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Der Orient · 1840-10-31 · Heft 44 (31.10.1840) · p. 339

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 44 (31.10.1840)
Article
London: Einzelnes von daselbst
Date
1840-10-31
Page
339 (sequence 2)
Language
German
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wenn ec, seiner Fahne und deren Fähnlein getreu, den angeerbten Boden, den Antheil am Weinberg des Herrn nach Pflicht und Recht hüten und vertheidigen-zu müssen glaubt; so wird es auch uns nicht mißdeutet werden dürfen, wenn wir gerade im Augenblicke, wo jenen grauen Mann der äußersten Rechten ein gewiß unverschuldetes Unglück so hart trifft, unsre jüngern Glaubensbrüder an die Rechte der Zeit, an die Verjüngung der äußern starrgewordenen Religions fo r m e n ernstlich mahnen. Die Richtwage der Oeffentlichkeit ssoll durch den Staub einer einzigen Persönlichkeit, sei sie auch schwer an Gewicht, weder steigen noch sinken. Und wenn wir am heiligen Versöhnungstage das brünstige Gebet tychp rbü/ für viele unsrer Brüder im geistigen Sinne zum gütigen Vater im Himmel gesendet, so haben wir es für den nach seinem Sinne frommen Rabbi, der der Wahrheit vielleicht sehr nahe ist, gewiß mit ungetheiltem Herzen auch in leiblicher Bedeutung gethan. Möge er, der da heilet alles Fleisch, auch ein Wunder thun! Und sein ist das Gericht! denn jedes Menschen Weg ist der rechte in seinen eignen Augen, aber von Gott ist jeder seiner Schritte! Wir leben aber in einer Zeit, die schneller geht, und darum haben wir es für Pflicht gehalten, die Wächterstimme zeitig ergehen zu lassen., damit die Schlauheit, die schon ihre Netze ausgespannt hat, nicht siege, während man auf der andern Seite bemüht ist, das Samenkorn des Guten auszustreuen, KD'ort ni! — Auch eine Gutes versprechende Erscheinung will ich nur vorläufig anzuzeigen nicht unterlassen. Der allgemein geachtete gelehrte Chacham der portugiesischen Gemeinde Hieselbst, Hr. De Sola, beabsicht im Verein mit Hrn. Rehfeld, von Geburt ein Schwede, eine jüdische Zeitschrift herauszugeben. Wir müssen es Ihren Landsleuten, den Deutschen, zugestehen, überall den ersten Impuls zu geistiger Tätigkeit gegeben zu haben. Und es ist nicht zu leugnen, daß die jüdischen Zeitschriften Deutschlands, außer der allgemeinen unberechenbaren Wirkung auf die jüdische Gesammtheit, so wie auf die Meinung der Christen, wie sich beides in der Damaskus-Geschichte am schlagendsten herausgestellt, auch noch unstreitigdas Verdienst Hatzen, ein Organ für jüdische Interessen in Frankreich und nun auch in England hervorgerufen zu haben. Eine Pa-negycik dieser. Institute hier zu geben, dürste über-- flüssig sein; dennoch muß man andrerseits gestehen, daß sich dieselben, wie ich aus den Berichten der uns besuchenden Deutschen, oder vielmehr aus der Unkünde der meisten unter ihnen entnehme, keineswegs noch der Unterstützung erfreuen, die sie im Verhaltniß zur hoch- gerühmten deutschen Intelligenz eigentlich erhalten sollten. Des Deutschen Feindschaft wie des Deutschen Freundschaft scheint im Kops, nicht in der Hand seinen Sitz zu haben. Ich lebe aber der Ueberzeugung, daß in England mindestens das Umgekehrte statt findet. Ein Beweis, daß der deutsche Jude nicht gerade eine der besten Eigenthümlichkeüen seiner christlichen Brüder angenommen, denn der Jude ist so wenig von Naturgeizig, als der Engländer. Um meine Behauptung zu rechtfertigen, genüge das einzige von mir erlebte Faktum, daß Jemand hier auf ein Blatt nicht abonniren wollte, daß bei solchem Umfang und Volumen nicht einmal ein Pfund koste. Dabei fallt mir ein,, wie leider noch immer nicht unbedeutende Mittel auf unnöthige, wd nicht unnütze Schriften verwendet werden, deren Verfasser oder Herausgeber immerhin der Unterstützung nicht unwürdig fein mögen. Es wäre nur zu wünschen, daß diese auf eine andere, nicht minder zarte Weise gereicht würde, ohne daß der Geber, in der Meinung etwas für die jüdische Literatur gethan zu haben, seine thätige Aufmerksamkeit dem Bessern entziehe. — Der Sohn des seligen R. Akiba Eger s. A. sammelt hier Pränumeranten auf zerstreute Bemerkungen des Letztem über die Mischna. Wenn wir den Aeußerungen unsrer Gelehrten trauen dürfen, so bedürfte man jetzt solcher, wahrscheinlich in ganz anderem Sinne und Geiste geschriebener Wecke nicht. — Auch einen alten Freund aus Paris sind? ich wieder hier,, den Herrn Abraham Belais „Exfchatzm erster des Bay von Tunis und Oberrabbiner in Nizza und Algier," wie er sich unterschreibt. Dieser Manu und seine an die größten Begebenheiten Europas sich, knüpfenden Schicksale sind wie ich vermuthe in Deutschland, wo er die Runde gemacht, nicht unbekannt.*) Minder bekannt dürfte vielleicht das Schicksal seiner Schriften sein, das etwas origineller Natur ist. (Fortsetzung folgt.) *) S. Iudenzeitung 1837. Deutschland. Oesterreichifche Grenze, 21. Set. Die theologische Beweglichkeit innerhalb des Judenthums hat in den letzten Jahren an Lebendigkeit und Energie zugenommen, und der Grund dürste wohl nur in der Veröffentlichung dieser und jener Verbesserung, in der öffentlichen Rüge dieses und jenes Fehlers, sowohl in dem Gebiete der isr. Theologie selbst, als auch in dem Streben und Wirken der verschiedenen Theologen zu finden sein. Die isr. Zeitschriften haben sonach die noch rohe Materie der Reform zu bearbeiten, und auch was besonders wichtig ist, jenem nurzu oft in sich selbst widersprechendem, stetem Umgestalten den- Hemmschuh anzulegen gesucht, weil eben das nur Aesthetische dem religiösen Standpunkte nicht genügt, ja oft demselben störend entgegenwirken könnte. Diese Gegensätze hat das freie Wort aufzuheben, diese Aufgabehat es zu lösen, wenn ein gerundetes System für Israel daraus-erwachsen soll. 44*

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