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Der Orient · 1840-10-31 · Heft 44 (31.10.1840) · p. 341

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 44 (31.10.1840)
Article
Oesterreichische Grenze: die Gemeinde in Teplitz
Date
1840-10-31
Page
341 (sequence 3)
Language
German
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341 durchdachten und inhaltreichen Predigten, so sehen wir das echt religiöse, reformatorische Streben im schönsten Entwickelungsgange. Dieser Geistliche hatte den Kern seines Rabbinats mit scharfsichtigem Blicke aufgefaßt. Dieser richtige Blick gab seiner klassischen Bildung jenes nothwendige Uebergewicht, jene sichere Autorität und Consequenz, die sich weder durch Nachahmungssucht, noch durch die Ansichten der verschieden sich bildenden Parteiungen bestechen ließen, die nur den frommen Eingebungen und dem logischen Denken Folge leisteten. Fr. hatte aber eines und zwar das Nothwendigste außer Acht gelassen, den geistigen Fortschritten seines Wirkens auch eine legale Kräftigung und Befestigung zu verschaffen, damit das so schön begonnene Werk weder durch seine etwaigen Nachfolger verlieren, noch verunstaltet werden könnte. Hier begegnen wir der Klippe, an der so manche junge Theologen noch scheitern, indem ihr Wirken nicht ganz für die Zukunft, sondern mehr auf die Gegenwart berechnet ist. Der Dr. Frankel wurde nach Dresden als Oberrabbine berufen, und Herr David Pick folgte ihm im Amte. — Ob die Umsicht im israelitisch - theologischen Gebiete, ob Glück oder Nebenumstande jenen ganz unbekannten Mann zu die er geistlichen Würde erhoben, wollen wir auf sich beruhen lasten, und nur die Dreistigkeit in Betracht ziehen, ein solches Amt, nach einem solchen Vorgänger so leicht zu übernehmen. Wenn wir aber die Individualität dieses Namens naher kennen, so dürfen wir uns über jene Dreistigkeit nicht mehr, wundern, weil eben dem Hrn. P. ein reelles Studium der isr. Theologie sowohl, als auch der Philosophie abgeht, wie er überhaupt bei einigem talmudischen Wissen nur eine dürftige Schulbildung durch Privatunterricht sich angeeignet. Da also eine Parallele mit dem Vorgänger zu ziehen, eben so wäre, als eine gerade Linie mit einer krummen zu vergleichen, wie konnte also der Mann die Wichtigkeit eines solchen Amtes in jetziger Zeit begreifen? Wie konnte er inne werden, daß eine Concurrenz von seiner Seite eine Dreistigkeit wäre? Wie aber, könnte man fragen, begreift Hr. P. demnach seine Stellung? wie steht es um die Erfüllung seiner Funktionen? wie steht es um den Schulunterricht? — Sollten wir diese Fragen der Wahrheit gemäß beantworten, so versteht es sich von selbst, daß die Resultate nur ungünstig ausfallen müßten. Die Behauptung seiner Stelle ist von praktischer Seite eine sichere, da die Geistlichen von Seiten der Behörden in den K. K. Oesterr. Staaten consirmirt werden. Ob er sich aber als Geistlicher bei seiner Gemeinde Anerkennung erringen wird, darauf müssen wir antworten: nein, weil ihm die Kenntnisse hierzu und sonach auch die Autorität abgeht. —- Seine Funktionen, die größeentheils in Predigten, im Ja und Nein antworten bestehen, werden kaum erfüllt, und erstere sind nicht mehr als gewöhnliche Schularbeiten, bei welchen sich der Schüler durch einen Wust oft sehr ungereimter Bilder die Seiten auszufüllen sucht, dem aber die Unterabtheilungen der gefundenen Disposition fremd sind. Man denke sich nun eine solche Arbeit mechanisch memorirl, vor einem Auditorio mit der größten Kälte und dabei lächerlichen Gestikulation vorgetragen, und der Leser wird sich wohl die Wirkung vorstellen. Hierbei aber ist es natürlich, daß ein solcher Mann, da das eigentlich Geistige ihm fehlt, mehr auf das Aeußere, freilich ohne darüber zu denken, sein Augenmerk richtet, und da hat ec denn auch manches Gute geleistet. Der Gottesdienst hat durch ihn eine sehr edle Richtung gewonnen und der als Vorsänger hier angestellte N. Schießer, dem die Natur bei seiner angenehmen und lieblichen Stimme, einen so feierlichen Vortrag verliehen, daß er wahrhaft zur Begeisterung hinreißt, leistet Erstaunliches. Der Versöhnungstag, wo der Cantor von früh 6 bis Abends gegen 7 Uhr mit wahrhaft feierlicher Stimme die schönen Gebete vortrng, und mit Begleitung der Orgel die erheblichsten Stellen zum Entzücken sang, wird mir unvergeßlich bleiben. Wo es sich aber um das Innere des Judenthums handelt, wo das geistige Wachsthum desselben in Betracht gezogen werden soll, da muß die Kritik nur tadelnd auftreten. Die Schule ist endlich von Seiten des Rabbinen einem Manne Namens Stern ganz anvertraut, der sowohl von wissenschaftlicher als auch von moralischer Seite unwürdig ist; beschwert man sich hin und wieder deshalb beim Rabbinen, so zuckt der gute Mann nur die Achsel, entweder weil er keine bessere Antwort momentan vorrathig hat, oder er schweigt, welches überhaupt ein Grundzug seines Charakters ist. —■ So ist denn das schöne Werk Frank el's in der Wurzel zerstört, und was in der Reform sich als äußerlich schön noch herausstellt, muß dem wahrhaft denkenden Israeliten eine Kalte zurücklassen, die sich denn auch bei dem größten Theile der Gemeinde bekundet. Diese kurzgefaßten Belege sollten nur zeigen, daß die Reform der öffentlichen Revision durch ein unparteiisches Organ bedarf, um zu läutern und zu säubern, und Andeutungen zu geben, damit das eigentlich Gute hervortrete> und eine dem Kerne unserer heiligen Religion angemessene Schale bereitet werde. y). Leipzig, 20. Oct. Ueberall, wohin sich unser Auge wendet, .wo jüdische' Verhältnisse uns begegnen, treffen wir auf die unerfreuliche Erscheinung, daß, so wie das Volk sich der Emancipation der Juden in materiellen Dingen widersetzt, weil es seinen Egoismus beeinträchtigt glaubt, und ihm dasjenige das himmelschreiendste Unrecht zu sein scheint, was nicht seine Privilegien und Vorrechte sichert, die Regierungen eine geistige Emancipation aus andern Gründen beanstanden. Und doch, was ist die Sicherung und Gewährung aller,, selbst der ausgedehntesten materiellen Vortheile für unser

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