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Der Orient · 1840-11-14 · Heft 46 (14.11.1840) · p. 357

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 46 (14.11.1840)
Article
Posen: über Beerdigung nach drei Tagen
Date
1840-11-14
Page
357 (sequence 3)
Language
German
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357 gefehlt hatte/ so wollte ich doch eine günstige, durch göttliche Fügung mir dargebotene Gelegenheit gegen jene mittelalterlichen Greuel öffentlich zu zeugen, nicht unbenutzt lassen". Die Rede selbst zerfällt in drei Theile, wo drei Haupthindernisse zur Bekehrung Israels erwähnt sind, wovon nach ihm das zweite Hinderniß „der gemeine Judenhaß ist, der bei all der Humanität und all dem Weltbürgersinn, deren man sich heut zu Tage rühmt, doch nicht ausgewurzelt ist. Dieser gemeine Judenhaß hat in dem neuern Emancipationsstreite viele der gehässigsten Schmähschriften hervorgerufen, welche dem christlichen Namen um so mehr Schande machen, je.mehr die Verfasser derselben darauf pochen. Er hat von jeher, nicht ohne die geschäftige Mitwirkung lügnerischer Proseliten, die sich an ihren vorigen Glaubensgenossen rachen und bei ihren neuen beliebt machen wollten, allerlei ungerechte Beschuldigungen gegen die Juden geltend gemacht, welche diese dem Christenthum immermehr entfremdeten, und an der Liebe, die es predigt, irre machten. Dahin gehört die Beschuldigung, daß die Juden Christenblut unter ihre ungesäuerten Brote mischen — eine Beschuldigung, deren Lügenhaftigkeit langst Luther und andere rechtgläubige Lehrer unserer Kirche behauptet und bewiesen haben, die aber, wie durch eine finstere Macht aus dem Abendlande in die Levante verpflanzt, in Damaskus und aus Rhodus, wie ihr Alle wisset, neue blutige Verfolgungen über das dort ohnedem bedrückte Volk gebracht hat. Die Geschichten von Damaskus und Rhodus müssen alle, denen der Fortgang des Missionswerkes unter Israel am Herzen liegt r zu "heiligem Zorne und Schmerze umstimmen. Es ist unverantwortlich, daß man unter den Juden des Erdkreises, die sich wie Ein Mann erhoben haben, dem christlichen Namen so bösen Leumund gemacht hat." — Galizien. Podkamitt, 21. Oct. In Ihrem schätzbaren Blatte Nr. 12. veröffentlichten Sie eine Mittheilung aus Wien vom 17. Marz 1840. Dieselbe betrifft die Beschreibung der lithographischen Abbildung eines Denk-und Ebrensteines mit sinnreichen Devisen, welchen die israelitische Gemeinde zu Podkamin dem Herrn Israel Bernstein aus Brody, aus dankbarer Berücksichtigung seiner Verdienste, um die daselbst neuerbaute Synagoge in derselben errichten ließ. Es ist sehr auffallend-, daß der Korrespondent diese Anzeige zur Publizität bringt, ohne daß das Factum des Berichts, wie es sich wohl allerdings ziemte, von Seiten der Vorsteher der Podkaminer Gemeinde, die nur allein in dieser Beziehung als Gewährsmänner, anzuerkennen sind, bewährt wurde. — So zweckmäßig es im socialen Leben ist, verdienstliche Werke zur Veröffentlichung zu bringen, so recht und unerläßlich ist es aber gewiß, darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Wahrheit dabei nicht verletzt werde; weil, sich sonst der Bericht, in dem nähern Kreise des citirten Ortes, wie es wirklich hier der Fall ist, ins Lächerliche auflöst, und der beabsichtigte Zweck ist dann vereitelt. — Diese Betrachtung veranlaßt mich denn auch, die diesfallige Anzeige zu berichtigen. Wahr ist's, daß Herr I. Bernstein, den fraglichen Denkstein auf eigene Kosten verfertigen ließ, allein die Podkaminer Gemeinde verweigert, denselben an den Mauern der heiligen Stätte anbcingen zu lassen, weil er dazu am allerwenigsten einen gerechten Anspruch habe; weil dem Betrage von 150 Fl. C. M., den er der Gemeinde zum Synagogenbau übergeben hat, nicht der Wohlthätigkeitsst'nn, sondern eine seinerseits stipulirte Verpflichtung zum Grunde liegt. Das Verhaltniß davon ist nämlich folgendes. Im Jahre 1835, wo Herr I. Bernstein Pächter der in Galizien bestehenden Kascherfleisch - und Lichtzündungs - Gefalle im Zloezower Kreise war, machte er sich gegen die Gemeinde Podkamin, als seinem Pachtcontrakte einverleibt, verbindlich, an dieselbe unter dem Bedinge 200 Ft. C. M. zum Synagogenbau zu geben, wenn sie das für die beiden Gefalle nach seinem Anschläge ausgebotene Präzium vollständig entrichten wird. So erhöhet und überteuert dasselbe für die kleine Gemeinde auch war; so mußte sie sich dennoch, vertrauend auf sein Versprechen, dem unbiegsamen Willen des Pächters fügen; allein derselbe hat seiner Seits das Versprechen nur zum Theile erfüllt, indem er von dem zugestandenen Geldbeträge nur 150 Fl. C. M. ihr übergab, und von dem Ueberreste bis auf den heutigen Tag nicht mehr wissen will. — Es fragt sich nunmehr, ob denn dem Hrn. I. Bernstein für seine Gabe ein Ehrendenkstein wirklich gebühre? — Man hat also denselben nicht eingemauect, sondern auf dem Dachboden des dortigen Gemeindevorstehers hingelegt, bis ihn der Eigenthümer abholen wird. — Wenn von dm vielen milden Gebern der israelitischen Gemeinde in Brody, die zur Gründung der gemauerten Synagoge in Podkamin beitrugen, einer einen Ehrendenkstein verdiente, so wäre es wohl die biedere wohlthätige Witwe Frau Sara Narhansohn, deren Beisteuer in baarem Gelde sammr dem von Gold und Silber reichgestickten Vorhänge zur Bundeslade und der Tischdecke auf dem Pulpet der Kanzel sich aus 1000 Ft. C. belauft. — Was den Punkt des Berichtes betrifft, daß die Verdienste dieses Mannes vielseitig sind, indem er in seiner Sphäre keine Gelegenheit zur Förderung des Guten vorübergehen lasse, ohne zur Saat, des Gemeinnützigen beizutragen, so muß auch diesem, hinsichtlich auf das Verhältniß der Wahrheit, geradehin widersprochen werden, und wer ihn mit seinem bizarren Charakter in seiner Handlungsweise genau kennen zu lernen Gelegenheit hat, der wird ihm schwerlich diese Anerkennung mit gutem Gewissen ein-

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