Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Article
- Pommern: Antwort auf eine Anfrage
- Date
- 1840-10-10
- Page
- 318 (sequence 2)
- Language
- German
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Waffen holen, sondern muß den Leser bitten, sich mit den Argumenten zu begnügen, welche dieheilige Schrift und das Leben des Judenthums, so wie sie offen vor uns liegen, darbieten. Lesen wir nun die erste Begründung des Sabbats im Dialog, diesen von allen Religionen anerkannten Worten/ so finden wir: Ex."20, 8., Gedenke des Sabbats ihn zu heiligen; Dt. 5, 12., Hüte den' Tag des-Sabbats, ihn zu heiligen, Hier ist also nicht allein von einem si'ebenten-Tage die Rede, sondern gedenken und hüten, d. h. festhalten in Geist und Seele sotten wir den T ag des S abb ats. Wie laßt sich damit eine Verlegung in Einklang bringen? Daß dies vom religiösem Standpunkte aus nicht möglich sei, scheint dem Fragesteller auch ein dunkles Bewußtsein zu sagen, und er stützt deßhalb seine Anfrage lediglich auf -: politische Gründe. Das heutige nach Emancipation 'strebende Judenthum, so argumentirt er, kann diese nur erlangen, indem es jede möglich (!) zu machende Satzung seines Glaubens nach den Institutionen seines jetzigen ' Vaterlandes modisicirt. Aber, wenn dem so ist, was genügt dann die Belegung des Sabbats? Da müßten wir auch wohl' unsere Ostern am ersten Sonntage auf dem Neum o nd e, der auf Frühl i n gs anfang folgt, feiern; unfern Versöhnungstag auf Weihnachten und das Fest des Gedächtnisses auf den ersten Januar verlegen müssen! Für die Laubhütten müßte noch -ein christliches -Fest creirt werden, oder wir geben es einstweilen auf. Und die Speisegesetze? Nun die erklären wir nur für Palästina - bestimmt , wir haben ja : jetzt ein anderes Vaterland. Und unsere-geschichtlichen Erinnerungen? Die hören ja auch auf, wo wir „jede Beziehung auf ein anderes , langst in Wahrheit arrfgegebenes Vaterland meiden!" Der Verfasser jener Anfrage hätte es nun auch zu erklären, wie sich die Juden in der Türkei, China und Indien -zu verhalten haben, denen in dem ersten Lande wenigstens doch auch schon die Morgenröthe einer Emancipation aufzugehen beginnt. Diese Juden werden wahrscheinlich ihren Sabbat am Freitage - feiern und Ostern mit dem Feste Bairam vereinigen müssen. Schweinefleisch dürften sie aber auch nicht essen, und wollen - sie ganz emancipationsfähig sein, so müßten sie das Weintunken unterlassen, denn es ist ja unsere Verpflichtung, unsere Institutionen, nach denen 'des uns als „Brüder aufnehmenden Vaterlandes zu modisiciren"! Was wir aber, wenn eine solche Metamorphose zu Stande käme, wohl waren? — „Bekenner des einigen Gottes höre ich Hrn. B...». d sagen. Nun , da waren wir -ja plötzlich wieder -um 50 Jahre zurück, auf der Stelle, wohin uns das berüchtigte//Sendschreiben mehrerer jüdischer Hausväter" versetzen wollte, und wir -hätten, mit jenem geistreichen Franzosen zu sprechen, nichts gelernt und nichts vergessen. Allein ein chalbes Jahrhundert schreitet nicht ohne Wirksamkeit an die Menschheit vorüber, am wenigsten bei einem aus langer Starrheit mit frischer Geisteskraft und regem Leben sich erhebendem Volke. Wir haben es jetzt begreifen gelernt, daß das Judenthummehr ist , als nur die Idee des einigen Gottes, und der Jude deshalb mehr als nur diese einzige Idee haben soll. Das Judenthum soll seinen Bekenner heiligen, ihrem Gotte naher bringen, ihm stets seine hohe Mission vor Augen halten. Es soll ihn befähigen, den Sieg davon zu tragen über die Lockungen der Welt, über den Andrang äußerer Verhältnisse, und jede Phase, jedes Zeittheilchen seines Lebens mit dieser' Lehre, mit der Erkenntniß seines Verhältnisses zu Gott und dessen Geschöpfen ausfüllen. — Dazu bedarf das Judenthum seiner Moral, seines Gottesdienstes , seiner Formen; und es ist die Pflicht eines jeden Israeliten, nicht allein den Glaubenan einen einigen Gott festzuhalten, sondern auch durch -die Dichtung -der damit verknüpften Formen, durch die Hingebung an den damit verbundenen Gottesdienst, die Auftechthaltung des Judenthums und dadurch die Erfüllung seiner heiligen Mission zu bewirken. Herr B. will nun alle, die eine solche Verpflichtung anerkennen, überhaupt alle, welche in der Erscheinung des Messias noch etwas mehr -erwarten, als das Recht, Nachtwächter, Postmeister, Negierungsräthe u. f. w. zu werden, als politische Flüchtlinge, nur auf Schutz berechtigte Fremdlinge , betrachtet wissen. Nur für sich und die ihm gleich Gesinnten nimmt er die Emancipation in Anspruch. Möge es ihm das eigene Bewußtsein sagen, in welche Kategorie er sich durch solche politische Verdächtigung und beabsichtigte Ausschließung Andersdenkender stellt; ich begnüge mich ihm zu erklären, daß seine ausgestellte-Alternative falsch ist. Wir — ich spreche im Namen von tausenden mir gleich Denkender — wir haben kein Vaterland, als das, worin wir geboren, das uns nährt, kleidet, schützt, uns zu seinen Bürgern ausgenommen, seine geistigen Bildungsanstalten geöffnet hat; und dennoch erwarten wir die Erscheinung jener großen Zeit, in welcher, nach den Weissagungen der Propheten, die Erde voll der Erkenntniß sein, daß, Neid und Streitsucht verschwinden und alle Menschen, wie -Brüder in Friede und Glückseligkeit leben werden, wo die Mission Israels erfüllt sein und alle Völker die Einheit Gottes anerkennen 'werden. Ja, wir betrachten das Land, worin wir -nun schon in so vielen Generationen gelebt, dessen Leiden wir mit empfunden, dessen -Leiden -wir witfühlen, als unser" einziges Vaterland. Wir haben kein anderes, und Gut und Blut geben wir dafür chin, aber nicht fühlen wir uns verpflichtet, die 'Erinnerungen unserer Vergangenheit auszulöschen, unser geistiges Gut dafür hinzugeben, und unsere Seele zu morden, -indem wir unsere Religion aufgeben, -weil — das Vaterland solche. Opfer gar nicht verlangt-! '-Gleichheit der Rechte gebührt jedem Menschen-; ob seine Religion es Hm gestatte, die damit verbundenen Pflichten auszuüben, ist nicht Sache