das. jene Männer nur zur Hälfte ausführen konnten. Nach meiner innigsten Ueberzeugung, und sicher wird sie von vielen Tausenden gecheckt', haben die Juden die Hand, welche endlich den schwarzen Schleier jenes Geheimnisses lüften wird, nicht zu fürchten. Seltsame niederdonnernde Aufschlüsse der Ereignisse von Damaskus wird die Zukunft bringen, oder wir müßten jeden Glauben an eine Vorsehung, an eine Leitung des Menschenschicksals aufgeben. Sollte unsere Zeit mit der Schmach gebrandmarkt werden, in einer großen Sache, die allen Haß, aber auch alle Liebe aufgeregt, der dies Jahrhundert fähig war, nach langem Kampfe in blindem Wahne geblieben zu sein! Eine Welt blickte anklagend, zweifelnd, empört auf die Gemarterten von Damaskus und die Lösung jenes düstern Rathsels. Man gab ihnen die Freiheit, nachdem sie grenzenlos gelitten, nachdem vier unter entsetzlichen Folterqualen verschieden waren nachdem alle Israeliten der Erde mit ihnen gelitten, gefürchtet und gehofft hatten. „Genugthuung, Genugthuung!" so ruft die Stimme eines gauzen Volkes, von dem Gewichte tausendjährigen Leidens zu Boden gedrückt, in einem endlosen Winter lebend, ohne die Hoffnung auf Lenz und Sonne und Blumen. Ohne Hoffnung, aber dennoch nicht entmuthigt, ohne Lenz, und dennoch immer neu und kräftig aufblühend. Das Schicksal traf uns mit einem wunderbaren Fluche! Tausende meiner Gtaubensbrüder aber müssen sich mit mir, wenn ihr Herz in der Sache der Unglücklichen von Damaskus am lautesten im Schmerze und Unwillen schlug, frohlockend gesagt haben: „Israel ist auch in unserm Jahrhunderte, obwohl zerstreut nach allen Punkten des Erdballs, noch ein Volk!" War es nicht, als ob der vergiftete Dolch jener Anklage nur einen Mann, nur ein Herz getroffen hätte? Bewiesen nicht jene Schreckensereignisse, daß ein zaubermächtiges Band sich von Pol zu Pol um uns unwiderlegbar schlingt? Wie eine einzige Stimme erhob sich Israel, vom Norden Deutschlands bis weit über das Weltmeer hin zum freien Amerika und vertheidigte, stark in seinem Gewissen, die Reinheit des mosaischen Gesetzes. Aber die Genugthuung, die wir unablässig fordern dürfen und fordern müssen? Wer kann, wer wird sie gewähren?-Gott!!! Jos. Mendelssohn. Alexandrien, 9. Octbr. Alle hiesigen Juden und Levantiner, welche bisher unter dem Schutze der vier verbündeten Mächte von Abgaben frei waren, müssen diese jetzt entrichten. ' Die Widerspenstigen erhalten die Bastonade, oder werden eingekerkert. (A. A. Z.) Frankreich. Stkalßbuikg, 1. Nov. Das Comite der Gesellschaft zur Beförderung der Arbeit und Arbeitsamkeit unter den israelitischen Armen des Nieder-Rheins hat an den Redacteuc der Arch. Israel, unter d. 8. Oct. eine offene Befchwerdeschnft eingesandt, worin er beklagt, daß noch gar viele Hindernisse dem Wirken der Gesellschaft in den Weg treten, daß namentlich die religiösen Vorurtheile gleich Hemmketten seinen besten Willen lähmten und betrübender Weise sich Männer in dm Weg stellten, von denen man solche Vorurtheile am Wenigsten erwartete. Es wäre wohl an der Zeit, meint das Comite, daß aufgeklärte Männer, denen vorzüglich das Gewicht inne wohnte, das Wort zu führen, aufträten, und sich öffentlich über das Aussprechen, was die Religion wahrhaft verletzte, so wie über das, was ihr, um Eingang in das Leben zu erhalten, hemmend in den Weg tritt. Denn nur — meint das ßomite befreit von obscuren, ja haltlosen Auslegungen, findet die Himmelsbotschast Zugang in die Herzen aller Leute, die dem Fortschritte huldigen. Das Comite aber sieht sich nicht ohne Grund zu diesen Klagen veranlaßt; es hatte jüngst von Seiten des Straßburger Oberrabblners ein Hemmniß erfahren, und mußte auf sein Gesuch um Autorisation, seinen Zöglingen am Sabbate Lehrstunden in Schwimmen geben zu dürfen, erfahren, daß der Dberrabbinec sich dahin aussprach: „die Religion den Israeliten verbiete, sich am Sabbate und Feiertagen zu baden." Das Comitü wandte sich deshalb an den Redacteur der Arch. Jsr., nicht allein die Angelegenheit als Pcincipfrage zu veröffentlichen, sondern auch, selbst sein Ur- (heil darüber abzugeben. Hr. Cahen hat dies aus eine Weise gelhan, die wir von ihm erwarteten. Er führt die unzweideutigsten Autoritäten dafür an, daß das Baden an Festtagen und Sabbaten auch den Israeliten erlaubt sei und bemerkt spitzig, daß es ihm wundern solle, wenn dem Herrn Oberrabbjnen solche Dinge entgangen sein sollten. Ec führt an den Magen Abraham 326, 7*. der, welcher sich (am Samstage) in einem Flusse badet, muß sich, sobald er aus dem Wasser steigt, wohl abtrocknen, damit kein Wasser auf ihm stehen bleibe. Er bemerkt überdem noch sehr zeitgemäß, daß das Baden, als Ersocderniß für die Gesundheit, unbedingt auch am Sabbate gestattet sein müßte und erklärt, daß nur eine gar spate Automat allenfalls dagegen sprechen könnte. Rabbi Mosche Jssarles im 16. Jahrh. nämlich sagt: “TM TO prTO „Man hat sich gewöhnt, das Flußbad am Sabbate zu unterlassen." Eine Gewohnheit des 16. Jahrhunderts aber kann doch vernünftiger Weise nicht Immerwährenden Einfluß üben wollen; denn hatten wir steif und fest an dem Axiom: min ^12" „die Gewöhnheit ist bei den Israeliten Gesetz" so werden wir endlich zu Thieren dev Gewohnheit, die sich gedankenlos in einem Wüste von Althergebrachten begraben, das sich cm sie hängt wie Centnerlast, beim Schwünge der Zeit das Fortschreiten hemmt und Ursache wird, das endlich das Rad der Zeit zertrümmernd 47*

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