Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Article
- Algier: über den Zustand der Juden daselbst
- Date
- 1840-10-10
- Page
- 313 (sequence 1)
- Language
- German
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4» Berrchte. Strr - Len und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei. asten löbl. Postämtern und allen soliden Buchhand- Lungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von »r. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 41. Leipzig, den 10. Oktober 1840. Orient. Algier (über den Zustand der Juden daselbst. Alexandrien, die Freisprechung der Juden in Damaskus. Drei Briefe Montefiore's an das Comite in London. Die Adresse M's. an Mehmed-Ali. Der Ferman. Schreiben Cremieux's nach Wien.). — D eu tsch l a n d sP o m m e r n, Antwort auf eine Anfrage. Trier. Schluß.). Li ch t- «.Schattenbilder aus d. jüd. Geschichte d. Gegenwart. Ueber die jüdischen Gemeinden in Danzig. — Personalchronik u. Miscellen. — L.-B. d. Orients. Orten t. Algier*, im August. Brief über den Zustand der Juden im Gebiete Algier und über die Mittel, sie aus der Erniedrigung, in der sie sich befinden, zu reißen. (Gerichtet an Marx Cerfbeer, Oberstleutnant der Leibgarde rc. von Joh. Faran, Dolmetscher des Generalgouvemeurs von Algier und Goldscheider, Arzt bei der aftckan. Mission.) Mein Herr! Wir haben Ihrem gütigen Rache, rücksichtlich einer Untersuchung der Lage der Juden im Gebiete Algier, Folge geleistet und ersuchen Sie heute, das Resultat unsrer Bemühungen entgegen zu nehmen. Wir haben das Uebel mit Namen genannt, aber auch die Mittel angegeben, diesem Unheile zu steuern. Ist das Uebel groß, so müssen die Mittel dagegen ebenfalls stark und kräftig sein (maximis muH« maxima remedia). Während unsrer Beobachtungen haben wir, trotz aller Gemeinnützigkeit unsers Geschäfts, nicht selten unfern ganzen Muth neu zusammen raffen müssen, indem wir uns an die Freundschaft erinnerten, die Sie gegen uns gütigst hegen, und indem wir Ihre unausgesetzte Sorgfalt für die Israeliten Frankreichs uns vergegenwärtigten. In dem Entwürfe des Gemäldes über den Zustand der Juden des Gebietes Algier sind wir streng, aber gerecht gewesen. Es darf dies nicht anders sein, und würden wir morgen beauftragt, eine Geschichte der Christen in der Levante zu entwerfen, so würden wir genöthigt sein, im Interesse der Wahrheit und des socialen Fortschritts in unser Gemälde nicht weniger Schatten und Imückstoßendes zu bringen. Die Juden längs der ganzen Ausdehnung der dem Islam unterworfenen Lander leben zerstreut und umherirrend, und bilden zwar allerwege eine Nation, aber nirgends ein Volk. Sie können den Namen einer Nation.beanspruchen, weit sie sich aller der. Dortheile ihres väterlichen Gesetzes erfreuen, weil sie ihres Geschlechts (sui generis) sind; denn rücksichtlich ihrer Sitten erscheinen sie noch heute als dieselben, die sie vor ihrer Zerstreuung waren, zu Jerusalem eben sowohl wie zu Constantinopel, zu Cakro wie zu Tanger, zu Tunis wie zu Algier, und dabei sind sie unter dem Joche einig unter sich, um durch List die harten gesellschaftlichen Folgen wieder auszugleichen, die ihnen die Auslegung ihrer biblischen Gesetze in jeder Lage zuzieht, welche von ihren Rabbinen mit mehr oder weniger Gläubigkeit, mit mehr oder weniger Wissenschaft, mit mehr oder weniger Fanatismus erfolgt. Sie bilden kein Volk, weil ein moslimischer Souverain sie blos in seinen Staaten duldet, sie nicht unter die Zahl seiner Unterthanen rechnet, weil sie nicht, wie in Frankreich oder in andern europäischen Staaten, einen integrirenden Theil der Bevölkerung bilden, so daß sie den Gesetzen, ihres Geburtslandes unterworfen waren und alle die Vortheile, Rechte und Privilegien genössen, die den Bürgern desselben zu Theil werden. Das, was wir hier bemerken, ist so gegründet, daß die Muselmänner nur die für ein Volk anerkennen, welche eine Cocarde und Fahne führen, eine politische Auszeichnung, deren die Juden beraubt sind, weil, wie die Andern bemerken, sie nicht im Stande sind, eins dieser Zeichen der Volksgewalt zu schützen. Sie sind daher alle eines Schlages, und ihr Charakter besteht in einer nationalen Eigenthümlichkeit, von der jeder Jude seinen Theil besitzt. 41