Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Article
- Algier: über den Zustand der Juden daselbst
- Date
- 1840-10-10
- Page
- 314 (sequence 2)
- Language
- German
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- 314 Dieser Charakter behauptet sich in Algier noch mehr als anders wo, weit die Juden hier alle, oder doch wenigstens zum großen Theile, auf eine enge Sphäre beschrankt sind, aus der sie nie heraustreten, da sie sonst erwarten müßten, stets und durch alle Welt wieder zurückgedrängt zu werden, ob schon sie bei aller Welt rücksichtlich ihrer Dienstleistungen Geltung haben, zu denen man sie übrigens für verbunden halt, wahrend doch eigentlich diese Dienstleistungen doch nur ihnen allein Nutzen bringen. Das sind die Schattirungen die wir wieder geben , und die, um sich von ihnen Kenntniß zu verschaffen, gar sehr in Betracht kommen, weil alle diesen Charakter an sich tragen. / (Forts, folgt.) Alexandrien. Ich theile ihnen ein Document mit, welches..-in- Europa Aufsehen erregen wird, es ist der am Aug. von Mehemed Ali an Scherif-Pascha, Gouverneur von Damaskus, erlassene Befehl, durch welchen dem seit sechs Monaten so oft besprochenen Pro reffe plötzlich ein Ende gemacht wird. Er lautet wörtlich folgendermaßen. (Der. Correspondent . theilt hier den von uns weiter unten veröffentlichen Befehl mit, und sagt dann weiter): Es geht aus diesem Documente deutlich hervor, daß durch die bloße Anwesenheit und durch den moralischen Einfluß der von den europäischen Juden hierher gesendeten Deputation den unglücklichen Gefangenen das Leben gerettet wurde, und ' die Juden können sich -für. ihren löblichen- Eifer hinlänglich belohnt fühlen , obgleich sie für die ihnen angcthane Schmach/ keine vollkommene Genugthuung erhalten haben. Für jeden vernünftigen und voruv:t^ci^öf^e.icn 5Beuvt|)eilec ifl es klar, daß Mehmed Ali das. Lügengewebe durchschaut hat, und daß er durch die Freilassung der Angeklagten und das Aufheben der Procedur die sammtlichen Juden von der ihrer Religion aufgebürdeten Schuld frei sprechen wollte. In einem Lande, in welches noch kein Schimmer von. Civilisation gedrungen ist, und welches kein anderes Gesetz kennt, als den Willen h^es Herrschers, ist es schon viel, diese' Genugthuung erlangt zu haben. Den jüdischen Abgeordneten muß man das Zeugniß geben, daß sie keine Mühe sparten, um Mehmed Ali zu einer regelmäßigen Untersuchung und einer gesetzmäßigen Procedur zu vermögen. Mehmed Ali erkannte .auch .recht gut. die., gerechten Forderungen der beleidigten Juden, aber die französische Partei, welche Hrn. Ratti- Menton vor den Äugen aller Welt gebrandmarkt zu sehen fürchtete, bot alles Mögliche aus, um die Entdeckung der Wahrheit zu verhindern, und Hr. Thiers scheute weder Jntriguen noch Drohungen, um die Bemühungen der jüdischen Deputationen zu vereiteln. Bei den. jetzigen politischen Verhältnissen,, wo Mehmet mit allzugroßem Vertrauen auf die Hülfe - Frankreichs rechnet, ist es kein -Wunder, daß er die Franzosen zu schonen suchte; doch, hat er das Wort Gnade, welches, wie man' zuversichtlich weiß, auf Verlangen des französischen Cönsuls ursprünglich in den Befehl ausgenommen wurde,/aus die energische Protestation des Hrn. Cremieux ausstreichen Lassen, und demselben mündlich die befriedigendsten Erklärungen, gegeben, welche man nächstens in einem Ferrncm ausgesprochen zu sehen erwartet. Es ist blos Hrn. Lhiers beizumessen, wenn über die Sache noch ein Halbdunkel verbreitet rst, welches zwar die Ehre des Hrn. Ratti-Menton in den Augen, einiger minder Aufgeklärten retten kann, das aber gewiß dem Interesse, der Menschheit zuwider, ist. Da wir m