Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 42 (17.10.1840)
- Article
- Mahzor le-mo'ade El. Festgebete der Israeliten ... [Rezension]
- Date
- 1840-10-17
- Page
- 649 (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturbtatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 42. Leipzig, den 17. Oclober 1840. Literarische Uebersichten: I. N. Mannheimer's Feftgebete der Israeliten für das Bethaus zu Wien. — Bemerkungen über die neuesten Bibelübersetzungen. Bibelübersetzung unter Dr. Zunz. — Rückblicke von Dr. Lo wositz. Schluß. — Die fortschreitende Entwickelung der Cultur der Juden in Deutschland. — Literar. Ankündigungen. Literarische Uebersichten. 31) ^M 71TI7D. F-stgcbcte der Israeliten nach der gottesdienstlichen Ordnung im israelitischen Bethause zu Wien und in mehreren andern Gemeinden. Mit einer neuen Uebersetzung von I. N. Mannheimer, Religionslehrer und Prediger. Wien, 1840. Franz Edler von Schm id und I. I. Busch. Erster Band, die Festgebete für die beiden Neujahrstage, zweiter Band, die für den Versöhnungstag, dritter Band, die für die drei großen Feste enthaltend. Die Reform und Umgestaltung des Rituals und der jüdischen Gebräuche nach Keit und Umständen hat das Judenthum von Anbeginn nie verschmähet; ist das nationale Gebäude morsch und baufällig, sagt der Talmud, so mache dich auf und stütze und umzäune es nipnv dm M7W S idm rupt o rcn 7m) hViyi NwZ) j. Berachot zu Ende); aber das nationale Gebäude ist nicht so baufällig, daß man keinen Stein auf dem andern lassen müßte, und sein Gemäuer ist nicht so morsch, daß man es ganz und gar niederreiße. Wir sollen, sagt Maimonides, (Mischna-Com. Berach. Ende) die Anordnungen (n^pn) unserer Altvordern nicht bespötteln, die auf uns vererbten Gebräuche nicht verachten, und seien sie noch so alt; und sind unsere rYOpn und Q’Oi’UO auch noch so alt, so sind sie doch noch nicht so veraltet, daß sie aus dem jüdischen Leben, verbannt werden müßten. Aus diesem Gesichtspunkte war es uns sehr angenehm, daß Hr. Mannheimer seine neue Anordnung der Festgebete ganz in dem ächten jüdischen Sinne ducchgeführt, d. h. weder nach einem rationalistischen noch nach einem ästhetischen Principe zu ändern gewagt, sondern lediglich im Sinne der volksthümlichen Anschauung die Menge der Pijutim vermindert, indem nur die Nationalsten zurückbehatten wurden. Zn einer. Anmerkung zu dem feierlichen *)pin PUnJI spricht Hr. M. diese Ansicht unverholm aus, und man könnte sie als einziges Princip der ganzen Bearbeitung betrachten; es heißt daselbst II. 328: „die Darstellungsweise (des pjpin rurüO ist von einer gewissen anthropomorphistischen Ansicht nicht freizusprechen, und sie saßt das göttliche Walten allerdings zu sehr in menschliche und weltliche Begriffe. Indessen sind, die darauf bezüglichen Ausdrücke mehrentheils biblisch; und überhaupt dürste es wenige Gebete geben, die bei solcher Innigkeit und Lebendigkeit der Anschauung sich von dem Fehler frei gehalten hätten. Die. nüchterne Reflexion genüget wahrscheinlich dem nach Gott verlangenden Herzen nicht. Was insbesondere die Ansicht von dem Neujahrstage betrifft, als dem Tage des Gerichtes und der Vorherbestimmung, so ist diese Ansicht die vo l ksthü m l ich e und überall im Gebetbuche vorherrschend. Der Mißdeutung der Lehre, dem Mißverständnisse, in so fern sie eine fatalistische Richtung einschlüge, oder sonst den Begriff einer göttlichen Vorsehung zu mg fasse, ist auf anderem Wege zu begegnen". Aus diesem Prinnpe allein läßt es sich nun erklären, warum gerade die sprachlich sehr harten Reschut's die unpoetischen Hymnen riMn, rbyy p'rbxb 17DM, v'ybM ntogo H ^9' u. s. >v., das ungehörige Kol- Nidre, die A b o d a und ähnliche Stücke die einzigsten sind, die er festgehalten hat, weil sie ganz allein unter allen Pijutim die nationalsten sind und am ungernsten vermißt werden.— Was die Uebersetzung betrifft, so ist sie durchgehends im Geiste des hebräischen Originals, einfach und ansprechend, jedoch bei den vielen schon vorhandenen Uebersetzungen nicht besonders hervorstechend; die freie fast epigrammatische- Uebersetzung des p OJöK von De. Sachs aber springt durch die glückliche Nachbildung in die Augen. Es wäre gewiß sehr zu wünschen, daß sammtliche Pijutim, wenigstens so weit sie der Syira- 42