Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1840)
- Article
- London: Belais ; Dr. Bibas ; Raphall
- Date
- 1840-11-07
- Page
- 348 (sequence 2)
- Language
- German
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348 With regard to my fitness^ in tliis rcspect, for the ofH.ce to wliicli I venture to aspire, it would be presumptuous in me to do morc than what I respectfully beg leave to be permitted to do; viz. to refer to the past as some indieation of what may be expected from. me in future. I am led to issue this circular tlius early, as it sometimes happens that one candidate for a vacant oflice liaving obtained the advantage of priority of application, individuals are induced to promise their votes betöre it is known what othcr candidates may present themselves. I shall, in proper time, have the honor of waiting upon you to solicit your Support; and, shouLd you be pleased to grant it, rest assured that my utmost endeavours will be exerted to justify, by unremitting attention to the duties of the office, and honest zeal for the interests of the Congregation the preference manifested in my favor, and the confidence with which 1 am honored. I am, SIR, Your respeetfu Servant, M. J. RAPHALL. 17, Millman Street, Bedford Row, 26th Elul—23rd September, AiM. 5600. Deutschland. Bkeslau, 30. Octbr. Noch sind es nicht zwei Jahre, seitdem Abraham Geiger Wiesbaden verließ, um in Folge einer Aufforderung des hiesigen Gemeindevorstandes die Functionen eines zweiten Rabbiners hier zu übernehmen. Vieles hat sich wahrend seiner Wirksamkeit zugetragen, sehr vieles ist bereits geschehen, und für das Meiste sind die kräftigsten Anfänge zu einer schönen Vollendung vorhanden. Es ist unsere Absicht, dies kurz zusammengefaßt zu berichten und durch eine strenggenaue und parteilose Darstellung der Vergangenheit und Gegenwart eine Vergleichung herbeizuführen, deren Resultate dem Publikum die richtige Würdigung eines der thatigsten Männer unter uns an die Hand geben sollen. Geiger kam auf ungeebneten Wegen zu uns, Dornhecken versperrten den rauhen, schlüpfrigen Pfad, das Volk empfing ihn nicht begrüßend an den Thoren und die Blumen der Freundschaft, die ihm entgegen dufteten, waren zu zart und sehr gering. Welche Finsterniß umgab ihn, als er unter uns trat, in welcher Ferne noch dämmerte der Strahl der Erkenntniß, wie tief verhüllten ihn die bösen Nebel trotziger Dummheit, und weisheitsvoller Tücke! Wer kennt nicht den Zustand unserer Juden in noch nicht gar zu fernen Jahren, wer weiß nicht, daß der Geist einer frommen humanen Aufklärung, wie er sich überall schon geltend gemacht, hier am längsten in seinen Windeln geschnürt, am Wachsthum gehindert wurde? Sei es die Nähe Polens, das seine starren pedantischen Glaubenssatzungen zu uns zu übersiedeln und wenn auch nur als sich verflüchtigendes Element zu erhalten wüste oder ein eigenthümlicher Jndifferentismus, der sich aus mancherlei Gründen, bei anderen Gelegenheiten gleichfalls offenbart hat, und sich aus den Kreisen der Beschränktheit nicht heben konnte, jedes von allem oder alles zusammen hat jene Hemmungen in den allgemeinen Fortschritten unter uns erzeugt. Was Einzelne, welche die Woge des öffentlichen bedeutsameren Lebens mit sich forttrug, dachten und wünschten, und die Intelligenz dem einen und dem anderen mahnend ans Herz legte, scheiterte an der Kraftlosigkeit der Mittel und dem Mangel an Unterstützung von denjenigen Seiten, deren Gewicht die Masse bestimmen muß. In dem Gewirr dieser Zustande erschien Geiger, das wahre heilige Wort gläubig verkündigend. Seine Sprache war milde, seine Gesinnungen liebevolle Toleranz und frei von gehässigem Eifer, seine Lehren gelautert und durchdrungen von der unendlichen Tiefe und dem erhebenden Ernste unserer Religion. Die Pharisäer schüttelten das Haupt und erhoben die Hand, ihn aus dem Tempel zu werfen, damit ihn das Volk steinige; ihre Minerveneule konnte das Tageslicht nicht vertragen, das sich auszubreiten begann. Dank sei es unserem würdigen Vorstande und allen Freunden des Guten, Dank den Beschlüssen unserer weisen Behörde, daß sie durch ihre rastlosen Bemühungen und ernste Einsicht dessen was noth that der Bosheit den Sieg entrissen. Wir kennen durch das Vollbrachte das, was wir in anderem Falle verloren hätten, und die Ergebnisse von Geigers . Thätigkeit sind so allgemein geworden, daß sie ein Jeder an sich und den Seinigen wahrnehmen kann. Wie hat G. durch seine Predigten gewirkt, in wie vielen Hai er durch, sie die unfruchtbare Gleichgültigkeit zur lebendigen Theilnahme verwandelt, wie viel abgestumpfte Gemütber sind zu neuer Regsamkeit erweckt, — und das ist unendlich nothwendig für uns, weil wir so viel, so gewaltiges noch zu erringen haben. Seine Predigten sind klar und verständlich, einfach genug um die Masse zu durchdringen und voll von Wahrheit und Tieft um das Herz erfüllen und rühren zu können, sein Organ ist wohltönend und einschmeichelnd, und seine Rede, weil sie jeder schriftlichen Vorbereitung entbehrt, bewunderungswürdig fließend und abgerundet. Die junge Generation hängt in begeisterter Verehrung an ihm, namentlich unsere Töchter, auf welche Geiger einen wunderbaren Eindruck ausübt, weil er die Seiten des Innenlebens, für die das weibliche Geschlecht stets inclinirt, mit wohlthuender Zartheit zu berühren und manches stützelose Gemüth einem auftechterhaltenden Selbstbewußtsein zuzusühren versteht. Seine Vorträge sind stark besucht und die Synagoge, die früher nur an den Festtagen sich füllte, scheint für den Kreis der Zuhörer an jedem Sabbat zu klein zu werden. Diese Erscheinung verdient die wichtigste Beachtung, weitste unserer Ansicht nach, am meisten geeignet, sein dürste, eben jene Resultate der Vergleichung, von denen wir im