Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 42 (17.10.1840)
- Article
- Rückblicke auf einige die Schrift: "Rabbinenwahl rc. rc.", betreffende, unschuldige Mißverständnisse
- Date
- 1840-10-17
- Page
- 659 (sequence 2)
- Language
- German
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üösj g/utawwe auy emlge v. wcpnyc//.^appmenwci9vr-mrv^ctp»ei:|ta.npmf|e ^m\ «o^oft^:-660 die im Allgemeinen, an den Rabbinen zu stellen wären, näher und mehr als es die hier genugsam bezeichnete Tendenz unsers Schriftchens erheischte, na hm hast zu machen, und daß unser Breslauer Correspondent mit Unrecht für seine Deah Platz darin begehrt. — Daß aber auch selbst von einem in' der hier bezeichneten Weise ungünstig influirten jüdischen Theologen der neuen Zeit eine im hohen Grade ersprießliche, wahrhaft segensreiche und selbst ejg ent h ümlich e, religiöse Wirksamkeit ausgehen könne, und theilweisc auch dessen Stellung und Verhältniß zum eigentlichen Rabbinen, sucht der Schluß des Schriftchens S. 18—20 mit wenigen Zügen anzudeuten. Eine solche Wirksamkeit wird nun namentlich in den religiösen Vorträgen erkannt und anerkannt, in sofern nämlich diese von den ihrerseits in ganz eigenthümlicher Weise oft nicht minder ergreifenden Vortragen der alten Rabbinen sich doch schon durch den Schwung und die Manier jugendlich frischer religiöser Begeisterung, und als eigentliche, den geläuterten, mithin europäischen Geschmack ansprechende Kunstgebilde unterscheiden, vorausgesetzt daß jener neue Theologe in der ThaL mit .allen Eigenschaften des Geistes und des Herzens, mit allen Mitteln der Bildung, der Kunst und der Wissenschaft zu solcher Rede ausgerüstet ist. Denn nicht die B eg e i st e r u n g für Religion , Recht re.' wie irrig angegeben (Allg. Z. d. I. und Berl. 8. Z. a. a. O.), sondern nur die Macht der Rede in dieser Beziehung ist hier als das unter gewissen Umständen dem jüdischen Theologen der neuen Zeit (dem alten Rabbinen gegenüber) E i g e n t h ü m l i ch e gefaßt. Daß übrigens dabei am wenigsten an einen Widerspruch gegen die früher nachgewiesene, nur durch das zufällige Hinzutreten der bezeichneten ungünstigen Einflüsse bedingte Unzulänglichkeit des neuen Rabbinen zu denken, setzen schon die Worte S. 19 in diesem Falle und für solche Wirksamkeit (nämlich das unmittelbar vorher bezeichnete Gebiet der Erbauungsvorträge) ausser Zweifel. So viel und genug, wie wir glauben, des Röthigen zur Würdigung der falschen Angaben d. isr. Ann. iu allg. Z. d. I. aa. aa.OO. Ton und Haltung, namentlich der Anzeige im erst genannten Blatte, mögen sich selbst richten. Jede weitere Bemerkung hierüber von unserer Seite hieße dem Leser Verstand und Gefühl absprechen. Um so eher können wir uns nunmehr darauf beschränken, hier fortan nur noch mit Hrn. Dr. H. weiter über das Wichtige seiner gegen uns gerichteten Eröffnungen auseinander zu setzen. - Hr. Dr. Holdheim sagt S. 16' o. a. O.: Entschieden müssen wir vor Allem die Bezeichnung unserer Zeitbildung als eine ch r i stl i ch - g e r m a n ische, oder selbst, als allgemeineuropäische abweisen. Denn die Zeitbildung, in so fern wir unter ihr nicht etwa die Geistesn'chtung einer bestimmten Zeit in Ansehung gewisser Begriffe und Meinungen in Politik, Kunst, Wissenschaft, Geschmack und Lebensweisen, sondern die Hauptsumme von Erfahrungen aller Jahrtausende und der aus ihnen erwachsenen historisch entwickelten und geerelften Lebens- und Weltanschauungen und Beurtheilungen alles dessen, was in den weitesten Kreis menschlichen Interesses gehört, verstehen, ist weder eine christlich-germanischen, noch eine allgemein europäische , sondern eine allgemein -, m enschliche rc. Eine christlich-germanische Zeitblldung erkennt mithin (in dem Satze: in so fern nicht etwa rc.) Hr. Dr. H. auch an, nur unterscheidet er davon die a l l g e m e i n - m e n sch l i ch e. Fragt man nun, wie dies hier doch sehr nahe liegt, zunächst nach dem Verhältniß Beider zu einander, 'so ergiebt sich bald, daß sich die letzteren wie das Abstrakte zum Concreten sich verhält, d. t. die allgemein menschliche Zeitbildung hat keine Realität, sie ist, wie dieses im Grunde schon ihr Prädicat erkennen läßt, elgentlich nirgends; sie ist keine wirkliche. Bei jedem Volke, in jedem Zeitalter tritt die Bildung als die Bildung dieser Zeit und dieses Volkes, als eine besondere und zufolge ihrer historischen Realbedingungen individuell bestimmte auf. Bei einem Volke der Civilisation ist dann dessen Bildung so gewiß nicht die allgemeinmenschlichen; sondern schließt vielmehr diese Letztere in sich und ist eben nur die cöncrete bestimmte Manifestation derselben. — Offenbar begreift dann auch die allgemein-menschliche Bildung nicht blos die H a u p t su m m e der Erfahrung (das Wort in seinem gewöhnlichen Verstände genommen), sondern zugleich auch die Hauptsumme der Ansichten, Anschauungs - und Empsindungsweiscn aller Jahrtausende, in so fern sie ein stets wahrhaft bildendes Moment abgeben. Daß aber selbst die treueste Auffassung und Aneignung dieser Momente der allgemein-menschlichen Bildung, zu jeder Zeit und von jedem Volke, ja selbst von jedem Individuum anders, stets in besonderer, eigenthümlicher Weise und nie ohne charakteristische Färbung erfolge, braucht wohl nicht erst bewiesen zu werden. Dazu kommen aber dann noch diejenigen Momente der Zeitbildung, welche als das reine Produkt eben dieser Zeit, als ihr eigenthümlicher Antheil an der Zeitbildung anzusehen sind. In der Zeitbildung sind demnach zwei Factoren derselben zu unterscheiden: das Erbe der Vergangenheit, und der Antheil der Gegenwart. Der Antheil der Gegenwart besteht aber dann nicht weniger in dem Eigenthümlichen der Auffassung des» Ueberkommenen, als auch in selbstständigen Beiträgen. Es giebt daher immer nur z. B. eine gallische, romanische, germanische, slavische, und wird es, nftnn unsere auf die sogenannte klassische Bildung gegründete Civilisation erst die Völker des Orients bewältigen sollte, immer nur eine osmanische, persische, mongolische, indische rc. Bildung geben,, nie aber in der Wirklichkeit eine allgemein-menschliche. Daß jede Bildung genau genommen eine ganz individuelle ist, hindert uns nicht, Nationen, und selbst Complexe von Völkern, deren Bildung auf gemeinschaftlicher Grundlage große Uebereinstimmung darbietet, in ihrer Besonderheit als Individuen zu fassen; aber von einer a l l g e m ein menschlichen Bildung, die als solche gerade jede Besonderheit und Individualität von sich ausschließt und abweiset, ^kann aber deshalb^ um so weniger die