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Der Orient · 1840-11-07 · Heft 45 (7.11.1840) · p. 345

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 45 (7.11.1840)
Article
Leipzig: Schluß der Betrachtungen über die Damaskus-Geschichte
Date
1840-11-07
Page
345 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lobt* Postämtern und allen soliden Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von »r. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen- und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 4Ä» Leipzig, den 7. November 484O» Orient. (Leipzig, Schluß der Betrachtungen üb. die Damaskus-Geschichte). Alexandrien, ein Schreiben Cremieux's nach Paris, als Epilog — Großbritannien (London, Belais. Dr. B i b a s. R a p h a l l). — Deutschland (Breslau, Dr. Geigers Verdienste. Darmstadt, eine hessische Verordnung über den Schulunterricht. Düsseldorf. Essen, die Huldigungsfeierlichkeit). — Lichtu n d Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Die Judenschaft der Stadt Danzig. Neueste Minifterialverfügungen in Preußen. — L.-B. d. Orients. Orient. Leipzig, 21. Octbr. (Schluß.) Soll ich noch eine andere Geschichte erzählen, die mit dem Blute grausam Gefolterter geschrieben ist? Blicket hin, nach Jralien, wo noch jetzt dergleichen Mahrchen neben einem unleidlichen Aberglauben bemüht sind, den alten " Haß gegen.Israel festzuhalten, den Fanatismus zu nähren. Fast um dieselbe Zeit nämlich, wo Belgien sein Fest begeht, am 24. März, feiert Trient einen großen Festtag, und feiert ihn alle Jahr in großer Pcocession und mit religiösen Cerewonien; denn an diesem Tage des Jahres 1475 ward der heilige Simonin, ein kleines Kind, von einem Juden ermordet, und noch heute darf kein Jude in dieser Stadt eine Nacht zu bringen, wahrscheinlich um die Manen des Erschlagenen nicht zu beleidigen. Die Geschichte ist folgende: An obenerwähnten Tage erschlug ein Bösewicht, Namens Enzo ein zweijähriges Kind, Namens Simon, und warf es in die Schleuße nahe an dem Hause des Juden Samuel. Nachdem man das Kind vermißt hatte, nahm man sogleich die Juden vor, doch die Untersuchung ergab nichts und die Sache blieb auf sich beruhen, bis man das Kind vor dem Hause des Genannten fand. Alle Juden wurden jetzt auf bischöflichen Befehl ergriffen, gefoltert und gestanden unter der Marter bis auf einen Greis, der sich lieber zu Tode schinden ließ, als daß er eine Unwahrheit gegen sich selbst ausgesagt hatte. Zwei Richter aus Padua kamen, und wollten die Sache im Wege Rechtens untersuchen, aber der Pöbel drohte sie zu tödren, die Juden wurden mit glühenden Zangen gezwickt und getödtet. Das Kind ward ausgestellt und that Wunder. Seine Leiche verweste nicht und die Gläubigen kamen von Nahe und Fern herbei, um den kleinen Märtyrer zu schauen und von seinen Wundergaben zu genießen. Pabst Sixtus IV. sollte das Kind heilig sprechen, aber der nach Trient gesandte Legat berichtete, daß die Leiche balsamirt worden sei, um sie vor Faulniß zu bewahren, ja er entdeckte, daß das Kind auf Anstellung der Judenfeinde getödtet worden sei, um die Juden zu verderben. Erst über hundert Jahre später wurde das Kind canonisirt und noch heute feiert Trient das Gedächtniß dieser doppelten That des Hasses. Doch weg von diesen Gtäueln, welche das Herz empören, und die Liebe erkälten, die wir so nothwendig brauchen. Damals mußten die Gedrückten den Ton der Klage in ihre Brust verschließen und die das Aeugniß für die Glaubensgenossen, für die Unschuld ihrer Brüder abzulegen im Stande waren, mußten es in den tiefsten Winket der Bibliotheken verborgen halten, bis Jahrhunderte von daher es hervorzogen, die begangene Ungerechtigkeit ans Licht zu bringen. Heute nicht also! Oeffentlich vor den Augen der Nationen dringen unsre Gesandten, sie die sich aus freiem Antriebe ihres Herzens zur Erlösung ihrer Brüder nach dem Orient begeben haben, auf strenge Gerechtigkeit; sie gehen nicht, um Gnade zu flehen, sie fordern strenge aber parteilose Handhabung des Rechts, weil ihr Gewissen, weil das öffentliche Gewissen Israel, das Volk, freispricht von jeder solchen Schandthat und Blutschuld. Wir wissen es von vielen Seiten her und die Berichte der verschiedensten Partheien und öffentlichen Organe Haben es uns als zuverlässig verkündigt, daß die Herrn Montefiore und Cremieux von dem egyptischen Pascha nicht um Niederschlagung des Processes, sondern um Erneuerung der Procedur baten, 45

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