Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-11-21 · Heft 47 (21.11.1840) · p. 361

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 47 (21.11.1840)
Article
Paris: Schreiben ... über die Damaskus-Geschichte
Date
1840-11-21
Page
361 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360141-2364132--1128-2364158
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 41® Leipzig, den 21. November 1840® Orient. (Paris, Schreiben von Jos.^Mendelssohn über die Damaskus-Geschichte). — Frankreich (Straßburg. Cornits der Gesellschaft zur Beförderung der Arbeit unter den israelitischen Armen). — Deutsch! a n d (Posen, religiöse Zerfallenheit der dortigen Gemeinde. Ein Rabbiner wie er nicht sein soll. Leipzig, die -Huldigungsfeier von den Juden gefeiert in Breslau, Münsterberg, Glogau Bütow, Beelitz, Aachen, Bonn, Trier, Ereuznach, Bromberg, Birnbaum, Stettin. Neudamm, Heitsberg, Schwarza, Magdeburg, Sch.önebeck). — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Die Juden Schwedens. —= L.-B. d. Orients. Orient. Pttkis, 13. Oclbr. Die Abgesandten der europäischen Judenschast an den Pascha von Egypten, die Herren Cremieux und Montefiore, werden in den nächsten Wochen hier zurückerwarcet. Ich schrieb Ihnen bisher nie ein Wort über das unheimliche Mutrathsel von Damaskus. Es gibt Dinge, die das Hirn mit einer so wilden Gedankenfluth durchjagen, daß man, wenn man sie in Worte kleiden will, recht schmerzlich unter der trostlosen Ohnmacht der kalten Sprache zusammensinkt. Alles Worte. Es ist der Schein der Flamme, das Echo des Sturmes, die Dämmerung, aber nicht der Tag. In Blut und Tyrarien müßte ich meine Feder tauchen, wollte ich schildern, was ich suhlte und dachte, als sich jene Grausenanklage gegen das mosaische Gesetz und seine Bekenner erhob. Mir war es, als bräche plötzlich der feste'Boden unter meinen Füßen zusammen, als wandelte sich der goldne. Frühlingstag in schwarze, undurchdringliche Nacht. Und durch das Dunkel blitzten blanke Henkerbeile, die Geißeln pfiffen, rosft zerfreffene Marterwerkzeuge kreischten und die Gemarterten stöhnten, verzweifelnd an der Menschheit, aber nicht an ihrem Gotte. Und wir schreiben doch das Jahr 1840 indem man die vierteSäcularfeier derErfindung einer herrlichen Kunst feiern wollte, das Jahr 1840, in dem jede Lippe zehnmal am Tage die Worte: Aufklärung, Vernunft und Duldung ausspricht. Falsche, heuchlerische Worte! Von seinen Thaten, nicht von seinen Reden wird das Jahrhundert, wie der Einzelne, gemarkt — die Ereignisse zu Damaskus brennen ihm ein Schandmal auf die Lügenstirn!-Die kommende Zeit wird nur widerstrebend, nur erröthend an diese mittelalterlich düstre Schreckensmähc glauben, wenn sie ihr aus den Chroniken des 19. Jahrhunderts kalt und fahl wie ein Gespenst und höhnend wie ein Dämon entgegentritt. Und wehrte sich dies in seinem Selbsilobe so unermüdliche Jahrhundert etwa gegen den Glauben an eine Anklage, die, wie es scheint, grade in ihrem absurden Unsinn einen undurchdringlichen Schild fand? — Das in dem schwarzen Kessel verjährten Wahnes, teuflischer Bosheit wieder ausgekochte Gericht war so pikant, man mußte es ja wohlbehaglich genießen. Die Lüge war so entsetzlich geistreich zusammengebraut, daß es wirklich schade gewesen wäre, sie durch ein verächtliches Lächeln in ihr Nichts zurückzuschleudern. Es ist nicht meine Absicht, hier alle die überzeugenden Gründe der Vernunft und Wahrheit zu wiederholen, die man für die Unschuld der Gemarterten von Damaskus und für die Reinheit des jüdischen Glaubens aufgestellt. Beredtere Stimmen kämpften dafür, und ihr kühner Eifer behielt, trotz aller Ränke der Bosheit, trotz starrer Blindheit der Massen, sein Ziel fest im Auge. Nur einen einzigen Punkt des barbarischen Processes, einen Punkt, auf den sich die Anklage triumphirend stützt, glaube ich von den Verteidigern durchaus nicht, oder doch sehr ungenügend beleuchtet und erklärt. „Die Familien der verhafteten Juden," schreit man, „wollten die türkischen Behörden, .sowie mehrere Glieder fremder Gesandtschaften, durch beträchtliche Summen bestechen. Diese unwiderlegliche Thatsache spricht lauter, als alles Andere für ihre Schuld." Noch vor einigen Wochen las ich in der „Leipz. Allg. Zeit." einen Brief des Majors v. Heilbronner, .der aus der „Augsb. Allgem." in dieselbe übergegangen war. Herr v. Heilbronner,' der vielleicht noch gegenwärtig im Oriente verweilt, hielt sich längere Zeit in Damaskus auf. Er besuchte die Consuls in ihren Häusern und die Gefangenen in ihrem Kerker, sogar die Familien der Gefangenen besuchte er. Der Herr Major hatte demnach Gelegenheit, sich aus eigner Anschauung und Beobachtung, eine Meinung in dieser verwickelten Sache zu bilden, auf der noch immer ein schwarzes Geheimniß, wie ein undurchdringlicher Schleier ruht- Aber sein Schreiben tragt im Grunde weder eine bestimmte Farbe für, noch gegen die Ju- 47

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.