einem eigenen Aussätze, unter dem Titel Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart, fast eine vollständige pragmatische Relation über Alles, was zu Gunsten der in Damaskus verfolgten-. Juden geschehen ist, gegeben haben,- fo wird der Leser des Orients gewiß sehr gern sehen, wenn er hier auch die Correspondmz Montefiore's findet. Denn obgleich nun dieses bereits erwähnte Resultat das Letzte ist, was wir von der Sendung erfahren haben, so wird doch der Leser nur ungern die Erzählungen vermissen, die auf das Resultat Bezug haben. Wir - theilen daher d r ei höchst interessante Briefe Montesiore's mit, welche an das Comite der englischen Juden gerichtet war, und auch von demselben veröffentlicht wurden > dem Leser versprechend, bald in einer Fortsetzung des oben erwähnten großen Artikels viele höchst interessante Einzelheiten in einem historischen Rahmen darzustellen. j. AlexMrdeieN/ 6. August. Durch die Güte des Allmächrigen gelaugten wir sicher in diesen Hasen und landeten vergangenen Dienstag (4. Aug.) um 9 Uhr Morgens. Ich machte sogleich dem brittischm Consul, Calonel Hodges, meine Aufwartung, um meine Depeschen von Lord Palmerston zu überreichen, und ihn zu ersuchen, eine Audienz, um mich dem Pascha vorzustellen, zu bewirken. — Hierauf besuchte ich die übrigen Consuln, und erhielt von ihnen (mit Ausnahme des französischen) insgesammt die Versicherung, meine Mission unterstützen zu wollen. Dienstag Abends erhielt ich die Anzeige von Col. Hodges, daß Se. Hoheit mich und meine Gefährten am nächsten Morgen um 8 Uhr empfangen würden. Ich verfügte mich zur bestimmten Stunde in den Pallast, und ward nebst Herrn Wire, Dr. Madden und Dr. Löwe Sr. Hoheit vorgestellt.- Ich ward aufgefordert,, mein- Ansuchen zu verlesen, und am Dienstag Abend ward mit Hülfe des Hrn. Cremieux die Adresse abgefaßt,, wovon eine Abschrift einliegend folgt. Wir waren darin einig, es nicht für rathsam zu halten, eine neue Untersuchung zu verlangen, sondern blos allgemeine Ausdrücke zu wählen, die Niemanden implicirten; jedoch genügende Vollmacht zu erlangen, um die Nachforschung auf's Aeußerste zu treiben, da wir keinen Augenblick zweifelten, solche Auskunft herbeizuführen, die zu einer vollkommnern Rechtfertigung unserer leidenden Brüder Leiten müßten. Mit Bedauern muß ich berichten, daß der Pascha nach Verlesung der Adresse blos sagte, er würde sie übersetzen lassen , darüber Nachdenken und mich am Freitag wieder sprechen. Vergeblich bemühte ich mich nebst dem Col. Hodges die Unterhaltung über diesen Gegenstand fortzusetzen; sie ward fortwährend auf andere Dinge geleitet, und ich konnte nichts erlangen, als die obige Zusicherung.. Ich las die Adresse in englischer Sprache vor, unb übergab dann zwei Copien, eine englische und eine französische. Es scheint die Absicht des Pascha's zu sein, zu zögern und jetzt keine Antwort zu ertheileu. Die verwickelten Verhältnisse zwischen Sr. Hoheit und der Pforte, die jüngste Insurrektion in Syrien, das fortwährende Kommen und Gehen der Dampfschiffe von den verschiedenen europäischen Regierungen, und die Spannung, mit der er das Ultimatum der fünf-Machte, von welchem man hier glaubt, daß es einem Theil der Absichten des Pascha'6 entgegen sein wird, erwartet, verzögern jedes andere GeschO dürften wohl eine Zeitlang die Erlangung unserer Wünsche Hinhalten. Der hiesige französische. Consul hat uns versichert, daß jede Untersuchung, die wir anstellen würden, die Moralität des franz, Consuls in Damaskus rechtfertigen würde, worauf wir erwiederten, daß, wenn dem so wäre, er keinen Grund hätte, sich unserm Begehren zu.widerfttzen. Er bemerkte, daß . er