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Der Orient · 1840-10-10 · Heft 41 (10.10.1840) · p. 319

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 41 (10.10.1840)
Article
Pommern: Antwort auf eine Anfrage
Date
1840-10-10
Page
319 (sequence 3)
Language
German
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- 319 - des Staates. Daß aber die israelitische Religion nicht hindert, die Bürgerpflichten zu üben, ist von den orthodoxirten Rabbinen wie von den aufgeklärtesten Forschern erwiesen, und die frommen Juden Großbritanniens und der Niederlande sind dafür, der sprechendste Beweis. Unsere aufgeklärte und humane Negierung erkennt dies auch an, und es ist nicht wahr, daß sie deshalb schwankt, weil sie uns als Unterthanen oder Fremdlinge betrachten solle. Des Hochseligen Königs Majestät hat es erklärt, daß. ihm alle seine Unterthanen gleich wecth seien, er ihnen allen, wes Glaubens sie auch seien, gleichen Schutz gewähren wolle. Unser jetziger König, den Gott erhalten möge, hat es uns zugesagt, daß weiter gebaut werden solle, und hat sich auch wohl auf seiner jüngsten Reise überzeugt, daß ihn seine jüdischen Unter- (hanen nicht minder als die christlichen wie einen Vater lieben und verehren. So wollen wir denn vertrauen auf die Gerechtigkeit und Weisheit unserer väterlichen Regierung, und Treue bewahren unserem Könige, Treue unserem Vaterlande, aber auch Treue — unserer Religion l Welmy. r (Besch.) Alle Wünsche sotten nun durch das künftige geistliche Oberhaupt erfüllt werden. Es ist wahrlich keine kleine Aufgabe. Soll es nun nicht Indignation erregen, wenn junge Leute ohne Erfahrung und ohne Wissenschaft nach dieser sehr wichtigen Stelle sich lüstern zeigen, um sie als Pfründe zu genießen? Wir vertrauen auf das Gewissen der Notabeln, daß sie nichts als die heilige Angelegenheit ins Auge fassen und mehr auf das Allgemeine Rücksicht nehmen werden, als auf den Vortheil oder die Versorgung einzelner Menschen. So'wie sie in dieser Sache urtheilen werden, so > wird die Welt, so wird auch Gott über sie urtheilen. Es wird schon Alles an den Tag kommen, und Gott kennt ja die Gedanken eines Jeden. Als eine Kuriosität ymß ich Ihnen zwei Argumentationen mittheilen, deren sich Einzelne in allem Ernste gegen die Anstellung des Herrn Heß bedienten. Einmal hieß es, derselbe wohne schon sechs Jahre hier und hat während dieser Zeit mit Niemandem noch einen Streit gehabt, folglich fehle ihm die-Energie, um dieses Amt zu bekleiden. Gleichsam als müßte der Rabbiner auch ein Raufbold sein , dem eine gewisse Quantität Gallsüchtigkeit unerläßlich wäre. Dann siel es einem Andern ein, der Herr Heß beschäftigt sich stark mit der hebräischen Literatur und ihrer' Exegese und so wäre denn zu befürchten, daß derselbe weniger Sorgfalt auf sein Amt verwenden werde. Als wäre von einem Müßiggänger eher in dieser Beziehung Etwas zu erwarten. Es versteht sich von selbst, daß solche Einwendungen nur von Einzelnen ausgehen, und finden sie auch bei einem Börnirten Anklang, so halten die Vernünftigem solche Mangel mit Recht für sehr empfehlende Vorzüge. Mehxere- Gemeinden in unserm Regierungsbezirke, die zwölf, vierzehn und sechszehn Stunden von dem Sitze des Rabbinats zu Trier entfernt sind und zu den wohlhabensten und zahlreichsten des ganzen Bezirkes gehören, wie Saarlouis und Ottweiler x. haben sich verabredet, von dem Rabbinate zu Trier sich zu trennen und für sich allein einen Rabbinen zu wählen; denn in zwölf Jahren kam der letztere Rabbiner nicht in ihre Gegend, sie gewahrten nichts von seiner Wirksamkeit, als die Entrichtung ihrer Beiträge und Gefälle; käme nun aber jetzt ein rüstigerer Geistliche an die Spitze, so wäre immer noch ein Rabbiner in ihrer Mitte weit ersprießlicher für alle ihre geistlichen Angelegenheiten, und so will namentlich die Gemeinde von Saarlouis, die vier? zig Familien stark ist, gern das Doppelte entrichten, wenn ihr Wunsch gewahrt wird. Sie haben sich deshalb an die hiesige Negierung gewendet; allein man hat Grund an der Gewährung ihrer Bitte zu verzweifeln. Es wird ihnen zwar nicht untersagt werden, einen Rabbinen für sich zu nehmen, den Beitrag zu dem Hiesigen Rabbinate werden sie dessen ungeachtet dennoch entrichten müssen. ' Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte dee Gegenwart. Ueber die jüdischen Gemeinden in Danzig. ' Die zahlreiche Iudenschaft Danzigs Lnfbet fünf getrennte. Körperschaften, deren räumliche Entstehungsweise, folgende ist : Am linken User der Mottlau, in der eigentlichen Stadt, erschien die Danziger Gemeinde; auf dem rechten Ufer des Flusses, in der abgesonderten Niederstadt, die nach der damaligen Hauptstraße benannte M a t t e n b u d e r Gemeinde. diesem ursprünglich städtischen Gemeinden kamen seit der Belagerung Danzigs und theilweiser Vernichtung der Vorstädte durch die Franzosen die in den letzteren früher bestandenen Gemeinden von A l L f ch o t t l a n d, Wein b e r g und L a n g efuhr. Eine gänzliche Trennung findet zwischen diesen Gemeinden statt, und nur zwei Institute sind einzelnen von ihnen gemeinschaftlich: von den zwei jüdischen Vegräbnißplatzen in der Nähe Danzigs gehört der eine, in Langefuhr, der nach dieser Vorstadt benannten Gemeinde ausschließlich an; der andere, auf dem Stolzenberge, ist den übrigen vier Gemeinden gemeinschaftlich, doch ohne gemeinsame Verwaltung der dahin gehörigen Angelegenheiten , noch ohne wechselseitige Anfeindung der verschiedenen Verwaltungsbehörden. Eben so ist das Rabbinat seit Kurzem (früher hatte jede der beiden städtischen Gemeinden ihren eigenen Rabbinen) auf die Weise ein gemeinschaftliches geworden, daß die beiden städtischen Gemeinden zu ' dem Rabbiner der Mattenbuder Synagoge reffortiren, wahrend j die drei vorstadtischen Gemeinden denjenigen Rabbiner als geist-

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